Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Ist die Nachrüstung von Schwertransporten mit Achslastmessgeräten auch im Schaustellergewerbe erforderlich?

Das Thema „Pflicht zur Ausrüstung von Großraum- und Schwertransporten mit Achslastmessgeräten“ hat zur Verunsicherung der Schausteller geführt und Fragen aufgeworfen.

Der Berater des DSB in fahrzeugtechnischen Angelegenheiten, Herr Hans-Werner Kohlstruk, erläutert uns die Hintergründe im Interview:

Herr Kohlstruk, der Gesetzgeber hat für alle neu in den Verkehr kommenden Schwerlastfahrzeuge die Pflicht zur Ausrüstung mit Achslastmessgeräten beschlossen.

Bereits in Verkehr befindliche Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen werden von den zuständigen Genehmigungsbehörden für den Großraum- und Schwerverkehr, die ja auch für fahrzeugtechnische Ausnahmegenehmigungen für Schaustellerfahrzeuge zuständig sind, nun dahingehend überprüft, ob sie zukünftig mit Achslastmessgeräten nachzurüsten sind. Was hat es damit auf sich?

Die Hintergründe dieser Ausrüstungsvorschrift sind die bei Fahrzeugkontrollen, insbesondere im genehmigungspflichtigen Großraum- und Schwerverkehr, häufig festgestellten Verstöße wegen Überschreitungen der genehmigten Achslasten und Gesamtgewichte (= Überladung). Diese Achslastmessgeräte sollen ausschließlich der Verdachtsgewinnung dienen und brauchen daher nicht geeicht zu sein.

Können Sie uns sagen, welche Fahrzeuge davon konkret betroffen sind?

Es geht zunächst einmal um Anhänger und Fahrzeugkombinationen,

  • die mit luftgefederten und/oder hydropneumatisch gefederten Achsen ausgerüstet sind und
  • die die nach § 34 Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) zulässigen Achslasten und Fahrzeuggewichte überschreiten und
  • für die eine Genehmigungsbehörde eine entsprechende Ausnahmegenehmigung (AG) gemäß § 70 StVZO erteilt hat.

Von der Nachrüstung ausgenommen sind also ältere Anhänger, die lediglich mit Blattfedern ausgerüstet sind. Auch selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Anhängerarbeitsmaschinen sind befreit. Deshalb rate ich zu prüfen, ob nicht der übergewichtige Anhänger und/oder übergewichtige Sattelauflieger als Arbeitsmaschine eingestuft werden kann.

Wie muss man sich Achslastmessgeräte vorstellen?

Achslastmessgeräte sind, verkürzt beschrieben, Manometer, die sowohl den Luftfederbalgdruck – bei luftgefederten Achsen – als auch den hydraulischen Druck bei hydropneumatischer Federung anzeigen in Kombination mit einem in der Nähe anzubringenden Diagramm (Nomogramm o.ä.). Dieses soll näherungsweise die Umrechnung des angezeigten Drucks in die tatsächliche Achslast ermöglichen.

Was sollten die betroffenen Schausteller jetzt machen, was raten Sie?

Zunächst: Für alle schon im Verkehr befindlichen Fahrzeuge hat der Gesetzgeber großzügige Übergangsregelungen geschaffen. Die Schausteller sollten zunächst ihre Fahrzeugpapiere und die dazugehörigen Ausnahmegenehmigungen sowie die zugrundeliegenden fahrzeugtechnischen Gutachten der technischen Prüfstellen dahingehend kontrollieren, ob dort eine Ausnahme von § 34 StVZO formuliert ist und sich diese auch in der vorliegenden Ausnahmegenehmigung gemäß § 70 StVZO wiederfindet.

Nur wenn das der Fall ist, wird die nach § 70 StVZO zuständige Genehmigungsbehörde bei der nächsten Verlängerung der AG auf die Nachrüstung hinweisen.

Welche Fristen gilt es zu beachten?

Die Übergangsfrist zur Nachrüstung für alle vor dem 20.03.2015 zugelassenen Fahrzeuge läuft bis zum 30.06.2021, d.h. bis zu diesem Zeitpunkt hat der Schausteller Zeit, die Nachrüstung vorzunehmen.

Für Fahrzeuge, die vor dem 1.01.2016 bestellt wurden, gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren nach der Erteilung der nächsten erforderlichen Ausnahmegenehmigung gemäß § 70 StVZO.

Fahrzeuge, die nach dem 1.01.2016 zugelassen wurden, sind in der Regel bereits mit solchen Systemen ab Werk ausgestattet.

Gibt es hinsichtlich der Nachrüstung Unterschiede zwischen Anhängerzügen und Sattelkraftfahrzeugen?

Ja, bei überschweren Anhängerzügen hat nicht die Zugmaschine, sondern in der Regel immer nur der Anhänger das „Übergewicht“. Hier sollte der Schausteller also prüfen, ob er die für den Anhänger ausgewiesenen „technisch möglichen“ Achslasten und das Gesamtwicht auch tatsächlich braucht und in Anspruch nimmt. Wenn nicht, sollte er prüfen, ob das für seinen Anhänger – ohne Ausnahmegenehmigung – zulässige Gesamtgewicht ausreichend ist, um seine Gegenstände befördern zu können. In diesen Fällen sollte er bei einer technischen Prüfstelle eine Berichtigung der Fahrzeugdaten erstellen lassen, um dann auch seine Zulassungsbescheinigung (ZB1), das Gutachten nach § 70 StVZO, sowie seine Ausnahmegenehmigung gemäß § 70 StVZO berichtigen zu lassen.

Sofern das nicht möglich ist, hat er – wie oben beschrieben –, die Nachrüstung für diesen Anhänger zu betreiben.

Für die Zugmaschine ist die Nachrüstung nicht erforderlich, sie hat kein Übergewicht.

Anders bei Sattelzugkombination, sie sind als Einheit anzusehen. Überschreiten sie (in der Regel nur bedingt durch das erhöhte Gesamtgewicht bzw. die Achslasten des Sattelaufliegers) das zulässige Gesamtgewicht von 40.000 kg, dann sind sowohl an der Sattelzugmaschine als auch am Sattelauflieger entsprechende Achslastmessgeräte zu installieren.

Mit welchen Kosten pro Fahrzeug hat ein Schausteller zu rechnen?

Die Kosten sind stark abhängig vom jeweils verbauten Federungssystem. Eine erste kurze Anfrage meinerseits bei einem hiesigen Fahrzeughersteller ergab, dass man wohl mit ca. zwei bis viertausend Euro rechnen müsse. Der Schausteller sollte sich beizeiten um die Nachrüstung kümmern und auch entsprechende Kostenvorschläge einholen.

Herr Kohlstruk, ich danke Ihnen für die ausführlichen Informationen und Ausführungen zu dem Sachverhalt. Sofern der eine oder andere Schausteller dennoch Fragen zu fahrzeugtechnischen Angelegenheiten hat, darf ich ihm empfehlen, sich noch einmal direkt mit Ihnen in Verbindung zu setzen?

Ja, das kann er machen. Telefonisch bin ich am besten unter der Festnetznummer 0421 631188 oder per E-Mail: haweko50@gmx.de zu erreichen und stehe jederzeit zur Verfügung.