Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Erfolgreicher 71. Delegiertentag in München

Feierliche Großkundgebung mit rund 1.000 Gästen und 80 Fahnendelegationen

 

Die Schausteller aus ganz Deutschland kamen Ende Januar in die bayerische Landeshauptstadt, um den 71. Delegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes zu begehen. An drei Tagen diskutierten die Schausteller die aktuellen Probleme der Branche und erarbeiteten im großen Schaustellerplenum gemeinsam Lösungsansätze.

Allein zur Großkundgebung einen Tag vor Beginn des Schaustellerplenums, die erneut eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit leistete, kamen zahlreiche Schausteller sowie hunderte namhafte Entscheidungsträger der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik zusammen. Darunter befanden sich auch viele Bürgermeister aus ganz Deutschland und Vertreter verschiedener Institutionen, die für Volksfeste und Weihnachtsmärkte von Bedeutung sind. Die Großkundgebung lieferte den politischen Entscheidern auch in diesem Jahr wichtige Argumente zum Erhalt der Volksfeste und Weihnachtsmärkte in Deutschland. DSB-Präsident Albert Ritter forderte die anwesenden Politiker während der Großkundgebung mit deutlichen Worten dazu auf, die Schausteller in ihrem im Kampf um bessere Rahmenbedingungen für ihr Gewerbe zu unterstützen.

Die politischen Redner zeigten sich dankbar für die Lösungsvorschläge des DSB zu den anstehenden Problemen der Schaustellerbranche, über die das weltweit größte Schaustellerparlament an den folgenden Tagen gemeinsam beriet.

Großkundgebung

Höhepunkt des Delegiertentages war auch im Jahr 2020 die Großkundgebung des DSB, die mit 80 Fahnendelegationen den Zusammenhalt der großen Schaustellerfamilie eindrucksvoll unter Beweis stellte. DSB-Präsident Albert Ritter betonte anschließend, dass die Schausteller nicht nur in der Moderne unterwegs und auf dem neuesten Stand der Technik seien, sondern sie auch die Tradition stets hochhalten und darauf überaus stolz sind.

Die traditionelle Andacht mit Totenehrung erfolgte durch die Schaustellerseelsorger Sascha Ellinghaus und Torsten Heinrich. Die Seelsorger gedachten gemeinsam mit den Schaustellern aus ganz Deutschland und den Gästen der Großkundgebung all jener Kollegen und Freunde, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind und spendeten allen Anwesenden den Saisonsegen.

Im Anschluss begrüßte der Vizepräsident des DSB und Erste Vorsitzende des Münchner Schausteller-Vereins e.V. Edmund Radlinger in seiner Funktion als Gastgeber herzlich alle Anwesenden zur diesjährigen Großkundgebung in München.

Zu den prominenten politischen Rednern der Kundgebung zählten der Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der stellvertretende Ministerpräsident des Freistaates Bayern und Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sowie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Staatsminister Hubert Aiwanger unterstrich in seiner Rede, dass die Schausteller Garanten dafür seien, dass die Volksfestkultur und mit ihr das sympathische Gesicht Bayerns auch weiterhin eine Zukunft habe: „Die vielen tausend Volksfeste und Weihnachtsmärkte sind unverzichtbar wichtig dafür, dass dieses Land auch sozial und gesellschaftlich funktioniert. Sie leisten einen unbezahlbaren Beitrag zum Zusammenhalt dieser Gesellschaft und deshalb haben Sie auch die volle Unterstützung der Politik verdient“, so Aiwanger. Umso wichtiger sei es daher, dass die Kosten für erhöhte Sicherheitsmaßnahmen auf Volksfesten zur Terrorabwehr nicht den Schaustellern aufgelastet werden dürfen: „Ich danke Ihnen dafür, dass Sie dafür sorgen, dass es auf den Festen ordentlich zugeht und Sie damit aber auch politisches Versagen zu einem gewissen Teil ausbaden müssen. Daher die ganz klare Botschaft: Die öffentliche Hand, die staatlichen Stellen müssen für die Grundsicherheit dieser Veranstaltungen geradestehen“, erklärte Aiwanger unter großem Applaus.

Weiterhin ging er auf die Belastungen durch die gestiegenen Dokumentationspflichten ein: „Wir müssen Ihnen hier als Staat entgegenkommen und können die Latte nicht immer höher legen“, betonte der Staatsminister. Auch ein neues europäisches Arbeitszeitrecht sei dringend notwendig, um die Arbeitszeit flexibler gestalten und so der Personalknappheit begegnen zu können.

Albert Ritter dankte Aiwanger im Anschluss für seine deutlichen und ermutigenden Worte und erklärte, dass man erneut gespürt habe, dass die Uhren im traditionsreichen bayerischen Freistaat etwas anders gehen und bestimmte Themen schon gelegentlich einfacher gehandhabt wurden, als in den anderen Bundesländern. Das sei beispielhaft, man wünsche sich ein solches Vorgehen auch im Rest Deutschlands. Bezugnehmend auf die gestiegenen Kosten für die Sicherheit auf Volksfesten pflichtete Ritter Aiwanger ausdrücklich bei und erklärte in seiner Rede erneut, dass die Produktion von Sicherheit eine hoheitliche Aufgabe sei, denn weder die Schausteller noch die Gäste verursachten den Terror, er werde von außen auf den Volksfestplatz getragen.

Mit Blick auf die Themen, die im Bundesfinanzministerium initiiert werden, machte Präsident Ritter deutlich, dass sich die Schausteller aufgrund bestimmter Regelungen noch immer unter Generalverdacht gestellt fühlten und rief die Bundespolitik dazu auf, die Rahmenbedingungen in diesen Bereichen dringend zu verändern. Dabei nannte er unter anderem die unangemeldete Kassennachschau: „Wir haben keine Geheimnisse gegenüber den zuständigen Behörden. Aber wir müssen uns über Möglichkeiten unterhalten, damit der Zoll die Überprüfungen nicht vor dem offenen Rollladen eines Verkaufsgeschäftes vornimmt, sondern wir beispielsweise in unsere Wohnwagen gehen können. Wir Schausteller dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden, wir haben eine ordentliche Buchführung und zahlen selbstverständlich den Mindestlohn. Wenn Sie das kontrollieren wollen, kommen Sie in unser Büro, fragen Sie unsere Steuerberater. Sie werden Ihnen bestätigen, dass wir ordentliche Geschäftsleute und Gewerbetreibende sind“, machte Ritter deutlich.

Darüber hinaus appellierte er nochmals daran, dass die Branche der Schausteller endlich aus dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz herausgenommen werden müsste, da sich die Situation in der EU aufgrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit bereits vor Jahren komplett verändert habe. Eine neue Evaluation der Zahlen werde bestätigen, dass damalige Verstöße heute eine Ausnahme seien.

Präsident Ritter mahnte zudem an, dass es dringend erforderlich sei, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz zu öffnen, um auch nicht hoch qualifizierten Menschen die Arbeit im Schaustellergewerbe zu ermöglichen und somit dem dramatischen Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Die Schausteller begrüßten laut Ritter das im vergangenen Jahr aufgesetzte Förderprogramm zum „Teilhabechancengesetz“ außerordentlich. Es sieht vier Mrd. Euro für Maßnahmen zur Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt vor. „Wir Schausteller haben solche Menschen seit jeher mitgenommen und häufig einen Familienersatz geschaffen. Wir können auch Geflüchtete mit Aufenthaltsstatus beschäftigen, selbst wenn sie noch nicht perfekt Deutsch sprechen und helfen ihnen bei ihrem Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. Denn bei uns sitzt der Chef nicht abgekoppelt auf der Chefetage und schaut auf die Aktienkurse. Bei uns arbeitet er Seite an Seite mit den Mitarbeitern und isst mittags den gleichen Eintopf“, betonte Ritter.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz dankte den Schaustellern zum Einstieg in seine Rede herzlich für ihre Arbeit und merkte an, dass man nie vergessen dürfe, was für eine schwere Arbeit sie Tag für Tag leisten. „Auf den vielen Volksfesten finden die Sachen sehr konkret statt. Hier vergnügen sich die Menschen miteinander und zwar nicht virtuell sondern ganz real“, sagte Scholz. Zum Thema Arbeitskräftemangel unterstrich er, dass der Schritt zur Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa der richtige Schritt gewesen sei, da unser Land heute andernfalls um ein paar Millionen Arbeitskräfte ärmer wäre. Die Schausteller sorgten laut Scholz mit ihren Arbeitsplätzen zudem dafür, dass Integration unmittelbar vor Ort gelinge. Er wolle sich daher persönlich der Forderung des DSB nach einem weiteren Personalausbau in den deutschen Botschaften der Balkanstaaten annehmen, damit die Arbeitsvermittlung dort in Zukunft zügiger umgesetzt werden könne. Darüber hinaus sei dies ein weiterer Punkt, der deutlich mache, dass auch den restlichen Balkanstaaten die Möglichkeit eines EU-Betritts eingeräumt werden müsse, damit die aktuellen bürokratischen Hürden insbesondere im Bereich der Arbeitsvermittlung noch schneller abgebaut werden könnten.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter machte in seiner Rede ebenfalls deutlich, dass die Kosten für erhöhte Sicherheitsmaßnahmen nicht bei den Schaustellern und den die Feste ausrichtenden Städte und Kommunen liegen dürften und merkte mit Blick auf die engagierten Worte Aiwangers an, dass er das Thema gerne demnächst im bayerischen Wirtschaftsministerium nochmals nachfassen werde. In jedem Fall werde er auch in Zukunft weiterhin darauf achten, das Thema Sicherheit mit dem nötigen Fingerspitzengefühl anzugehen und die Kosten dafür im Rahmen zu halten. Auch er dankte den Schaustellern für ihre wertvolle Arbeit und betonte, wie stolz die Stadt München auf das Oktoberfest sei und wie sehr die Münchner Wirtschaft jedes Jahr aufs Neue von der Wiesn profitiere: „Ich glaube, wie auch immer die politischen Umstürze in den nächsten Jahren aussehen, in München wird es immer ein Oktoberfest geben – und zwar stets mit Schaustellern, das kann ich Ihnen versprechen“, erklärte Reiter und unterstrich, dass die Wiesn auch zukünftig familienorientiert sein müsse. Er griff außerdem die Worte Ritters zum Umweltschutz und zur Nachhaltigkeit auf den deutschen Volksfesten auf und zeigte sich ausgesprochen dankbar dafür, dass die Schausteller und somit auch das Oktoberfest in München in allen Bereichen der Ökologie seit vielen Jahren vorbildlich seien. 

Zum Abschluss der feierlichen Großkundgebung sang die Schaustellerin Sonja Eckl-Gruber in einem sehr emotionalen Überraschungsauftritt den Schaustellersong „Leuchten“, der eigens für den neuen Imagefilm des DSB komponiert wurde.

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