Nachruf auf René Ritter
Mehr als 1.000 Schaustellerkolleginnen und -kollegen aus ganz Deutschland, Freunde, Angehörige, Geschäftspartner sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung kamen am 16. April 2026 in der Cranger Kirche zusammen, um Abschied von Schausteller René Ritter zu nehmen. Auch Weggefährten aus den Niederlanden und Belgien erwiesen ihm die letzte Ehre. Ein Ort, der sonst für Lebensfreude, Lichter und Lachen steht, war an diesem Tag von stiller Trauer erfüllt. Sein plötzlicher Tod bleibt für viele unfassbar – viel zu früh wurde er mitten aus dem Leben gerissen.
René Ritter, Schausteller in sechster Generation, verstarb am Ostermontag, dem 6. April 2026, im Alter von nur 45 Jahren. Gemeinsam mit seiner Schwester Yvonne führte er den Familienbetrieb „Zum Ritter“, mit dem die Familie auf zahlreichen Volksfesten in Nordrhein-Westfalen vertreten ist.
René Ritter wurde am 28. September 1980 in Essen als zweites Kind von Silvia und Albert Ritter geboren. Sein Weg in das Schaustellergewerbe war früh vorgezeichnet. Mit großem Engagement, handwerklichem Geschick und technischem Verständnis wuchs er in die Verantwortung im Familienbetrieb hinein und prägte insbesondere die organisatorischen und technischen Abläufe.
Seine Leidenschaft galt allem, was Motoren hatte. Besonders das Motorradfahren bedeutete für ihn Freiheit und Ausgleich. Gemeinsame Touren mit Freunden – auch über die Grenzen Deutschlands hinaus – waren für ihn Ausdruck gelebter Gemeinschaft und ein fester Bestandteil seines Lebens.
Auch im Verbandsleben engagierte sich René Ritter über viele Jahre hinweg. Im Schaustellerverband Essen-Ruhrgebiet 1919 e.V. wirkte er als Beisitzer und 2. Schriftführer und trug bei zahlreichen Anlässen voller Stolz die Traditionsfahne seines Verbandes. Als Delegierter nahm er regelmäßig an den Delegiertentagen des Deutschen Schaustellerbundes teil und setzte sich für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen ein. Darüber hinaus brachte er sich in der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände Nordrhein-Westfalen ein und übernahm dort verlässlich organisatorische Aufgaben – ruhig, ohne viele Worte, aber stets zur Stelle, wenn es darauf ankam.
Wer René Ritter kannte, schätzte seine Hilfsbereitschaft, seine Bodenständigkeit und seine Verlässlichkeit. Er war ein Mensch, auf den man sich jederzeit verlassen konnte – in der Familie ebenso wie im Kollegenkreis.
Die enge Verbindung zur Cranger Kirmes und zum Stadtteil Wanne-Eickel machte diesen Ort zu einem Abschiedsort von besonderer persönlicher Bedeutung. Vor der Kirche bot sich den Trauergästen ein eindrucksvolles Bild: Ein Meer aus Blumen und Kränzen umrahmte seine Zugmaschine, sein Cabriolet und seine geliebte Harley-Davidson – Sinnbilder eines Lebens, das von der Reise geprägt und eng mit dem Schaustellerwesen verbunden war.
Die Trauerfeier wurde vom Nationalseelsorger Sascha Ellinghaus geleitet. Bethel Thelen, Vizepräsident des Deutschen Schaustellerbundes, erinnerte an gemeinsame Erlebnisse aus Jugendtagen und würdigte insbesondere Renés verlässliches Wirken im Hintergrund. Mit großem Engagement sorgte er dafür, dass vieles reibungslos funktionierte, und hielt seinem Vater über viele Jahre den Rücken für die Verbandsarbeit frei. Auch Pastor Michael Thoma von der Kirchengemeinde Wanne-Eickel fand einfühlsame Worte des Abschieds.
Mit nahezu 100 Traditionsfahnen aus ganz Deutschland, angeführt von der Bergmannskapelle und begleitet von seinen Motorradfreunden, setzte sich im Anschluss ein langer Trauerzug über den Cranger Kirmesplatz in Bewegung. Rund 140 Motorräder standen Spalier und erwiesen ihm mit dem Aufheulen ihrer Motoren den letzten Gruß.
Seine letzte Ruhe fand René Ritter auf dem neu eingerichteten Grabfeld für Schaustellerfamilien unweit der Kirche. Damit bleibt er dem Ort verbunden, der sein Leben und Wirken geprägt hat.
Mit René Ritter verliert die Schaustellerfamilie einen engagierten Kollegen und einen geschätzten Menschen. Der Deutsche Schaustellerbund wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. In seiner Familie, bei seinen Freunden und auf den Volksfestplätzen wird seine Erinnerung lebendig bleiben.
Für das Präsidium
Der Ausschankbetrieb „Zum Ritter“ wird auch künftig in seinem Sinne weitergeführt.