Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Webers Freischützoper auf dem Volksfestplatz: Sängerjagden im Autoskooter

Sonntags um Elf auf dem Nürnberger Volksfestplatz. Es ist noch ruhig, die Geschäfte öffnen erst in einer Stunde. Doch in einer Ecke, nahe am Biergarten des Papert’schen Zeltes, zwischen Breakdance, Autoskooter und „Veteranenclub“ sammeln sich weit über hundert Zuschauer. Zwölf Saxophonisten stehen am Autoskooter Spalier. Dirigent Franz Killer hebt den Taktstock, gleich geht es los. Ums Eck, wie aus dem Nichts, kommen die Sänger der Pocket Opera über den Platz, gut an der Sträflingskleidung zu erkennen. Dann beginnt die Opernaufführung, „Der Freischütz“, eine Geschichte, die am Ende des 30-jährigen Krieges spielt.

Und so wie sich der Komponist Carl Maria von Weber von der wilden Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz hat inspirieren lassen, so begeistert sich Franz Killer für seine Opernaufführung auf dem Nürnberger Frühlingsfest: „Eine unschlagbare Kulisse, so etwas kann man sich sonst nur erträumen“, schwärmt der Dirigent und künstlerische Leiter der Pocket Opera von den Fahrten seiner Protagonisten in den historischen Automobilen des Veteranenclubs, den gesanglich dramatisch gestalteten Verfolgungsjagden im Autoskooter, dem Freischütz, der auf einem Pferd über den Volksfestplatz einreitet und dem Chor der Jäger, die sich in den Fahrzeugen des Break-Dance positionierten.

Für die „Pocket“, die in diesem Jahr den 45. Geburtstag feiert und das 100-jährige Frühlingsfest musikalisch grüßt, sind ungewöhnliche Aufführungsorte und Opernbearbeitungen Programm. Für Barbara Lauterbach, Marketingleiterin beim Süddeutschen Schaustellerverband, sind spannende Cross-Over-Aktionen mit „der Hochkultur“ Leidenschaft und wohlbedachte Strategie in einem. Lauterbach hat schon etliche Nürnberger Museen zu kult-gewordenen Führungen und Auftritten auf den Nürnberger Volksfesten geladen. Sie hat bildende Künstlerinnen wie Susanne Carl auf den Platz geladen, um eine aufsehenerregende „IchDürerDu-Porträt“-Aktion mit Volksfestbesuchern zu machen, deren Ergebnisse anschließend monatelang im Museum „Dürerhaus“ zu sehen waren. „Ich will die anderen Leute aufs Volksfest bekommen“, diejenigen, die vor Jahren vielleicht noch ein wenig die Nase rümpften, wenn sie Volksfest hörten, kann man interpretieren. „Beste Kultur bei freiem Eintritt“ ist die Werbebotschaft hinter diesen Aktionen und Lorenz Kalb, der Erste Vorsitzende des Süddeutschen Verbandes reisender Schausteller und Handelsleute e.V. und DSB-Vizepräsident, der mit den Nürnberger Schaustellern die Volksfeste ehrenamtlich in Eigenregie veranstaltet und gestaltet, wird nicht müde, sein Volksfest als „sauberstes, sicherstes und innovativstes Fest“ zu preisen. Über die Jahre ist diese Saat des Crossover-Marketings in Franken blendend gediehen. Das Volksfest ist zum echten „Volks-Fest“ geworden, ein Ort, wo man bestens speist, spannende Fahrgeschäfte fährt und sich sonst nicht sicher sein kann, mit welcher Überraschung man noch verblüfft wird. Es sind die bunten Blumen eines Veranstaltungsmarketings, die immer wieder ausgesät nun hell leuchten und die Menschen erfreuen – „es ist ein sensationelles Programm, das wir hier bieten“, so Lorenz Kalb.

Text: Peter Budig

 

Fotonachweis: Berny Meyer