Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




DSB zu Gast bei Ministerpräsidentin Dreyer in Rheinland-Pfalz: Schausteller fordern Unterstützung in der Corona-Krise

Am 5. August 2020 waren DSB-Präsident Albert Ritter, Vizepräsident Kevin Kratzsch und der Erste Vorsitzende des Schaustellerverbandes „Wonnegau“ Worms e.V. René Bauer zu Gast bei der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz Malu Dreyer (SPD) in der Staatskanzlei des Landes Rheinland-Pfalz, um mit ihr über die existenzbedrohende Situation des Schaustellergewerbes durch die Corona-Pandemie zu sprechen.

Eines der Hauptthemen waren die finanziellen Folgen, die mit der Absage sämtlicher Großveranstaltungen, so auch der Volksfeste, bis mindestens einschließlich Oktober 2020 einhergehen. DSB-Präsident Albert Ritter sagte dazu: „Wir Schausteller wollen für unser Geld arbeiten und nicht auf staatliche Hilfen angewiesen sein. Wir empfinden es als große Beschämung, dass wir die Leistungen des Überbrückungshilfeprogrammes in Anspruch nehmen müssen, um unsere Betriebe vor dem Sterben zu retten.“

Das größte Probleme bestehe jedoch laut Ritter darin, dass die gegenwärtigen Hilfen nicht ausreichend seien, um das Überleben der Betriebe überhaupt zu sichern. Die Schaustellervertreter beschrieben Ministerpräsidentin Dreyer daher im Detail die Kritikpunkte des Programmes: So müsse zunächst der Einstieg in das Überbrückungshilfeprogramm dringend erleichtert werden. Weiterhin sind monatliche Kosten für gemietete, gepachtete oder geleaste Gegenstände im Sinne des Überbrückungshilfeprogramms erstattungsfähig, die Tilgungsraten, die dann fällig sind, wenn dieselben Gegenstände finanziert wurden, aber nicht. Auch die Kosten für Instandhaltung und Wartung bereiten den Schaustellern (und ihren Steuerberatern) erhebliche Sorgen bezüglich ihrer Trennschärfe. Hierbei stellten sich insbesondere die folgenden Fragen: Was ist mit dem defekten Getriebe einer Zugmaschine, das repariert oder ausgetauscht werden muss, weil sonst der (erhoffte) Saisonstart 2021 schon auf der Autobahnauffahrt enden könnte? Wie können Standschäden an der Technik entgegenwirkt werden? Die Fahrzeuge, Auflieger und vor allem Fahrgeschäfte mit ihren Motoren, Steuerungen, Hydraulik- und Pneumatikanlagen müssen regelmäßig betrieben werden, sonst drohen Standschäden. Zum Aufbau des Fahrgeschäftes bedarf es aber des Personals, einer ausreichend starken Stromversorgung und der meist auf den heimischen Betriebshöfen nicht gegebenen Freiflächen. Der regelmäßige Aufbau auf großen Plätzen, der kurze Betrieb und Abbau sind jedoch sehr kostenintensiv. Hier müsse, so die Schaustellervertreter, beherzt Geld in die Hand genommen werden, da das Geschäft sonst nächstes Jahr kaputt ist. Auch hier stellt sich zudem die Frage nach der Kostenübernahme.

DSB-Präsident Ritter betonte außerdem, dass der gravierendste Kritikpunkt darin läge, dass generell und ohne Einschränkung jegliche Verwendung der Fördermittel für Aufwendungen der privaten Lebensführung und der persönlichen Vorsorge verboten wird. Die Schaustellerbetriebe sind praktisch ausnahmslos Familienbetriebe und beziehen daher ihr gesamtes Familieneinkommen aus dem Gewerbebetrieb. Mit dem Verbot der Veranstaltungen ist den Betrieben und Familien die Lebensgrundlage entzogen worden – sie haben generell kein geregeltes Einkommen, das für die Lebenshaltungskosten oder gar für die Vorsorge in Gesundheit und Alter dienen kann. Private Zahlungsverpflichtungen wie Strom, Krankenversicherung etc. sind so plötzlich zu enormen Hürden geworden. Die Schaustellervertreter machten daher darauf aufmerksam, wie wichtig ein zusätzlicher Pauschalbeitrag zur Lebenshaltung neben den ermittelten Erstattungsbeträgen für betriebliche Fixkosten sei und baten Ministerpräsidentin Dreyer darum, dafür auch in den Bund- und Länderausschüssen zu werben und gleichzeitig zu prüfen, ob Rheinland-Pfalz zur Rettung der Schaustellerbetriebe – und damit auch zur Rettung der rheinland-pfälzischen Volksfestkultur – schaustellerspezifische Sonderprogramme auflegen könne. An dieser Stelle verwiesen sie beispielhaft auf die Landesprogramme aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, die diese dargestellten Lücken erkannt und Programme aufgestellt haben, mit denen zumindest teilweise Hilfe gewährt werden kann.
Zudem betonten sie, dass mit der Absage aller Veranstaltungen bis Ende Oktober 2020 zwingend entsprechende Anschlussprogramme ab dem 1. September notwendig seien.

Das zweite bestimmende Thema war die Veranstaltung der Weihnachtsmärkte. Denn in den Städten und Gemeinden wird bereits intensiv darüber nachgedacht, unter welchen Bedingungen die Märkte dieses Jahr stattfinden werden. „Nicht nur wir Schausteller sind auf die Durchführung von Weihnachtsmärkten angewiesen, auch der Einzelhandel macht den Fortbestand vieler Geschäfte – gerade in Innenstadtlagen – von einem zumindest zufriedenstellenden Weihnachtsgeschäft abhängig, für das die Märkte unabdingbar sind“, mahnte DSB-Präsident Ritter.

Aber auch die Bevölkerung sehne sich nach Möglichkeiten der Zerstreuung und Besinnlichkeit, da sie Anfang Dezember auf mehr als ein dreiviertel Jahr eigenen Erlebens zurückblicken, das von Corona beherrscht war – und noch keine konkrete Aussicht auf das Ende der Bedrohung haben, erläuterte er weiter. Die Schaustellervertreter forderten daher nochmals mit Nachdruck, dass aus diesen offensichtlichen und naheliegenden Gründen unbedingt an der Veranstaltung der traditionellen Weihnachtsmärkte auch im Jahr 2020 festzuhalten sei. Schließlich zeigten die von der Bevölkerung mittlerweile gelernten und verinnerlichten Regeln des Hygieneschutzes und die sich bestätigende Annahme, dass das Infektionsrisiko an frischer Luft ganz erheblich geringer ist, als in geschlossenen Räumen, dass die Durchführung von Weihnachtsmärkten gut vertretbar sei.

Fotonachweis: DSB