Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Traditionelles Libori-Frühstück in Paderborn: Schausteller sprechen Klartext zu Personalmangel und Klimanotstand

Zum nunmehr 28. Mal fand das traditionelle Libori-Frühstück am 30. Juli in Paderborn statt.

Jedes Jahr kommen hier Schausteller, Politiker sowie Vertreter der Stadt Paderborn, wie bspw. Bürgermeister Michael Dreier, auf Einladung des Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU Dr. Carsten Linnemann während des Libori-Festes zusammen, um die drängenden Herausforderungen der Schausteller im gemeinsamen Dialog zu diskutieren. Von Seiten der Schausteller war u.a. der Erste Vorsitzende des Schaustellervereins Paderborn e.V. Hans-Otto Bröckling zu Gast und auch DSB-Präsident Albert Ritter reiste an, um die Positionen des DSB zu vertreten.

Zu Beginn der Veranstaltung gedachten die Anwesenden dem Begründer des Schausteller-Frühstücks Fritz (Picki) Petter, der im September vergangenen Jahres verstorben war. Linnemann betonte anschließend die Bedeutung der Schausteller für das traditionsreiche Libori-Fest: „Die Schausteller sind das Herz unseres Libori-Festes. Sie füllen nicht nur Paderborns Straßen, sondern die gesamte Volksfestkultur in Deutschland mit Leben. Gerade zu Libori wird der Mix von historisch und modern, alt und neu deutlich, mit dem unser jahrhundertealtes Fest attraktiv gehalten wird. Ich freue mich jedes Jahr über den offenen Austausch mit unseren Schaustellern. Beim Schaustellerfrühstück wird Klartext gesprochen!“, so der Abgeordnete.

Traditionell nutzen die Schausteller während der Veranstaltung  die Gelegenheit, den anwesenden Vertretern der Politik und der Verwaltung in deutlichen Worten aufzuzeigen, mit welchen Problemen sie in ihrer täglichen Arbeit zu kämpfen haben.

Eines der zentralen Themen war auch in diesem Jahr der dramatische Arbeitskräftemangel, der die Schausteller bundesweit vor erhebliche Probleme stellt. Hans-Otto Bröckling stellte klar, dass immer mehr Schausteller, die große Anlagen besitzen, ihre Fahrgeschäfte zukünftig nicht mehr werden betreiben können, wenn sich der Personalmangel weiterhin verschärft, da sie keine geeigneten Arbeitskräfte für den Auf- und Abbau fänden. Präsident Ritter ergänzte: „Der Personalmangel ist kein neues Problem, trotzdem erhalten wir Schausteller bislang nicht die erhoffte Unterstützung von Seiten der Politik. Wir brauchen dringend Hilfe, damit sich die Karusselle auf den deutschen Volksfesten auch in Zukunft weiterdrehen können. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz muss aufgebrochen werden, damit z.B. auch weniger Qualifizierte aus aller Welt nach Deutschland kommen können und nicht nur Facharbeiter“, mahnte Ritter während des Frühstücks.

Ein weiteres dringliches Thema war die aktuelle Klimanotstands-Debatte. Präsident Ritter kritisierte das Ansinnen, Feuerwerke zu verbieten, ohne zuvor ein Feinstaub-Gutachten einzuholen, als blanken Aktionismus. Die Forderung, Volksfeste vor dem Hintergrund der Klimanotstands-Debatte nicht mehr stattfinden zu lassen, käme laut Ritter darüber hinaus einem Berufsverbot gleich. Zumal Schausteller das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz bereits seit Jahrzehnten auf ihrer Agenda haben: Schon vor langem haben Schausteller auf LED umgerüstet, die Bratwurst wird direkt im Brötchen anstatt auf dem Pappteller serviert und nicht zuletzt bringen sie die Veranstaltung mit ihren Attraktionen direkt in die Stadt. Kein Besucher sei auf ein Flugzeug oder das Auto angewiesen, sondern könne zu Fuß, mit dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr zum Volksfest anreisen, so Ritter.

Mit Blick auf das Libori-Fest warnten die Schaustellervertreter davor, ein willkürliches Punktesystem für die Standplatzvergabe einzuführen, da eine solche Veränderung der Vergabekriterien dazu führen könne, dass Libori sein so beliebtes Gesicht verliere. Denn bekannt und bewährt sei nach wie vor eine der Maximen, um die Existenz des Schaustellergewerbes auch in Zukunft zu sichern. Paderborns Bürgermeister Dreier sagte den Schaustellern zu, dass die neuen Zulassungskriterien in Abstimmung mit ihnen erarbeitet werden, um so einer negativen Entwicklung entgegenzuwirken. Er betonte zudem, dass Traditionsbetriebe auch in Zukunft ihren Platz in Paderborn haben werden, da sie das Libori-Fest ausmachen.

Am Ende des Frühstücks sprachen die Schausteller den Vertretern der Stadt und den anwesenden Politikern für die insgesamt gute Zusammenarbeit und die stets konstruktiven Gespräche ihren Dank aus. Insbesondere dem Veranstalter des Schausteller-Frühstücks und Mitglied des Deutschen Bundestages Dr. Carsten Linnemann dankten die Schausteller herzlich für die erneute Ausrichtung der traditionellen Veranstaltung und seinen stetigen Einsatz für die Belange der Schausteller.

Fotonachweis: Hans-Dieter Winkler