Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




DSB im Gespräch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Bareiß und dem SPD-Bundesvorsitzenden Walter-Borjans

Am 7. Oktober 2020 hatten DSB-Präsident Albert Ritter und Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg die Gelegenheit, die aktuelle dramatische Situation der Schausteller durch die Corona-Pandemie mit dem Bundesvorsitzenden der SPD Norbert Walter-Borjans im Rahmen einer Videokonferenz zu diskutieren. Insbesondere mit Blick auf das SPD-geführte Bundesfinanzministerium mahnten Ritter und Hakelberg angesichts der besonderen Gegebenheiten im Schaustellergewerbe einen Übergang zu branchenspezifischen Programmen an.

Die erhebliche Abhängigkeit von kommunalen Veranstaltern und die bevorstehende saisonale Winterpause seien allein schon ausreichender Beleg dafür, dass man die Zeit bis zur Serienreife eines Impfstoffes mit finanziellen Hilfen überbrücken müsse, die das Gewerbe in seiner Sondersituation auch wirklich erreichen.

Einen Tag später fand eine weitere Videokonferenz zwischen Präsident Ritter und Hauptgeschäftsführer Hakelberg mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Beauftragten der Bundesregierung für Mittelstand Thomas Bareiß (CDU) statt. Während des Gespräches betonten die Schaustellervertreter, dass ihre oberste Priorität nach wie vor darin bestehe, mit ihrer eigenen Hände Arbeit Geld zu verdienen. Dazu wurden in den vergangenen Monaten Hygienekonzepte von den Schaustellern entwickelt, die ihre Leistungsfähigkeit bereits im Sommer bewiesen haben und auch für die Durchführung der wirtschaftlich so bitter erforderlichen Weihnachtsmärkte gut geeignet sind. In diesem Zusammenhang wiesen sie nochmals auf die Machbarkeitsstudie von Project M und den jüngst entwickelten Film mit Hygienemaßnahmen insbesondere zur Durchführung der Weihnachtsmärkte 2020 hin.

Sie berichteten weiterhin, dass die Städte und Kommunen sehr unterschiedliche Signale senden: So sagen einige ihre Weihnachtsmärkte mit einem Federstrich ab, in vielen anderen Städten stecken alle Beteiligten jedoch die Köpfe zusammen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Dazu gehöre auch – leider noch viel zu selten – die Überlegung, die doch sehr hohen Standgelder in diesem schwierigen Winter zu reduzieren, auch um dem erheblichen Risiko der Schausteller, dass die Veranstaltungen noch kurzfristig abgesagt werden, Rechnung zu tragen. Staatssekretär Bareiß, gleichzeitig auch Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, kündigte daraufhin an, dazu mit den kommunalen Spitzenverbänden in Dialog zu treten, um eine Lösung für diese Probleme zu finden.

Die DSB-Vertreter betonten abermals, dass die staatliche Unterstützung ein Überleben der Branche sichern müsse, wenn es den Schaustellern aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich ist, Geld zu verdienen. Hier machten sie deutlich, dass die gegenwärtigen Instrumente noch nicht ausreichend sind, auch weil sie die erhebliche Dauer des faktischen Berufsverbotes nicht berücksichtigen. Wesentliche Punkte ihrer deutlichen Kritik waren die fehlende Übernahme von Tilgungsleistungen in laufenden Kreditverträgen und der verwehrte Unternehmerlohn, der die Schausteller dazu zwingt, ihre Reserven und ihre Altersvorsorge aufzubrauchen.

Sie machten im Zuge dessen darauf aufmerksam, dass einige Bundesländer (Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und demnächst auch Niedersachsen) hier bereits beherzt handeln und Schaustellerprogramme auflegen.
Es sei dementsprechend wichtig, dass die Bundesregierung branchenspezifische Programme auf den Weg bringe, da die Schaustellerbranche mit kaum einer anderen vergleichbar sei.

Allein die saisonale Winterpause von Januar bis März zeige an dieser Stelle mit der nun mangelnden Gelegenheit, sich das so dringend benötige Wintergeld zulegen zu können, sehr deutlich auf, dass hier branchenspezifisch nachjustiert werden müsse.