Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Traditionskirmes ganz zeitgemäß

Die Soester Allerheiligenkirmes ist weit über die Region Soest hinaus bekannt und ein fester Termin für Kirmesfreunde aller Altersklassen. Die Allerheiligenkirmes ist die größte Altstadtkirmes Europas mit einer fast 700-jährigen Tradition – in diesem Jahr findet sie zum 683. Mal statt. Grund genug, sich diese traditionsreiche Veranstaltung einmal genauer anzuschauen. Wie bei allen Kirmessen sind die Fahrgeschäfte und die farbenfrohen Beleuchtungen auch in Soest nicht wegzudenken. Strom ist also ein zentraler Bestandteil für das freudige Treiben in der alten Hansestadt und mit wem könnte man besser über dieses Thema sprechen, als mit dem lokalen „Herren“ über den Strom, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Soest André Dreißen.

Herr Dreißen, die Soester Allerheiligenkirmes wird vollständig mit dem Strom Ihrer Stadtwerke versorgt, Sie haben also eine bedeutende Rolle bei dem wichtigsten Fest der Stadt inne. Ist es für Sie nur Teil Ihres „Jobs“ oder sind Sie selbst auch ein großer Kirmesfan?

Ich komme aus dem Ruhrgebiet und bin selbst einige Jahre beim Eröffnungsumzug der Cranger Kirmes auf dem Festwagen meines Handballvereins dabei gewesen. Auch heute gehe ich regelmäßig sowohl auf die Cranger, als auch auf die Allerheiligenkirmes, die ich schon seit dem Studium kenne. Es ist jedes Jahr wieder ein unglaubliches Erlebnis, wenn die vielen Menschen in der Altstadt feiern und sich die Fahrgeschäfte gefühlt ganz knapp an den Hauswänden vorbei bewegen – das muss man einfach mal live erlebt haben.

Dass die Allerheiligenkirmes ein großer Erfolg ist und die Menschen begeistert, ist absolut unstrittig. Aber in den aktuellen Debatten über den Klimaschutz wird inzwischen auch die Frage gestellt, wie es mit dem Stromverbrauch bei den Volksfesten aussieht, welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat. Ist das auch in Soest ein Thema? Wenn ja, wie wird damit umgegangen?

Es stimmt, dass auch in Soest von Bürgern Fragen zu der Umweltverträglichkeit der Kirmes gestellt wurden. Wir als Stadtwerke können die Art des Stroms beeinflussen und das tun wir bereits seit 2010 indem wir automatisch und ausschließlich 100 Prozent Ökostrom liefern. Die vielen begeisterten Kirmesfreunde feiern also in Soest was den Strom betrifft absolut klimafreundlich, sprich CO2-frei.

Eine gute Nachricht, wie kam es dazu, wo lag die Motivation der Stadtwerke, diesen Schritt zu tun?

Für die Stadtwerke Soest hat umweltbewusstes Handeln auch eine lange Tradition, es ist Teil der Unternehmensphilosophie. Seit Mitte der 1990er Jahre bieten wir eine kostenlose Energieberatung für unsere Kunden an. Bereits 1997, also drei Jahre vor Inkrafttreten des EEG, haben wir die erste Photovoltaikanlage auf einer Schule gefördert. Zahlreiche weitere PV-Anlagen in der Region folgten über die Jahre. 2010 haben wir automatisch und ohne Aufpreis alle Privat- und Gewerbekunden auf 100 Prozent Ökostrom und 100 Prozent klimaneutrales Erdgas umgestellt. 2011 wurde die erste öffentliche E-Ladesäule installiert, die Aufzählung ließe sich noch um viele Punkte erweitern – hohes Umweltbewusstsein ist ein Markenkern der Stadtwerke Soest. Wir wissen aber auch, dass sich nicht jede Emission vermeiden lässt.

Sie tragen also Ihren Teil dazu bei, dass die Kirmesfreunde mit gutem Gewissen feiern können. Welche Entwicklungen können Sie bei den Schaustellern feststellen?

Wir sehen anhand der Verbrauchswerte, dass sich die Schausteller mit dem Thema Energieverbrauch intensiv auseinandersetzen. Wenn man sich die Zahlen in dem Zeitraum von 2010 bis 2019 anschaut, ist eine Tendenz zum geringeren Stromverbrauch erkennbar. Die Umstellung auf LED-Beleuchtung ist dabei ein Hauptaspekt. Natürlich unterliegt der Verbrauch der Kirmes auch noch Faktoren wie dem Wetter und dem damit verbundenen stärkeren Einsatz von elektrischen Heizlüftern, oder der Auswahl der Fahrgeschäfte. Somit ergeben sich Schwankungen, aber wenn man zum Beispiel die letzten neun Jahre vergleicht, ist der Stromverbrauch um über 20 Prozent gesunken.

Das klingt ja gut. Die Allerheiligenkirmes ist damit ein gutes Beispiel, dass eine Traditionskirmes mit dem richtigen Engagement auch weiterhin mit reinem Gewissen besucht werden kann. Und was wir so hören, haben die Soester und die ganze Region ihre Meinung durch die Besuchermassen eindrucksvoll kundgetan, im vergangenen Jahr war ein Rekordbesuch von 1,3 Millionen Gästen zu verzeichnen.
Herr Dreißen, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Es hat mich gefreut. Hier werden schon wieder die Tage bis zur 683. Allerheiligenkirmes gezählt und die Vorfreude steigt, in diesem Sinne viel Spaß bei der nächsten Kirmes.

Fotonachweis: Stadtwerke Soest