Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Wirtschaftsgipfel mit Bundesminister Altmaier: DSB betont dramatische Situation des Gewerbes

Am 16. Februar 2021 fand der Wirtschaftsgipfel statt, zu dem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rund 40 Spitzenverbände der von der Coronapandemie besonders betroffenen Branchen eingeladen hatte. Unter diesen Verbänden waren neben dem Deutschen Schaustellerbund auch der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Handelsverband Deutschland, der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband sowie viele mehr. Die Einladung zu dem Gipfel war eine Anerkennung für das Schaustellergewerbe, da der DSB so als einer von hunderten weiteren Wirtschaftsverbänden in Deutschland die Gelegenheit hatte, während der Veranstaltung die Situation des Gewerbes darzulegen.

Thema dieser hochkarätig besetzten Konferenz war zum einen, den Ist-Stand der Corona-Hilfen zu besprechen (kommen die Zahlungen rechtzeitig an, reichen sie aus, wo klemmt es?), als auch zum anderen einen Blick in die Zukunft zu werfen und auszuloten, wie sich das Pandemie-Geschehen entwickelt und unter welchen Voraussetzungen Öffnungen der Wirtschaftszweige wieder möglich sind.

Bundesminister Altmaier kündigte gerade in diesem Zusammenhang an, dass man bis zu den nächsten Beratungen von Bund und Ländern Anfang März Empfehlungen für eine Öffnungsstrategie erarbeiten wolle. Dabei gehe es um eine gemeinsame Position, die die Sichtweise und Empfehlungen der Wirtschaft berücksichtige.

DSB-Präsident Albert Ritter und Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg hatten während der Konferenz die Gelegenheit, die existenzbedrohende Situation des Schaustellergewerbes darzustellen. Dabei kritisierten sie insbesondere, dass die Überbrückungshilfe III in den ersten Monaten des Jahres 2021 für kaum einen Schausteller zugängig ist. Grund dafür sei, dass für jeden einzelnen Monat ein Umsatzrückgang von mind. 30 Prozent dargelegt werden muss. Da die Schausteller in den Monaten Januar bis März aber stets im Winterquartier sind – und dementsprechend auch ohne Einkommen – ist dieser Nachweis nicht möglich: „Die Auffassung des Bundesfinanzministeriums, dass dort, wo kein Umsatzverlust besteht, auch kein Schaden zu beklagen sei, ist irrig und verkennt die Besonderheiten unseres Schaustellergewerbes! Denn diesem Winterquartier 2020 ist keine auskömmliche Saison vorausgegangen, in der wir Schausteller uns den dringend benötigten den „Winterspeck“ erarbeiten konnten“, kritisierte DSB-Präsident Albert Ritter während des Gipfels.

Die DSB-Vertreter wiesen erneut darauf hin, dass alle der ca. 10.000 bundesweiten Volksfeste und ca. 3.000 Weihnachtsmärkte im vergangenen Jahr verboten wurden. Es müsse daher also dringend eine Lösung für diese Problematik gefunden werden, denn den weiterlaufenden Kosten der Monate Januar bis März stehen gegenwärtig weder Ersparnisse noch staatliche Hilfen entgegen.

Der Bundeswirtschaftsminister versprach den Wirtschaftsvertretern in diesem Zusammenhang die Einrichtung eines Härtefallfonds für die Unternehmen, die bei den bisherigen Überbrückungshilfen durch das Raster gefallen sind. Die Einzelheiten sollen zeitnah gemeinsam mit dem Bundesfinanzministerium ausgearbeitet werden.

Ritter und Hakelberg warnten zudem davor, die Dauer finanzieller Hilfen ausschließlich an den Infektionszahlen und den Zeitpunkten von Öffnungen zu bemessen, denn bereits jetzt würden Veranstaltungen abgesagt, die erst im späteren Verlauf des Jahres stattfinden würden.

Im Zuge dessen machten sie jedoch auch deutlich, dass die Schausteller erheblich von den kommunalen Veranstaltern abhängig sind. Sobald diese ein Fest absagen, geht den Schautellern der Arbeitsplatz verloren.

Diese Entwicklung nehme der DSB mit großer Sorge wahr, da sie für die Schausteller im Ergebnis bedeute, dass ihnen auch noch in der zweiten Jahreshälfte der Broterwerb verwehrt bleibt – selbst wenn die Corona-Krise im Sommer bereits ein Stück weit bewältigt ist.

Zukünftige Überbrückungsprogramme müssten dies zwingend berücksichtigen.

Der DSB fordert in diesem Zusammenhang, die Feste nicht pauschal und frühzeitig abzusagen, sondern in jedem Einzelfall – auf Basis der Infektionszahlen vor Ort und im Angesicht der konkreten Gegebenheiten – darüber zu befinden, ob sie stattfinden können. Denn die meisten der ca. 10.000 Feste sind kleine Feste von lokaler Bedeutung und damit ein Spiegelbild der Region, in der sie stattfinden. Sie sind nicht Ziel internationaler Gäste aus aller Welt, keine Partymeilen, sondern in erster Linie Familienfeste für Jung und Alt.

Im Nachgang an den Wirtschaftsgipfel legte der DSB dem Wirtschaftsministerium ein Öffnungsszenario für die Volksfestsaison 2021 vor. Zentraler Bestandteil sind jene Konzepte, die der DSB bereits 2020 für Volksfeste, Kirmessen, Dulten und Kirchweihen entworfen, und die in vielen Regionen nachweislich erfolgreich umgesetzt wurden.

Die Konzepte zeigen die Wirksamkeit veränderter Parameter wie z.B. größere Abstände, eine angepasste Platzarchitektur, verlängerte Öffnungszeiten zur Reduzierung der Besucherzahlen, optimierte Geschäftsabläufe u.v.m. auf – und erläutern sie detailliert. Diese Sammlung hat der DSB den veranstaltenden Städten und Gemeinden bereits im vergangenen Jahr – in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag – zur Verfügung gestellt und nun auch entsprechend dem Bundeswirtschaftsministerium zukommen lassen.

Die Tragfähigkeit dieser Konzepte haben die Schausteller schon 2020 unter Beweis gestellt, als sie als Alternative zum traditionellen Volksfest aus der Not heraus einige Dutzend sogenannter temporärer Freizeitparks ins Leben gerufen haben. Auch wenn dieses Format wirtschaftlich von eher bescheidenem Erfolg war, wurde es von der Bevölkerung dankbar angenommen – und war für die Familienbetriebe endlich wieder eine Gelegenheit, das zu tun, was sie am besten können: Den Menschen Freude bereiten!

Sämtliche Veranstaltungen liefen nachweisbar ohne jegliche Beanstandung der diese Parks intensiv beaufsichtigenden Ordnungs- beziehungsweise Gesundheitsbehörden ab. Diese im vergangenen Jahr gewonnenen Erkenntnisse hat der Deutsche Schaustellerbund in einem Leitfaden, der ab März veröffentlicht wird, zusammengefasst und dem Bundeswirtschaftsministerium ebenfalls für eine mögliche Öffnungsstrategie bereits vorab zur Verfügung gestellt. Der Leitfaden zeigt klar auf, dass die traditionellen Volksfeste – bei Beachtung der entwickelten Hygieneregeln – 2021 wieder stattfinden können.