Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Eindrucksvoller 69. Delegiertentag in Neumünster

Feierliche Großkundgebung mit hunderten Gästen und 87 Fahnendelegationen

 

Der 69. Delegiertentag des DSB fand in diesem Jahr vom 27. bis zum 30. Januar im hohen Norden statt: Unter dem Motto „Immer weiter dreht sich das Karussell. Immer weiter gestalten wir die Zukunft.“ kamen die Delegierten in den Holstenhallen in Neumünster zusammen. Allein zur Großkundgebung in der Neumünsteraner Stadthalle kamen zahlreiche Schausteller aus ganz Deutschland sowie prominente Entscheidungsträger der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik zusammen. DSB-Präsident Albert Ritter forderte die anwesenden Politiker in seiner bewegenden Ansprache während der Großkundgebung dazu auf, die Schausteller zukünftig als die Experten für Volksfeste und Weihnachtsmärkte insbesondere bei dem Thema Sicherheit stärker einzubinden. Zugleich unterstrich er die Position des DSB, dass die Kosten für gestiegene Sicherheitsmaßnahmen vom Staat getragen werden müssen, da Sicherheit eine hoheitliche Aufgabe ist.
Die politischen Redner zeigten sich dankbar für die Lösungsvorschläge des DSB zu den anstehenden Problemen der Schaustellerbranche. Das weltweit größte Schaustellerparlament beriet an den folgenden Tagen gemeinsam über Lösungen für die existenzgefährdenden Schaustellerprobleme.

Höhepunkt des Delegiertentages war auch in diesem Jahr die Großkundgebung des DSB, die mit 87 Fahnendelegationen den Zusammenhalt der großen Schaustellerfamilie eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Die traditionelle Andacht mit Totenehrung erfolgte durch die Schaustellerseelsorger Sascha Ellinghaus und Torsten Heinrich. Die Seelsorger gedachten gemeinsam mit den Schaustellern aus ganz Deutschland und den Gästen der Großkundgebung all jenen Kollegen und Freunden, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind und spendeten allen Anwesenden den Saisonsegen.

Im Anschluss sangen alle Teilnehmer die deutsche Nationalhymne, um die Grundwerte der deutschen Demokratie und der Gewerbefreiheit in Deutschland zu würdigen.

Zu den prominenten politischen Rednern der Kundgebung zählten neben dem Landtagspräsidenten Schleswig-Holsteins Klaus Schlie (CDU) auch der ausgewiesene Schaustellerfreund Ministerpräsident a.D. Peter Harry Carstensen, der sich bereit erklärte, an Stelle des Ministerpräsidenten Daniel Günther zu sprechen, der aufgrund der Koalitionsverhandlungen der Großen Koalition in Berlin seine Teilnahme kurzfristig absagen musste. Weitere namhafte Redner waren die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales Gabriele Lösekrug-Möller (SPD), der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Uwe Beckmeyer (SPD), der Oberbürgermeister der Stadt Neumünster Dr. Olaf Tauras (parteilos) sowie der Bürgermeister der Stadt Heide (Holstein) Ulf Stecher (CDU).

In seiner leidenschaftlichen Ansprache ging DSB-Präsident Albert Ritter auf die drängenden Probleme der Schausteller in den Bereichen Bürokratieabbau, Dieselfahrverbot, Arbeitskräftemangel, Fliegende Bauten und dabei insbesondere Unwetterwarnungen, Bildung sowie dem Erhalt kleinerer Traditionsvolksfeste u.v.m. ein.

Im Bezug auf das Thema Bildung merkte Präsident Ritter an, dass die Kinder beruflich Reisender aufgrund ihrer außergewöhnlichen Situation besondere Unterstützung benötigen. Die Schausteller sprechen sich daher klar für die Aufhebung eines Kooperationsverbotes, durch das der Bund nicht in die Schulpolitik der Länder eingreifen darf, aus.

Mit Blick auf mögliche drohende Dieselfahrverbote mahnte Ritter an, dass im Falle gesetzlicher Fahrverbote dringend Ausnahmeregelungen für Schausteller geschaffen werden müssten, da diese mit ihren Zugmaschinen zum Auf- und Abbau gezwungenermaßen in die Innenstädte einfahren müssen, um ihre Geschäfte dort auf den Volksfestplätzen und Weihnachtsmärkten aufbauen zu können.

Hinsichtlich der Schließung von Volksfesten aufgrund kurzfristiger Unwetterwarnungen betonte er, dass die Anlagen der Schausteller seit Jahrhunderten sicher konstruiert seien und daher zukünftig Entscheidungen mit Augenmaß von Nöten sind – vor allem müsse es zudem eine schnelle Entwarnung geben, sobald die Unwettergefahr vorüber ist.

Ein besonderes Augenmerk legte Präsident Ritter am Ende seiner Rede auf das Thema Sicherheit auf Volksfestplätzen. Er appellierte an die anwesenden Vertreter der Politik die Schausteller bei allen Planungen stets mit ins Boot zu holen: „Wenn es um Volksfeste und Weihnachtsmärkte geht, fragen Sie bitte nicht Ihren Arzt oder Apotheker, sondern fragen Sie uns Schausteller. Wir sind seit Generationen zu Hause auf den Volksfestplätzen und damit Sicherheitsexperten erster Güte. Wir sind jederzeit bereit, mit Manpower und Zugmaschinen zu einer noch größeren Sicherheit auf den Plätzen beizutragen und mitzuhelfen“, so Ritter während seiner Rede. Bei allen Veranstaltungen fließe der jedes Jahr größer werdende Erfahrungsschatz all jener ein, die an der sicheren Organisation und Durchführung der Feste seit Jahrzehnten, manchmal seit Jahrhunderten beteiligt sind.

Er warnte jedoch gleichzeitig davor, Volksfeste zukünftig einzumauern: „Aus Festen dürfen keine Festungen werden! Volksfeste sind seit 1500 Jahren gelebte Tradition, auf denen Menschen, ganz egal welcher Herkunft, seit jeher friedlich gemeinsam feiern. In der Bewahrung unserer Demokratie und Freiheit dürfen wir unsere Feste nicht einmauern, sonst geht der freiheitliche Charakter unserer Volksfeste verloren“, hob Albert Ritter hervor. Die Schausteller würden daher auch der Empfehlung der Europäischen Kommission folgen und sich für dauerhafte und versenkbare Zufahrtsbarrieren aussprechen, die jederzeit genutzt werden können, da eine Gefährdung vor Anschlägen schließlich nicht bloß bei Volksfesten und Weihnachtsmärkten bestehe. Ritter schloss seine Rede mit dem eindringlichen Appell an die politischen Vertreter, die Kosten für gestiegene Sicherheitsmaßnahmen nicht auf die Schausteller abzuwälzen: „Wenn Politiker davon reden, dass wir uns das Lachen unserer Kinder nicht verbieten lassen dürfen und weitermachen müssen, dann darf die Politik uns Schausteller mit den gestiegenen Kosten auch nicht alleine lassen!“, so der DSB-Präsident.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Uwe Beckmeyer stimmte Präsident Ritter im Anschluss an seine Rede zu und plädierte für einen vernünftigen Mittelweg. Es gelte in Zukunft abzuwägen, wie viel Sicherheit tatsächlich gebraucht werde und wer den zusätzlichen Aufwand zu zahlen habe, da die Belastbarkeit der Schausteller ihre Grenzen habe. Schließlich profitierten auch die Kommunen deutlich von den Volksfesten. Beckmeyer verwies anschließend auf weitere Gespräche mit dem Innenministerium und betonte, dass sich langfristige Lösungen nur im gemeinsamen Schulterschluss finden ließen.

Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie pflichtete Präsident Ritter in seiner Rede unter kräftigem Applaus bei: „Sicherheit ist eine staatliche Aufgabe, ich bin sicher, dass alle im Landtag vertretenen Parteien hinter den Schaustellern stehen“, so der Landtagspräsident.

Es könne nicht angehen, dass Volksfeste im Land wegen zu hoher Kosten oder Bürokratie in Schwierigkeiten geraten oder gar aufgegeben werden müssen, unterstrich Schlie weiter, der unter Ministerpräsident a.D. Peter Harry Carstensen bereits für die Entbürokratisierung zuständig war.

Auch die weiteren politischen Vertreter sagten der Schaustellerbranche ihre Unterstützung zur Lösung der drängenden Probleme zu.

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