Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Fahrerlaubnis C-CE, Staplerschein, Schweißerpass u.v.m. – mit kostenfreien Weiterbildungsmöglichkeiten die berufliche Zukunft im Schaustellergewerbe sichern

Thomas Zimmermann vom Europäischen Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft ist Leiter des Regionalen Kompetenzzentrums Berlin. Der ehemalige Artist kennt das Leben der beruflich Reisenden aus eigener Erfahrung und engagiert sich ehrenamtlich als Vizepräsident von BERID.

Im Interview mit DSB-Bundesfachberater für Bildung Andreas Horlbeck stellt er einige kostenfreie Weiterbildungsmöglichkeiten für beruflich Reisende vor.

Herr Zimmermann, seit Jahren setzen Sie sich im Bereich der Aus- und Weiterbildung für die Zielgruppe beruflich Reisender ein. Welche Möglichkeiten bestehen denn, solche Angebote wahrzunehmen, wenn man ständig auf Achse ist?

Wir können uns glücklich schätzen, in Deutschland ein System zu haben, das jedem Interessierten eine kostenfreie Bildung ermöglicht. Hunderte Berufe, sei es als Erstausbildung oder Umschulung, aber auch unzählige Bildungsangebote in Form von Weiterbildungen und Fortbildungen stehen gratis zur Verfügung, da sie von den Agenturen für Arbeit und Jobcentern übernommen werden. Der Staat gibt dafür mehrere Milliarden Euro im Jahr aus.

Das Problem ist nur, dass die Reisenden diese Angebote oft nicht kennen, bzw. nicht nutzen.

Mein großes Anliegen ist es daher, die Zielgruppe der beruflich Reisenden so für diese Angebote zu sensibilisieren, damit sie sie zukünftig ebenso in Anspruch nehmen, wie alle anderen Bürger in diesem Land.

Das klingt interessant. Wie wollen Sie vorgehen und was für Angebote meinen Sie konkret?

Zunächst müssen diese Angebote bekannter gemacht werden – auch mit Hilfe der Verbände.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es, wie lange dauert eine Fortbildung, wie lässt sich das mit der Reise vereinbaren – und was kostet das?

Das sind die Fragen, die wir beantworten müssen, gern auch gleich hier und jetzt!

Bildungsangebote können z.B. die Führerscheine B und C-CE sein, der Kassenschein, Staplerschein, Kranschein, Fremdsprachen, Schweißerpass, digitale Medien u.v.m.

Das ist für alle interessant, für die Betriebsinhaber – aber auch für ihren Nachwuchs, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und das Geschäft in die Zukunft zu führen.

Es geht ja auch nicht nur um technische, handwerkliche oder kaufmännische Lehrgänge, sondern ebenfalls um Personalführung. Führungsqualitäten, Personalmanagement, Personalentwicklung – in Zeiten des Arbeitskräftemangels sind Mitarbeiterbindungen wichtiger denn je.

Der Nachwuchs, das sind die Chefs von morgen – und ohne Angestellte läuft nichts.

Man sieht also, dass die Bandbreite von Bildungsangeboten unglaublich groß ist.

Welche Vorteile haben die Schaustellerunternehmen davon?

Sehr viele! Sie können z.B. Mitarbeiter einstellen, die fachliche Defizite haben, weil sie wissen, dass diese Defizite in kürzester Zeit mit der richtigen Bildung behoben sind. Dabei werden sie finanziell erheblich entlastet, da die Kosten vom Staat übernommen werden.

Eine gute Ausbildung steigert letztlich auch immer die Qualität im Unternehmen.

Die Bildungsangebote bieten zudem eine Zukunftsorientierung für den Familiennachwuchs, da damit zusätzliche Perspektiven eröffnet werden.  Es handelt sich bei den Maßnahmen außerdem um individuelle Bildungsangebote, die gezielt angeboten werden können. Das erhöht nicht zuletzt auch die Mitarbeiterbindung, was schließlich zu einer geringeren Fluktuation beiträgt.

Das klingt ziemlich vielversprechend. Wie laufen die Maßnahmen praktisch ab und was sind die Voraussetzungen?

Die Dauer der Fortbildungsmaßnahmen ist immer unterschiedlich. Grundregeln in der Buch- und Kassenführung können schon in Kursen von wenigen Tagen erlernt werden, der Führerschein C-CE dauert vier bis sechs Wochen. Solche Angebote können bspw. im Februar/März wahrgenommen werden – und anschließend startet man gut ausgebildet in die neue Saison.

Was ist mit dem lieben Geld, was kosten die Fortbildungen?

Die Agentur für Arbeit fördert vieler solche Maßnahmen zu 100 Prozent, wenn man arbeitslos ist. Viele Schausteller und -gehilfen sind regelmäßig im Frühjahr arbeitslos gemeldet, weil die Saison noch nicht angefangen hat. Genau dann ist Zeit und Gelegenheit, sowas anzugehen.

Man muss nur wissen wie – und dabei können wir helfen.

Ihr Bildungszentrum befindet sich in Berlin, könnte die Entfernung da nicht zum Problem werden?

Nein, überhaupt nicht! Denn erstens werden die Reisekosten, Unterbringungskosten und Verpflegungskosten auch durch die Agenturen übernommen, so dass man kostenfrei und ohne viel Aufwand in Berlin lernen kann und zweitens können wir auch über unser Netzwerk in jedem Bundesland solche Bildungsangebote etablieren. Visionär gedacht, könnte BERiD in jedem Bundesland eine Filiale als beratende Anlaufstelle mit einer Bildungseinrichtung sein.

Wenn Ihr Angebot auf Interesse stößt was wir sehr hoffen wie kann man Sie erreichen?

Eins möchte bzw. muss ich noch kurz ergänzen, natürlich richtet sich das Angebot auch an weitere Zielgruppen für beruflich Reisende wie z.B. den Zirkus. Auch hier können wir ebenso individuell nach deren Bildungsbedarfen agieren. 

Gerne beraten wir alle Interessierten dazu ausführlich über BERiD. Per E-Mail an t.zimmermann@ebg.de bin ich ebenfalls gut zu erreichen, auch an die Verbände gerichtete Anfragen sind uns sehr willkommen.

Sehr geehrter Herr Zimmermann, vielen Dank für das Interview!