Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Verbände schicken gemeinsames Konzept mit Forderung nach staatlichen Hilfen an die Politik

Mit der am „schwarzen Mittwoch“ verkündeten bundesweiten Absage der Volksfeste durch die Bundes- und die Landesregierungen haben die Berufsverbände in einem gemeinsam erarbeiteten Konzept die Forderung nach dem erhoben, was nun UNVERZICHTBAR ist – staatliche Hilfen für die rund 5.000 Schaustellerbetriebe.

Der Vorlage dieses fundierten Konzeptes, in der die Schausteller die Mittel fordern, die sie benötigen, um das krisenbedingte Berufsausübungsverbot betrieblich und privat ohne nachhaltige Schäden zu überstehen, folgen nun unzählige Video- und Telefonkonferenzen, Telefonate, Schriftwechsel und weiteres.

Darin tritt zutage, dass einigen Entscheidern Detailkenntnisse des Schaustellergewerbes und damit der Volksfeste fehlen, die für eine Bemessung der staatlichen Zuschüsse wichtig sind.

Deshalb haben die Verbände gegenüber der Politik ausgeführt, dass auf Volksfesten mitnichten nur kleine, abbezahlte Jahrmarktstände gastieren, die die Schausteller für die Zeit der Corona-Krise gewissermaßen hinter ihrem Haus bis zur Marktreife eines Impfstoffes abstellen und bis
dahin mit der Grundsicherung wirtschaftlich überleben können.

Es handelt sich in großer Anzahl um kapitalintensive Unternehmen, deren Betrieb nur mit
erheblichem technischem und logistischem Aufwand möglich ist!

Wir haben einige anschauliche Beispiele aufgezeigt, die jeder Kirmesbesucher kennt:

  • Ein mittelgroßes Riesenrad bedeutet Anschaffungskosten von zwei bis drei Millionen Euro und damit einen monatlichen Finanzierungsaufwand von mindestens 20.000 Euro.

  • Eine Achterbahn kostet in der Anschaffung ca. drei Millionen Euro, die der Schaustellerbetrieb mit monatlich ca. 35.000 Euro Aufwand finanziert.

  • Eine Geisterbahn schlägt mit 1,5 Millionen (Finanzierungsaufwand: ca. 15.000 Euro), ein großes Verkaufsgeschäft für Süßwaren noch mit 700.000 Euro (Finanzierungsaufwand: 9.000 Euro) und eines für Pommes frites mit 350.000 Euro zu Buche.

Zu diesen Beispielen haben wir die Stellungnahme eines renommierten Steuerberaters beigefügt, der seit mehr als 20 Jahren Schaustellerbetriebe zu seinen Mandanten zählt und das Gewerbe bestens kennt. Wir haben damit die betriebswirtschaftliche Situation der Betriebe verdeutlicht und zeigen auf, dass diesen Unternehmen mit einem „Corona-Soforthilfeprogramm II“, also mit weiteren 9.000 oder 15.000 Euro im Quartal nicht gedient wäre – ihr wirtschaftliches Aus wäre unvermeidbar.

Ein solches Aus wäre für die Betreiberfamilie allein schon bitter, das Problem ist jedoch deutlich vielschichtiger:

Denn die von uns exemplarisch dargestellten Betriebe sind von keinem größeren Volksfest wegzudenken – sie sind die Leuchttürme der Veranstaltung, die Besuchermagneten.

Sie sind es, die die Volksfeste unverwechselbar machen und ihren Markenkern darstellen!

Volksfeste sind gebrannte Mandeln, Zuckerwatte, Eis, Backfisch und Bier. Sie sind aber auch
Karussells, Riesenräder, Autoskooter, Achterbahnen, Irrgärten, Luftschaukeln und andere Attrak-tionen, die für Herzschlag und glänzende Augen bei Jung und Alt sorgen!

Wenn diese Attraktionen nächstes Jahr nicht mehr existieren, werden die Volksfeste, wie wir sie alle seit Jahrzehnten, sogar Jahrhunderten kennen, nicht mehr stattfinden.

Damit werden aber auch die Gäste ausbleiben – 2018 waren die Volksfeste mit ca. 190 Millionen Besuchern das Freizeitvergnügen Nr. 1. in Deutschland – und so auch die Schaustellerbetriebe zugrunde gehen, die Corona selbst noch überstehen würden.

Hier sind wir anders als andere Wirtschaftszweige. Das Volksfest ist ein eigener Kosmos, ein eigenes System, das bei freiem Eintritt an den Festplatzeingängen Vergnügen für wirklich alle Menschen bietet – und die Attraktionen sind für dieses Gesamtgebilde von existenzieller Bedeutung!

Wir haben den Entscheidern auch die dankenswerterweise von Herrn Staatssekretär Thomas Bareiß aus dem Bundeswirtschaftsministerium mit einem Vorwort begleitete Wirtschaftsstudie ins Gedächtnis gerufen, die Aufschluss darauf gibt, dass die Volksfeste 56.000 Menschen Arbeit geben und 1,6 Mrd. Euro Steuern, Gebühren und Abgaben in die öffentlichen Kassen fließen lassen.

All das und damit 1.200 Jahre Volksfestkultur stehen auf dem Spiel und dürfen nicht Opfer
einer nicht zielgerichteten Zuschusspolitik werden.