Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Erfolgreiche rollende Großkundgebung der deutschen Schausteller in Stuttgart

Am 23. Juli 2020 haben mehr als 2.000 Schausteller, Zirkusunternehmen sowie weitere Angehörige der Freizeitbranche aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Luxemburg mit rund 800 Fahrzeugen in Stuttgart in einer weiteren rollenden Großkundgebung die existenzbedrohende Lage ihres Berufsstandes verdeutlicht. Organisiert wurde die Großkundgebung vom Schaustellerverband Südwest Stuttgart e.V. mit Unterstützung des Deutschen Schaustellerbundes e.V.

Mit vielen prachtvollen und bunt geschmückten Schaustellerfahrzeugen startete der Korso pünktlich um 12:30 Uhr vom Cannstatter Wasen. Von Dutzenden von der Polizei zugesagten Polizei-Motorrädern eskortiert machte sich der Zug auf seinen Weg ins Stadtzentrum.

Die Bevölkerung wurde auf der gesamten Strecke über die dramatische Lage des Gewerbes informiert – aber zugleich nach Schaustellerart auf sympathische Weise mit volksfesttypischen kleinen Geschenken darauf aufmerksam gemacht, wie sehr den Schaustellern ihre Gäste auf den Volksfesten fehlen.

Die bereits auf dem Karlsplatz anwesenden zahlreichen Teilnehmer der Großkundgebung bereiteten dem ankommenden Korso einen sensationellen Empfang. Auch die Bevölkerung am Wegesrand war auf der Seite der Schausteller und freute sich mit großem Zuspruch über den bunten Umzug.

Bei der anschließenden Großkundgebung auf dem Karlsplatz in Stuttgart-Mitte wiesen DSB-Präsident Albert Ritter und der Erste Vorsitzende des Schaustellerverbandes Südwest Stuttgart e.V. Mark Roschmann in kämpferischen Worten auf die dramatische Lage des Gewerbes hin: „Wir Schausteller sind eigentlich ein duldsames Volk, aber wir stehen seit Monaten mit dem Rücken zur Wand. Uns steht das Wasser nicht nur bis zum Halse, sondern schon darüber“, klagte DSB-Präsident Albert Ritter in seiner Rede an. Bezugnehmend auf die Worte von Papst Franziskus, dass Schausteller seit Jahrhunderten Licht in das Dunkel bringen, rief er den Politikern mit Blick auf das seit Monaten bestehende Berufsausübungsverbot zu: „Wir Schausteller haben eine 1.200-jährige Tradition, den Menschen Spaß und Freude zu bereiten, aber Sie müssen uns lassen – wir fordern hier daher klar und deutlich eine Gleichbehandlung mit dem stehenden Gewerbe“, appellierte Ritter. „Wenn Fußgängerzonen wieder belebt sind, wenn Strandpromenaden zum Bummel einladen, wenn es wieder erlaubt ist, dicht gedrängt im Flugzeug nach Mallorca zu fliegen, warum darf man dann nicht nebeneinander im Autoskooter sitzen?“, so der DSB-Präsident weiter.

„Dass wir als Schausteller unsere Feste nicht öffnen dürfen, obwohl wir mit unseren Hygienekonzepten gut vorbereitet sind, sorgt für großes Unverständnis in unseren Reihen und ist nicht länger hinnehmbar“, ergänzte der Erste Vorsitzende des Schaustellerverbandes Südwest Stuttgart e.V. Mark Roschmann.

Neben der Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) zeigten die Mitglieder des Bundestages Dr. Stefan Kaufmann (CDU), Nikolaus Löbel (CDU) und Bernd Riexinger (Die LINKE) sowie die Mitglieder des Baden-Württembergischen Landtages Peter Hofelich (SPD), Thomas Poreski (Die Grünen), Gabriele Reich-Gutjahr (FDP) und Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP), ihre Solidarität mit dem Schaustellergewerbe und sagten ihnen in ihren Reden ihre volle Unterstützung zu: „Wir haben für Messeveranstaltungen ab dem 1. September Lösungen gefunden und wir werden auch für Sie Lösungen finden“, sagte Landeswirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut. Zusammen mit dem Sozialministerium arbeite sie an Konzepten, damit die Märkte stattfinden könnten. „Dafür kämpfe ich im Rahmen der Landesregierung, denn wir brauchen Sie und wollen Sie auch nicht verlieren“, versprach Hoffmeister-Kraut.

Da die staatlichen Überbrückungshilfen an der Lebenswirklichkeit der Schausteller zum Teil vorbei gingen, will das Land Baden-Württemberg die Schaustellerbranche nun mit einem weiteren Förderpaket unterstützen. Geplant ist unter anderem, Unternehmen mit einem direkten Zuschuss zu den Tilgungsraten für Kredite zu unterstützen.

Neben den Ansprachen der Verbands- und der politischen Vertreter, die die existenzbedrohende Lage der Schausteller und der Freizeitbranche verdeutlichten, unterstrichen weitere musikalische und artistische Darbietungen die große Bedeutung dieses so unverzichtbaren immateriellen Kulturgutes.

Herzlichen Dank an den Schaustellerverband Südwest Stuttgart e.V. für die professionelle Vorbereitung und Durchführung der Großkundgebung und insbesondere an die zahlreichen Teilnehmer, die zur Unterstützung unseres Gewerbes aus ganz Deutschland nach Stuttgart angereist sind, um unseren Forderungen bei diesem historischen Protest Nachdruck zu verleihen!

Impressionen der rollenden Großkundgebung finden Sie in unserer Bildergalerie.