Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Forderung eines Corona-Rettungsschirms für Schausteller

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

am „schwarzen Mittwoch“ Mitte April wurde zur traurigen Gewissheit, was zu befürchten war:

Bis mindestens 31. August 2020 sind alle Großveranstaltungen untersagt worden, wenige Tage später wurde dann auch schon das Münchner Oktoberfest abgesagt – eine Entscheidung, die unter anderen Herbstveranstaltungen bereits einen Dominoeffekt ausgelöst hat.

Da es uns auf lange Zeit verboten ist, unseren Beruf auszuüben, fordern die Berufsverbände nun gemeinsam ein staatliches Rettungsprogramm.

Es handelt sich dabei nicht um einen pauschalen und lauten Ruf nach finanzieller Hilfe, sondern um einen konstruktiven Vorschlag, den die Verbände in den vergangenen Wochen unter Einbeziehung von Expertenrat entwickelt haben.

Dreh und Angelpunkt unseres Konzeptes ist unsere Forderung, den Schaustellern den gesamten betrieblichen und privaten Bedarf des Jahres 2020, den sie mangels Einkommen nicht selbst bestreiten können, zu bezuschussen.

Da die Schaustellerbetriebe oft sehr unterschiedlich aufgestellt sind, fordern wir eine genaue Betrachtung des betrieblichen Bedarfs (Finanzierungsbedarf, Personalkosten, Pacht, Versicherung usw.) und des persönlichen Bedarfs (Krankenversicherung, Altersvorsorge, Lebenshaltungskosten usw.).

Damit verdeutlichen die Verbände, dass die Schausteller in einer Zeit, in der Hunderttausende von Betrieben gerade in großen Bereichen wie Tourismus, Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Messebau ohne staatliche Hilfe vor dem Ruin stehen, nicht „profitieren“ wollen.

Aber wir wollen handlungsfähig und ohne nachhaltige Schäden durch die Corona-Krise kommen!

Wir stellen angemessene und faire Forderungen, mit denen wir auch vor den nun schon über 10 Millionen Menschen – und damit Familien –, die in Kurzarbeit auf Einkommen verzichten müssen, bestehen können.

Wir machen in unserem Konzept aber auch sehr deutlich, dass wir uns nicht auf die neu aufgelegten Kreditprogramme verweisen lassen können! Denn unsere Umsätze sind nicht nachholbar, die Rückzahlung derartiger Überbrückungskredite würde vielen Schaustellern nicht möglich sein.

Die Ermittlung der genauen Bedarfe wird etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber wir brauchen angesichts dessen, dass viele von uns ihr letztes Geld im Dezember verdienen konnten, nun auch schnelle, unbürokratische Unterstützung!

Deshalb fordern wir vorab, gewissermaßen in einer ersten Stufe, finanzielle Soforthilfe in Höhe von 60 % der Umsätze, die wir im Jahre 2019 zwischen Anfang Mai bis Ende August erzielen konnten.

Dieser Bemessungszeitraum orientiert sich daran, dass die bis Mai gewährten Corona-Hilfen dann enden und mit dem Beschluss der Bundes- und Landesregierungen feststeht, dass wir bis Ende August nicht mehr spielen können.

Wir beugen auch zu erwartender Kritik des Bundesfinanzministers vor:

Um Trittbrettfahrer und sonstigen Missbrauch in Grenzen zu halten, sind die

  • Vorjahresumsätze,
  • die Berufstätigkeit als Schausteller (i.S.d. Reisegewerbeverwaltungsvorschrift)
    und die
  • regelmäßige Beschickung von Volksfesten

durch den jeweiligen Steuerberater zu bestätigen.

Diese sehr konkret formulierte Forderung nach einem staatlichen Rettungsschirm haben wir bereits sämtlichen Landesfinanz- und Landeswirtschaftsministern, allen Ministerpräsidenten der Länder und natürlich dem Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsminister vorgelegt.

Erste Reaktionen sind bereits eingegangen. Sie zollen der Konstruktivität der Verbände, die nicht in für alle schwieriger Zeit einfach nur in Wehklagen verfallen, Respekt.

Wir entnehmen der täglichen Berichterstattung, wie ungewiss unser aller Zukunft immer noch ist. Kommt eine zweite, gar eine dritte Welle, kommt ein erneuter Lockdown, wie wird unsere (Welt-)wirtschaft das überstehen und – wer soll das alles einmal bezahlen?

Wir werden Geduld brauchen – und Zuversicht.

Über den Verlauf der weiteren Verhandlungen und Gespräche mit der Bundesregierung
halten wir Sie natürlich unterrichtet.

Bleiben Sie gesund!

Für das Präsidium des DSB                                                                  

Albert Ritter