Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




„Schausteller verpacken schon jetzt sehr oft umweltfreundlich.“

Vor kurzem hat die EU-Kommission bekanntgegeben, dass sie bestimmte Kunststoffprodukte zukünftig verbieten will, um die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll einzudämmen. Unter den Produkten, die auf der schwarzen Liste landen könnten, sind u.a. auch solche, die Schausteller für ihre tägliche Arbeit auf dem Volksfestplatz nutzen. Dazu zählen bspw. Einweg-Plastikgeschirr und -besteck sowie Strohhalme. Das Verbot soll insbesondere die Produkte betreffen, die durch leicht verfügbare und bezahlbare Alternativen ersetzt werden können.

Auch dem DSB ist das Thema Nachhaltigkeit auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten bereits seit langem ein wichtiges Anliegen. Im Interview erläutert der Verpackungsexperte und Geschäftsführer des langjährigen DSB-Fördermitgliedes Winkler & Schorn Dr. Christian Lutzky daher, welche Veränderungen in Zukunft zu erwarten sind und auf welche nachhaltigen Verpackungsalternativen Schausteller schon heute umsteigen können.

Herr Dr. Lutzky, die EU-Kommission plant ein Verbot für bestimmte Einweg-Kunststoffprodukte, um die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll zu bekämpfen. Welche Auswirkungen hätte ein solches Verbot auf die Volksfeste und Weihnachtsmärkte in Deutschland?

Auf Volksfesten und Märkten kommt eine Vielzahl unterschiedlicher Verpackungen zum Einsatz: Trinkbecher, Teller, Spitztüten für Nüsse, Besteck, Beutel für Popcorn, Tragetaschen zum Mitnehmen und vieles mehr. Kein Zweifel, ein Verbot würde zu erheblichem Umstellungsaufwand und Kosten führen. Intelligenter wäre es, zu prüfen, wo denn mit einfachen Mitteln die Umwelt geschützt werden kann: Reduzieren („reduce“), Wiederverwenden („reuse“) oder Recyceln („recycle“).

Reduzieren heißt, generell weniger Verpackung einzusetzen, aber auch auf nachhaltigere Alternativen zurückzugreifen.

Wiederverwenden, also Mehrweg, ist im Festbereich schon weit verbreitet, etwa bei Tassen auf Weihnachtsmärkten. Werden die dann auch noch so gestaltet, dass es Sammelobjekte sind, haben daran Schausteller, Kunden und Umwelt Spaß. Nur darf man keinesfalls außer Acht lassen, dass es beim Umweltschutz nicht nur um Abfall geht: gerne wird die heftige Gewässerbelastung und der Energieverbrauch durch Spülen und Transport einfach unter den Tisch gekehrt.

Beim Recyceln sind wir Weltmeister: einige Kunststoffsorten lassen sich ausgezeichnet recyceln, sogar ohne Qualitätsverluste und sind dann gesuchte Rohstoffe. Das passiert im Übrigen selbst, wenn sie im Restmüll gelandet sind, weil es sich auch da finanziell lohnt, solche Kunststoffe auszusortieren. Man darf deshalb nicht alle Kunststoffe pauschal „kriminalisieren“.

Immer wieder wird auch eine „Verpackungssteuer“ gefordert – aber die gibt es schon längst! Die Lizenz nach der Verpackungsverordnung (ehemals „Grüner Punkt“), die mit allen Verpackungen bezahlt werden muss, deckt die Kosten der umweltgerechten Entsorgung samt Recycling komplett ab.

Grundsätzlich stelle ich aber fest, dass unsere Schaustellerkunden schon jetzt sehr oft umweltfreundlich verpacken – nicht zuletzt aufgrund von Nachfragen der Besucher oder (teilweise bizarrer) kommunaler Regeln. Ein bundesweit anwendbares Regelwerk wäre elementar wichtig und würde Rechtssicherheit schaffen.

Welche Produktalternativen bieten sich bspw. konkret im Bereich von Plastikgeschirr und
-besteck an?

Mehrweg ist für Geschirr und Besteck nicht selten ein guter Ansatz. Porzellan, Glas und Metall sind aber aus Sicherheitsgründen kritisch zu sehen. Es gibt deutlich bessere Mehrweglösungen, zum Beispiel aus Polypropylen, einem sehr robusten, stumpf brechenden Kunststoff, der am Ende seiner Lebenszeit ausgezeichnet recycelt werden kann.

Ist ein Pfand-System nicht sinnvoll möglich, existieren umweltfreundliche Alternativen aus Biokunststoffen: Polymilchsäure („PLA“) beispielsweise ist vielfältig einsetzbar und lässt sich über die Biotonne kompostieren. Genauso gut kann man Teller und Schalen aus Zuckerrohrresten („Bagasse“) nutzen. Dafür werden Fasern verarbeitet, die früher oft einfach verbrannt wurden.

Mit so einem umweltfreundlichen Produkt lohnt es sich für Schaustellerbetriebe dann auch, gezielt Werbung zu machen. Genau dazu bieten wir Informationsflyer und –aushänge für unsere Kunden an.

Noch ein ethisch relevanter Aspekt: zum Verpacken sollten nie Lebensmittelrohstoffe eingesetzt werden, Schalen aus Mais oder Waffel zum Beispiel. Denn an anderen Orten hungern Menschen – und wir verwenden essbare Materialien als Verpackung und werfen sie danach auf den Müll.

Mit welchen weiteren Produktinnovationen können Schausteller zusätzlich ohne hohen Kostenaufwand umweltbewusst punkten und dazu beitragen, Müll auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten zu vermeiden?

Auf der Interschau 2018 in Neumünster haben wir erstmalig eine Tragetasche vorgestellt, die zu 100 Prozent kompostierbar ist. Selbst wenn sie irgendwo neben der Festwiese liegen bleibt, kompostiert sie komplett und ohne schädliche Einflüsse auf die Natur. Das ist neu, und ein echter Fortschritt.

Umweltfreundliche Ansätze müssen aber nicht immer technologisch aufwändig sein: Pommes-Frites- oder Snack-Schalen aus Pappe werden oft aus billigem Recycling-Karton gefertigt. Recycling-Karton klingt erstmal recht gut, enthält aber Schwermetalle, Druckfarben und Mineralölrückstände. Ein direkter Kontakt zu Lebensmitteln ist gefährlich. Deswegen sind solche Pappschalen immer mit Folie überzogen. Wenn man aber solche Schalen direkt mit lebensmittelechtem „Frischfaser“-Karton aus zertifizierter Herkunft fertigt, spart das den sehr umweltschädlichen Papier/Folie-Verbund.

Können Sie uns einen Einblick geben, wie die Trends im Verpackungsbereich von morgen aussehen?

Vieles, was wir heute sehen, ist sicherlich eine Übergangstechnologie. In Deutschland wird im Moment intensiv zu Verpackung geforscht. Beispielsweise wird ein Kunststoff entwickelt, der erkennen kann, ob er noch verwendet wird, oder weggeworfen wurde (und dann umweltfreundlich zerfällt).

Mein Tipp: Wegen der schnellen Veränderungen und der rechtlichen Anforderungen sollten Schausteller unbedingt bei einem spezialisierten Verpackungshändler kaufen. Die Zeiten, in denen man beim Lebensmittelgroßhändler oder gar beim fliegenden Händler seine Verpackungen besorgt hat, sind definitiv vorbei. Dazu ist das Thema viel zu komplex und die Anforderungen der Lebensmittelüberwachung und der Verpackungsverordnung zu hoch.

Ein auf Schausteller spezialisierter Verpackungshändler (wie wir) geht auf Sie ein und erarbeitet mit Ihnen ein Verpackungskonzept, das genau auf Sie und Ihr Geschäft zugeschnitten, und trotzdem preislich attraktiv ist.

Sehr geehrter Herr Dr. Lutzky, vielen Dank für das Interview!