DSB – Deutscher Schaustellerbund e.V.

75. Delegiertentag des DSB in Paderborn

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Größtes Schaustellerparlament der Welt stellt Weichen für die Zukunft

Der Delegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes ist die zentrale Jahresversammlung der deutschen Schaustellerinnen und Schausteller. Vom 22. bis 25. Januar 2026 fand in Paderborn die 75. Sitzung des größten Schaustellerparlaments der Welt statt. Meinungsaustausch, Beratung aktueller Herausforderungen sowie die gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen im großen Schaustellerplenum bilden traditionell die Grundpfeiler des Jahrestreffens. Darüber hinaus standen in diesem Jahr die Beratung und Abstimmung von Anträgen sowie die Ehrung verdienter Mitglieder auf der Tagesordnung. Die Organisation der Tagung lag in den Händen des Schaustellervereins Paderborn e.V., dessen Erster Vorsitzender und DSB-Vizepräsident Bethel Thelen gemeinsam mit seinem Team die Delegierten in der Paderstadt willkommen hieß und sich über die gesamte Dauer des Jubiläumsdelegiertentages als hervorragender Gastgeber erwies.

Nach der feierlichen Großkundgebung des 75. Delegiertentages des Deutschen Schaustellerbundes, über die wir in der vorausgegangenen KOMET-Ausgabe 5884 berichteten, tagten an den beiden Folgetagen die Delegierten der 89 DSB-Mitgliedsverbände im ehrwürdigen Fahnensaal des Paderborner Schützenhofs. Die Beteiligung war ausgesprochen groß und erfreulich: Die Delegierten aus ganz Deutschland kamen zusammen, um im größten Schaustellerparlament der Welt über die aktuellen Herausforderungen der Branche zu beraten.

Nach der Eröffnung des Plenums durch DSB-Präsident Albert Ritter begrüßte DSB-Vizepräsident Bethel Thelen in seiner Funktion als Erster Vorsitzender des Schaustellervereins Paderborn e.V. gemeinsam mit Verena Mertens, Mitglied des Europäischen Parlaments, die Delegierten in der Paderstadt. Anschließend lud Rudolf Robrahn, Erster Vorsitzender des Schaustellerverbandes des Landes Bremen e.V., gemeinsam mit Björn Fecker, Stellvertretender Präsident des Senats, Bürgermeister sowie Bremer Senator für Finanzen, die Schaustellerverbände unter großem Applaus zum nächsten, dem 76. Delegiertentag im Jahr 2027 in die Hansestadt Bremen ein. Im Anschluss daran gedachten die Anwesenden der im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder der Schaustellerfamilie. Pfarrer Sascha Ellinghaus und Pfarrer Thorsten Heinrich fanden hierzu bewegende Worte und sprachen ein gemeinsames Gebet.

Bericht des Hauptgeschäftsführers

Zu Beginn seines Berichts ging DSB-Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg auf den weiterhin großen Arbeitskräftemangel in der Schaustellerbranche ein, der viele Betriebe vor erhebliche Herausforderungen stellt. Nachdem bereits am Vortag die Politiker den Schaustellern ihre Unterstützung für eine neue Drittstaatenregelung zur Gewinnung von Arbeitskräften aus dem Ausland – auch aus dem asiatischen Raum – zugesagt hatten, unterstrich Hakelberg die zentrale Bedeutung einer solchen Regelung für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Zudem stellte er eine sich in Vorbereitung befindliche Zusammenarbeit mit dem Personaldienstleister jobvalley vor, die den Mitgliedern des Deutschen Schaustellerbundes künftig neue Möglichkeiten bei der kurzfristigen Beschäftigung studentischer Arbeitskräfte eröffnen soll.

Einen weiteren Schwerpunkt seines Berichts bildeten die medialen Diskussionen um Sicherheitskosten bei Volksfesten und Weihnachtsmärkten, zu denen auch das Präsidium des Deutschen Städtetages in einem Beschluss vom November 2025 Stellung nahm und feststellte, dass terrorbedingte Sicherungsmaßnahmen eine erhebliche zusätzliche Belastung für Kommunen und Veranstalter darstellen und Bund und Länder zur Übernahme dieser Kosten aufforderte. Hakelberg blickte auf die teils verunsichernden öffentlichen Debatten zurück, in deren Zuge Gerüchte über zahlreiche Absagen von Veranstaltungen entstanden waren. Der Deutsche Schaustellerbund trat diesen Darstellungen entschlossen entgegen und trug durch politische Gespräche sowie gezielte Pressearbeit zur Versachlichung der Diskussion bei. Zur Freude der Delegierten konnte Hakelberg berichten, dass im Jahr 2025 nahezu alle Traditionsveranstaltungen planmäßig stattfanden. Auch der Magdeburger Weihnachtsmarkt konnte nach zwischenzeitlichen Diskussionen über das Sicherheitskonzept wie vorgesehen durchgeführt werden. Eine Pressemitteilung des DSB sowie ein in den sozialen Medien viel beachtetes Statement von DSB-Präsident Albert Ritter trugen maßgeblich dazu bei, die Situation zu beruhigen.

Von guten Nachrichten für die Weihnachtsmärkte berichtete Hakelberg auch, als er die Delegierten über den kurz vor Beginn der Weihnachtssaison 2025 erzielten neuen Weihnachtsmarkttarif zwischen der GEMA und der Bundesvereinigung der Musikveranstalter e.V. (BVMV), der auch der Deutsche Schaustellerbund angehört, informierte. Der neue Tarif, der zur Saison 2025 in Kraft trat, reduziert die Vergütung für öffentliche Musiknutzungen auf Weihnachtsmärkten um rund 35 Prozent und stellt damit eine spürbare Entlastung für Veranstalter dar. Hakelberg betonte, dass dies der richtige Weg sei, den festgestellten Trend zu „stillen Weihnachtsmärkten“ zu stoppen und auch den vielen Chören, Ensembles, Musikschulen und Orchestern weiterhin im Wortsinne auf den Weihnachtsmärkten eine Bühne für ihre Kunst zu bieten.

Ein weiterer wichtiger Punkt seines Berichts war die Gestattung für reisende Gastronomiebetriebe. Hier konnte der Deutsche Schaustellerbund im zurückliegenden Jahr ganz erhebliche Fortschritte erzielen. Nachdem bereits 2024 Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein der Argumentation des DSB gefolgt waren, konnten inzwischen auch Baden-Württemberg, Bayern und Berlin von der Abschaffung beziehungsweise Anpassung der bisherigen Gestattungspraxis überzeugt werden. Hakelberg unterstrich, dass der DSB damit einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Schaustellerbetriebe und zur Vereinheitlichung der Rahmenbedingungen für das reisende Gewerbe leiste.

Dass der Deutsche Schaustellerbund und seine Mitglieder beim Thema Arbeitsschutz nicht stehen bleiben, sondern kontinuierlich an Verbesserungen arbeiten, zeigte sich in den neuen, unter der Leitung des DSB-Arbeitsschutzbeauftragten Robért Hempen produzierten und im Schaustellerplenum vorgestellten Arbeitsschutzvideos. Die Filme zur Unterweisung von Mitarbeitenden sowie zum sicheren Auf- und Abbau von Geschäften sind Teil einer sechsteiligen Filmreihe, die verschiedene Aspekte des Arbeitsschutzes für Schaustellerbetriebe anschaulich und praxisnah vermittelt. Der Hauptgeschäftsführer präsentierte in diesem Zusammenhang die ihm kurz zuvor von der BGN zur Verfügung gestellten Statistiken des Jahres 2025, die eindrucksvoll belegen, wie viele Schulungsangebote (in Präsenz und auch digital) die Verbände in enger Zusammenarbeit mit der BGN auf die Beine gestellt haben – und wie viele Schausteller und Schaustellerinnen diese Angebote auch wahrgenommen haben. Das Präsidium dankte seinem Geschäftsführer für seinen wie immer kurzweiligen Vortrag.

Bericht des Vizepräsidenten für Berufsfragen

Vizepräsident für Berufsfragen Bethel Thelen ging in seinem Bericht auf die aktuellen Herausforderungen für Schaustellerbetriebe ein, insbesondere im Bereich Transport, Logistik und Personalgewinnung. Der anhaltende Arbeitskräftemangel stelle viele Betriebe weiterhin vor große Schwierigkeiten, vor allem Betreiber größerer Fahrgeschäfte, die auf qualifizierte Mitarbeitende für den sicheren Auf- und Abbau sowie den Transport ihrer Anlagen angewiesen sind. Der Deutsche Schaustellerbund arbeite daher intensiv daran, neue Wege zur Gewinnung von Arbeitskräften für die Branche zu erschließen und den Betrieben langfristige Planungssicherheit zu ermöglichen.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Berichts waren die gemeinsam mit dem TÜV Süd durchgeführten Vor-Ort-Schulungen der Module 2 und 3 in Schwerte. Die Schulungen richten sich an Betreiber von Fahrgeschäften mittleren und höheren Schwierigkeitsgrades. Thelen zeigte sich erfreut über die große Teilnahme der Schaustellerinnen und Schausteller und unterstrich die Bedeutung dieser praxisnahen Weiterbildungsangebote für die Sicherheit im Schaustellergewerbe. Er erinnerte daran, dass der Beitrag des DSB zur Steigerung der Sicherheit ab sofort auch darin besteht, seinen Mitgliedern bei Teilnahme an diesen Fortbildungen jeweils 200 Euro der Gebühren zu erstatten.

Thelen berichtete zudem von einer personellen Verstärkung im Bereich der technischen Beratung des Deutschen Schaustellerbundes. Neben dem Berater für Statik von Fliegenden Bauten, Dr. Roland Ondra, der den DSB und seine Mitglieder seit vielen Jahren unterstützt, steht künftig mit Simon Molitor ein Experte für elektrotechnische Angelegenheiten zur Verfügung, der den Schaustellerbetrieben beratend zur Seite stehen wird.

Ein besonderes Anliegen war Thelen zudem die Beendigung der steuerrechtlichen Benachteiligung deutscher Schaustellerbetriebe im Vergleich zu reisenden Unternehmen aus dem europäischen Ausland. Hier nannte er fehlende Möglichkeiten, mit betrieblichen Veräußerungsgewinnen steuerfreie Rücklagen zu bilden, mit denen dann zeitnah wieder in neue Geschäfte investiert werden kann. § 6 b des Einkommensteuergesetzes sieht diese Möglichkeiten bisher (nur) für Immobilien aus dem Betriebsvermögen und auch für Binnenschiffe vor. Eine Erweiterung auch auf Volksfestgeschäfte würde die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Schaustellerbetriebe, die sich Jahr für Jahr den Veranstaltern mit top attraktiven Geschäften präsentieren müssen, stärken.

Bericht des Vizepräsidenten für Organisationsfragen

Vizepräsident für Organisationsfragen Andreas Horlbeck berichtete zunächst über die erfolgreiche Ausrichtung der 190. Hauptvorstandssitzung des Deutschen Schaustellerbundes im Juni 2025 in Darmstadt. Der Darmstädter Schaustellerverband e.V. unter dem Vorsitz von Silke Coutandin-Hausmann organisierte die Verbandstagung hervorragend und bot den Teilnehmenden einen würdigen Rahmen für die Beratungen.

Die 191. Hauptvorstandssitzung des Deutschen Schaustellerbundes wird am 24. Juni 2026 im Hotel Titanic am Gendarmenmarkt in Berlin stattfinden. Horlbeck informierte die Delegierten über die organisatorischen Planungen und verwies auf die entsprechenden Hinweise zur Zimmerbuchung auf der Website des Deutschen Schaustellerbundes.

Im weiteren Verlauf des Berichts zeigte sich einmal mehr die große Geschlossenheit und Zukunftsstärke des Deutschen Schaustellerbundes. Mehrere Mitgliedsverbände bekräftigten unter großem Applaus des Plenums ihre Bereitschaft, in den kommenden Jahren die Ausrichtung des Delegiertentages zu übernehmen. So bestätigten der Süddeutsche Verband reisender Schausteller und Handelsleute e.V. in Person seines Vorsitzenden Lorenz Kalb die Ausrichtung des Delegiertentages 2028 in Nürnberg, der Schaustellerverband Berlin e.V., vertreten durch den Stellvertretenden Vorsitzenden Peter Müller, die Ausrichtung des Delegiertentages 2029 in Berlin sowie der Schaustellerverein Bielefeld e.V. durch seinen Vorsitzenden André Schneider die Ausrichtung 2031 in Bielefeld. Für das Jahr 2030 zog der Lausitzer Schaustellerverband e.V. in Person seines Vorsitzenden Joe Probst die Option für einen Delegiertentag in Cottbus. Darüber hinaus zog der Schaustellerverband Hamburg von 1884 e.V. in Person seines Präsidenten Robert Kirchhecker die Option für einen Delegiertentag im Jahr 2034 in Hamburg.

Die Delegierten begrüßten diese Bereitschaft der Schaustellerverbände mit großem Applaus. Damit zeigte sich, dass die Entscheidung des Deutschen Schaustellerbundes, die Ausrichtung der Delegiertentage finanziell besser abzusichern, die richtige war. Vizepräsident Horlbeck dankte den Verbänden ausdrücklich für ihr Engagement und betonte, dass die große Bereitschaft zur Ausrichtung der Delegiertentage ein deutliches Zeichen für die Vitalität und Geschlossenheit des Deutschen Schaustellerbundes sei. Damit ist die Zukunft des größten Schaustellerparlaments der Welt für die kommenden Jahre gesichert.

Bericht des Vizepräsidenten für Marketing

Vizepräsident für Marketing Kevin Kratzsch knüpfte in seinem Bericht an die erfolgreichen Marketinginitiativen des vergangenen Jahres an und blickte zunächst auf die im Rahmen des 75. Delegiertentages stattgefundene Marketingsitzung zurück, bei der sich zahlreiche Schaustellerinnen und Schausteller gemeinsam mit den Social-Media-Experten Noah-Levi Korth sowie Alina Wichmann über Erfahrungen, Ideen und den Einsatz von Social Media in der Schaustellerbranche austauschten. Im Mittelpunkt des Marketingberichts stand zudem die gemeinsam mit der Korth Media GbR umgesetzte Social-Media-Kampagne des Deutschen Schaustellerbundes. Seit Juli 2025 führte die Reiseroute das Social-Media-Team des DSB quer durch die Republik auf insgesamt elf Volksfestplätze und schließlich zum 75. Delegiertentag nach Paderborn. In Videoformaten, Interviews und Reportagen wurden Schaustellerinnen und Schausteller porträtiert, Gäste befragt, Veranstalter begleitet und Einblicke in die Organisation großer Volksfeste gegeben. Über die Social-Media-Kanäle Instagram, Facebook und TikTok erreichte der Deutsche Schaustellerbund mit der Kampagne mehr als zwei Millionen Menschen.

Wie in jedem Jahr gab Kevin Kratzsch auch einen Einblick in die öffentlichkeitswirksame Arbeit des Deutschen Schaustellerbundes in Berlin. Höhepunkte waren zahlreiche politische Sommerfeste und Veranstaltungen, bei denen der DSB vertreten war, um die zentralen Anliegen der Schaustellerbranche zu vermitteln, darunter das PKM-Sommerfest, das Seeheimer Gartenfest, das Jahresfest der Hamburger Landesvertretung, das Hessenfest, die Stallwächterparty sowie erstmals der „Kleine Stoppelmarkt“ in Berlin. Auch der gut besuchte DSB-Bundesglühweinstammtisch 2025 bot erneut einen erfolgreichen Rahmen für den Austausch mit zahlreichen Politikerinnen und Politikern sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Social Media und Öffentlichkeit über die zentralen Anliegen der Schaustellerbranche.

Bericht des Vizepräsidenten für Finanzen

Vizepräsident Josef Diebold konnte auch auf seinem dritten Delegiertentag als Vizepräsident für Finanzen positive Nachrichten verkünden, denn die Mitgliederzahl des DSB steigt stetig an. Im vergangenen Jahr verzeichnete der DSB 110 neue Mitglieder, seit 2020 ist die Mitgliederzahl sogar um 723 gestiegen. Das zurückliegende Haushaltsjahr konnte der DSB wie schon die Jahre zuvor mit einer positiven Bilanz abschließen. Besonders wichtig war Diebold die langfristige finanzielle Absicherung der Delegiertentage und Hauptvorstandssitzungen des Deutschen Schaustellerbundes, die er in engem Schulterschluss mit Vizepräsident Andreas Horlbeck weiter vorantreibt. Im weiteren Verlauf attestierte das Revisiorenteam, das das Geschäftsjahr 2025 kritisch unter die Lupe nahm, dem Vizepräsidenten eine korrekte Kassenführung – und kluge Finanzpolitik.

Ehrung verdienter Mitglieder und Dank an den Schaustellerverein Paderborn e.V.

Als würdevoller Beginn des 75. Delegiertentages in Paderborn wurden auch in diesem Jahr verdiente Mitglieder unter großem Applaus für ihr langjähriges Engagement für die Schaustellerbranche geehrt. Michael Hempen und Wilhelm Schemel erhielten die höchste Auszeichnung des Deutschen Schaustellerbundes, die Goldene DSB-Ehrennadel mit Brillant.

Mit der DSB-Ehrennadel in Gold wurden Alfred Fliege, Ludolf Fock, Ralf Leonhard und Udo Osthold sen. für ihre Verdienste um die Schaustellerbranche geehrt. Monsignore Manfred Simon erhielt für seine langjährige Tätigkeit als Schaustellerseelsorger die Goldene Ehrennadel mit Halbkranz.

DSB-Bundesfahnenträger Robert Heitmann wurde mit der Ehrenfahnenträgerschärpe des Deutschen Schaustellerbundes ausgezeichnet.

Als Anerkennung für die erfolgreiche Ausrichtung des 75. Delegiertentages wurde dem Schaustellerverein Paderborn e.V. die Ehrenurkunde des Deutschen Schaustellerbundes verliehen.

In der nächsten Kometausgabe 5886 berichten wir über die Fachgruppensitzungen, die Pressekonferenz sowie die Interschau im Rahmen des 75. Delegiertentages in Paderborn.