Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Interview mit Fabian Struve, Inhaber des sicherheitstechnischen Dienstes ASIKOO e.K.

Sehr geehrter Herr Struve, Sie sind Inhaber und Leiter zweier sog. Kompetenzzentren, die eng mit der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) zusammenarbeiten. Was ist die Aufgabe eines solchen Kompetenzzentrums?

Kompetenzzentren, von denen es 50 in Deutschland gibt, sind eigenständige Unternehmen, die die bei der Berufsgenossenschaft versicherten Betriebe in allen Belangen der Sicherheit und Betriebsmedizin beraten und unterstützen.

Sie sind Kooperationspartner der Berufsgenossenschaft und deutschlandweit vertreten.  

Einer der Schwerpunkte besteht darin, die Unternehmer bei der Erstellung der gesetzlich geforderten Gefährdungsbeurteilung zu unterstützen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Auch im Falle eines schweren oder gar tödlichen Unfalls stehen wir beratend zur Seite, auch wenn behördliche Auflagen auf den Unternehmer zukommen.

Kann jeder bei der BGN versicherte Unternehmer Ihre Leistungen in Anspruch nehmen?

Wir stehen jedem zur Seite! Voraussetzung ist allerdings immer, dass der Unternehmer am sog. Branchenmodell teilnimmt.

Jeder Unternehmer muss sich bei Eröffnung des Unternehmens bzw. der Anmeldung entscheiden, wie er den Arbeits- und Gesundheitsschutz in seinem Betrieb organisiert. Dabei stellt die Berufsgenossenschaft dem Unternehmer mehrere Möglichkeiten zur Auswahl, die gesetzlichen Forderungen umzusetzen.

Hier finden Sie weitere Informationen sowie eine Übersicht der Betreuungsmöglichkeiten: 

Unternehmen unter 10 Mitarbeitern – und das ist ja in der Schaustellerbranche die Regel – haben die Möglichkeit, am Branchenmodell teilzunehmen und damit ihren Arbeitsschutz selbst zu organisieren.

Dafür müssen sie aber einen Fernlehrgang absolvieren, der je nach Betriebsart aus 24 bis 31 Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz besteht, die man von der Internetseite der BGN (Bereich Seminare -> Fernqualifizierung nach DGUV Vorschrift 2 oder Eingabe 1537 im grünen Kasten), bei der Hotline 0621-4456 3333 oder per Mail an fernlehrgang@bgn.de beziehen kann. Eine Teilnahme über das Extranet der BGN ist ebenfalls möglich.

Hat der Unternehmer diese Hürde genommen – und wir sprechen hier von einem Zeitaufwand von durchschnittlich 3 Stunden (je nach Vorkenntnissen) – so kann er unsere Leistungen kostenneutral in Anspruch nehmen.

Welche Dienstleistungen bieten Sie in Bezug auf die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung an?

Der Gesetzgeber fordert, dass der Betriebsinhaber mit der Eröffnung seines Unternehmens und den Arbeitsstätten eine Gefährdungsbeurteilung erstellt, d.h. er muss Gefahrenquellen erkennen, bewerten und daraus Maßnahmen ableiten, damit die Unfallgefahren für die Beschäftigten so gering wie möglich gehalten werden.

Schafft sich der Schausteller z.B. ein Karussell an, so gehört zur Gefährdungsbeurteilung, dass jeder, der dieses Karussell auf- und abbaut, also mit schweren Gegenständen hantiert, natürlich Sicherheitsschuhe tragen muss.

Wer in der Höhe arbeitet, muss gesichert sein, wem etwas auf den Kopf fallen kann, der muss einen Helm tragen, wer an der Fritteuse arbeitet, muss die Gefahren des heißen Fettes kennen.

Der Sinn der Gefährdungsbeurteilung ist, mit wachen Augen durch den Betrieb zu gehen und sich die Gefahrenquellen zu vergegenwärtigen.

Diese Punkte werden aufgeschrieben und z.B. dann besonders bedeutsam, wenn ich einen neuen Mitarbeiter einarbeite.

Dann ist die Gefährdungsbeurteilung u.a. meine Checkliste zur Einweisung und ich kann sicher sein, dass ich nichts vergesse und mein Mitarbeiter nicht aufgrund meiner Nachlässigkeit als Arbeitgeber Schaden erleidet.

Das heißt, die Gefährdungsbeurteilung dient nicht nur der Vermeidung von Arbeitsunfällen, sondern hat auch eine rechtliche Bedeutung?

Selbstverständlich. Im Rahmen von behördlichen Kontrollen wird der Unternehmer natürlich gefragt, ob er eine solche Gefährdungsbeurteilung erstellt hat.

Unweigerlich wird auch diese Frage gestellt, wenn es zu einem Arbeitsunfall gekommen ist.

Da ist es dann wichtig, dass der Unternehmer anhand seiner schriftlichen Gefährdungsbeurteilung darlegen kann, dass er nicht nachlässig und fahrlässig gehandelt, sondern sich um sein Personal gekümmert hat.

Wie können Sie bei der Gefährdungsbeurteilung helfen?

Die Betriebe können sich jederzeit an das Kompetenzzentrum wenden, das regional entweder für seinen Spielort oder gegebenenfalls seinen Heimatsitz zuständig ist. Die Beratung anhand eines aufgebauten Schaustellergeschäftes ist selbstverständlich praxisnäher.

Dann kommen wir vorbei und schreiben mit dem Unternehmer gemeinsam die Gefährdungsbeurteilung.

Das ist kein Hexenwerk und in ein paar Stunden erledigt.

Den Vertretern der örtlichen Verbände bieten wir auch an, ihnen z.B. während größerer Beschicker- bzw. Mitgliederversammlungen zu erklären, wie sie ihre gesetzlichen Pflichten erfüllen können, und warum sie damit auch noch Geld sparen können.

Geld sparen?

Ja, durch das Beitragsmodell der Berufsgenossenschaft, das dem der Kfz-Versicherung ähnelt, können Unternehmen mit keinen oder nur wenigen Unfällen (durch effektive Unfallverhütung) bis zu 15 Prozent der Beiträge einsparen. Ist der Betrieb aber unfallträchtig, so können die Beiträge um bis zu 15 Prozent steigen.

Bei einer im Unternehmen gelebten Arbeitsschutz-Prävention kann zusätzlich an dem jährlich laufenden Prämienverfahren der BGN teilgenommen werden. Neben der ausgezahlten Geldprämie bekommt der Betrieb eine Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme.

(Weitere Informationen finden Sie hier.)

Sie sehen also, Vorsicht und Sorgfalt kosten nichts, helfen aber richtig, Geld zu sparen.

Sehr geehrter Herr Struve, vielen Dank für das Interview!