Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




DSB-Hauptvorstand berät in Berlin aktuelle Verbandsthemen

Hauptvorstandstagung des Deutschen Schaustellerbundes in Berlin. Foto: DSB

Am 23. Juni 2022 trafen sich die Vorsitzenden der DSB-Mitgliedsverbände in Berlin zur 187. Hauptvorstandssitzung. Der Hauptvorstand ist das höchste Gremium des Deutschen Schaustellerbundes zwischen den Delegiertentagen. Im Hotel Meliá Berlin, unweit der Hauptgeschäftsstelle, erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein umfangreiches Tagungsprogramm.

Am Vortag der Sitzung hatte sich das DSB-Präsidium mit Präsident Albert Ritter und den Vizepräsidenten Lorenz Kalb, Edmund Radlinger, Thomas Meyer, Kevin Kratzsch sowie Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg über aktuelle Verbandsthemen ausgetauscht und die Tagesordnung der Vorstandssitzung abschließend beraten.

Am 23. Juni eröffnete Präsident Ritter pünktlich um 11 Uhr die Tagung. Nach einer Begrüßung der Kolleginnen und Kollegen gab der Präsident das Wort weiter an Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg, der in einem PowerPoint-Vortrag über die Arbeit der Hauptgeschäftsstelle in den vergangenen Monaten berichtete. Es folgt ein Überblick über die zentralen Themen.

Bericht des Hauptgeschäftsführers

Zu Beginn seines Vortrages hielt Hauptgeschäftsführer Hakelberg eine Rückschau auf die Entwicklung der Corona-Pandemie seit der letzten Vorstandstagung im Juni 2021, ihre Auswirkungen auf das Schaustellergewerbe und die Reaktionen des DSB. Frank Hakelberg verwies auf die vier Säulen, auf die sich die DSB-Arbeit konzentriert hätte: Zum einen – zu Beginn der Pandemie – der Einsatz für den Erhalt der Traditionsvolksfeste, zweitens die Einforderung staatlicher Hilfe, parallel dazu die Schaffung von alternativen Veranstaltungen, wie temporäre Freizeitparks, und viertens die Wiederöffnung des Spielbetriebs. Die Absage des größten Teils der Weihnachtsmärkte im November 2021 sei, so der Hauptgeschäftsführer, eine „schwere Katastrophe“ für die Unternehmen gewesen. Der DSB habe sich aber auch in dieser Zeit mit Erfolg für eine Verlängerung der Überbrückungshilfen stark gemacht.

Zur drängenden Problematik der verbundenen Unternehmen führte der Deutsche Schaustellerbund in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung.

Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg informierte anschließend über die zentralen Ergebnisse der Tagung des Arbeitskreises Fliegende Bauten, der am 4. und 5. Mai 2022 erstmals seit zwei Jahren wieder zusammengekommen war.

Zum Thema Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) verwies Frank Hakelberg auf die Fortbildungsangebote und Programme, wie zum Beispiel Kranschulungen oder die TÜV-Module I bis III, die die BGN anbietet. Der DSB habe ergänzend ein Unterweisungshandbuch mit Hinweisen zu Arbeitskleidung, Helmpflicht etc. für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schaustellerbetriebe vor Ort entworfen, das auch in einer rumänischen und polnischen Übersetzung angeboten werde.

Der Mangel an Arbeitskräften ist ein Problem, dass die Schaustellerbetriebe aktuell sehr beschäftigt und auch auf der Präsidiumssitzung im Vorfeld der Vorstandstagung intensiv diskutiert worden war. Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg informierte den Hauptvorstand über die aktuelle rechtliche Situation auf dem europäischen Arbeitsmarkt und verwies auf die Problematik bei der Vermittlung von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Staaten, wie zum Beispiel Ländern des westlichen Balkans. Frank Hakelberg verwies in diesem Zusammenhang auf den Werbefilm des Deutschen Schaustellerbundes, der auch auf Polnisch und Rumänisch zur Verfügung stehe und den die Schaustellerunternehmen nutzen können, um auf ihren Online-Plattformen und Webseiten für Stellenangebote zu werben.

Auch der Anstieg der Energiekosten und die Folgen für die Schaustellerbranche ist ein Thema, mit dem sich das Präsidium aktuell sehr intensiv auseinandersetzt. Der DSB habe, betonte Frank Hakelberg, in den vergangen Wochen Gespräche zu dieser Problematik mit Energieversorgern geführt und arbeite aktuell an einem Positionspapier.

Das Verfahrensmanagement für Großraum- und Schwertransporte, kurz: VEMAGS, ist das bundeseinheitliche Produkt zur Online-Abwicklung des Antrags- und Genehmigungsverfahrens für Großraum- und Schwertransporte aller 16 Bundesländer und des Bundes. Das Thema betrifft vor allem die Betreiber von Großfahrgeschäften für deren Transport Sondergenehmigungen beantragt werden müssen. Wegen steigender Gebühren und einer uneinheitlichen Handlungsweise habe sich der DSB, so erklärte Hauptgeschäftsführer Hakelberg, bereits vor einem Jahr mit dem Bundesverkehrsministerium, den Landesverkehrsministerien sowie allen Mitgliedern des Bundestagsverkehrsausschusses in Verbindung gesetzt, um in Gesprächen auf diese Problematik hinzuweisen. Weiterhin habe sich der DSB der Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten e.V. (BSK) angeschlossen, einer Vereinigung, die sich schwerpunktmäßig mit diesem sehr komplexen Thema auseinandersetzt.

Die Bundesfachgruppe ist nach eigenen Angaben die mitgliederstärkste Vereinigung in Europa, wenn es um den Fachbereich rund um Großraum- und Schwergüter geht. Sie vertritt engagiert die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen und ist im ständigen Dialog mit Industrie, Politik sowie Transport- und Logistikunternehmen an Land und zu Wasser. Zu ihren Mitgliedern gehören Unternehmen aus den Bereichen der Großraum- und Schwertransporte, Fahrzeugkrane, Montage und Begleitunternehmen zur Absicherung der Transporte wie auch Dienstleister, die sich auf entsprechende Branchenlösungen spezialisiert haben. Die BSK hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.

Immer wieder wird an den Deutschen Schaustellerbund die Frage herangetragen, ob das Betreiben eines mobilen Schießgeschäftes auf dem Volksfest einen Sachkundenachweis erfordert. Diese Auffassung hegen, so Frank Hakelberg, neben einigen Veranstaltern auch einige Polizeidienststellen, wie eine Online-Recherche des DSB ergab. Der DSB habe sich mit dieser Frage an das Bundesinnenministerium gewandt, das nun bestätigt habe, dass ein Sachkundenachweis nicht erforderlich sei.

Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg informierte zum Abschluss über den erfolgreichen Verlauf der BeKoSch-Kurse an den Standorten Herne, Neumünster und Nidda. Einen besonderen Dank richtete er an die Firma MOHABA, die die Bildungsarbeit des DSB seit langem unterstützt.

Im zweiten Teil der Vorstandssitzung standen die ergänzenden Berichte der Präsidiumsmitglieder und die anschließenden Fragerunden und Diskussionen über aktuelle Verbandsthemen im Mittelpunkt.

Berufsfragen

Vizepräsident Thomas Meyer erläuterte zu Beginn seines Berichtes dem Hauptvorstand die Arbeitsschritte des Notfallplans, mit dem der Deutsche Schaustellerbund bereits kurz nach Beginn der Corona-Krise auf die Auswirkungen für das Schaustellergewerbe und die Volksfeste reagiert hatte. Ein erster Schritt war die verstärkte Einbindung der Bundesfachberaterinnen und Bundesfachberater. „Das war aus meiner Sicht eine hervorragende Sache“, erklärte Thomas Meyer, „wir sind eng zusammengerückt, haben die natürlichen Sparten abgelegt und uns rein mit der Problemlösung beschäftigt.“

Vizepräsident Thomas Meyer informierte den Hauptvorstand weiterhin über den Verlauf und die Ergebnisse der Sitzung des Arbeitskreises Fliegende Bauten im Mai dieses Jahres. Er verwies auf die Bedeutung der langjährigen konstruktiven Arbeit des DSB in diesem Gremium. Grundsätzlich sei es für den DSB wichtig, sich kreativ an Prozessen zu beteiligen und sich mit zukünftigen Ideen und Herausforderungen auseinanderzusetzen, „um nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden“, wie der Vizepräsident betonte. In der anschließenden Diskussionsrunde standen die Themen Rahmenverträge, Arbeitskräftesituation, EU-Norm 13814, Gema-Gebühren, Verbundene Unternehmen, Baubuch, Überbrückungshilfen, Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe und die Qualifikation im Schaustellergewerbe im Mittelpunkt.

Zum Thema „Zusammenarbeit des DSB mit Politik, Behörden und Verbänden“ erklärte Präsident Albert Ritter: „Wenn wir hier in Berlin als Vertreter der Schaustellerinnen und Schausteller unterwegs sind, dann treffen wir auf offene Ministerien, einen offenen Bundestag, offene Verwaltungsstellen und das, weil wir über Jahrzehnte hinweg als verlässliche, gute und anerkannte Partner mit der Politik umgegangen sind und eben nicht nur aufgetaucht sind, um Forderungen zu stellen, sondern weil wir über Jahre hinweg auf Augenhöhe mit den entsprechenden Stellen gearbeitet haben. Und das gilt zum Beispiel auch für den Arbeitskreis Fliegende Bauten, in dem die Meinung der DSB-Vertreter gefragt ist, weil man weiß, dass man sich auf ihre Aussagen verlassen kann. Und das ist auch wieder ein Beleg für die seriöse, langjährige und wichtige Arbeit, die der DSB leistet.“

Organisationsfragen

Aktuelle Informationen zum Stand der Vorbereitungen für den Delegiertentag 2023 in Kassel standen im Fokus des Arbeitsbereiches Organisationsfragen. Vizepräsident Lorenz Kalb gab einen Überblick zum Ablauf des großen Verbandstreffens vom 13. Bis 16. Januar 2023. Einstimmig bestätigte der Hauptvorstand die Vorschläge zur Tagungsleitung: Andreas Horlbeck (Tagungsleiter), Michael Hausmann (stellvertretender Tagungsleiter), Lisa Schmitkamp (Rednerlistenführerin). Der 1.Vorsitzende des gastgebenden Schaustellerverbands Kassel-Göttingen e.V. Konrad Ruppert informierte im Anschluss über das Programm des Delegiertentages, der unter dem Motto "Ab in die Mitte!" steht. Konrad Ruppert schloss seinen Vortrag mit den Worten: "Ich lade Euch alle herzlich ein! Kommt nach Kassel!"

Vizepräsident Lorenz Kalb dankte im Namen des Präsidiums den Kolleginnen und Kollegen des Schaustellerverbands Kassel-Göttingen – auch mit Verweis auf die coronabedingen Absagen der Delegiertentage 2021 und 2022 – recht herzlich für ihren tollen Einsatz und betonte: „Wir freuen uns auf Kassel!“

Marketing

Vizepräsident Kevin Kratzsch verwies in seinem Bericht auf den positiven Start der Volksfeste in diesem Frühjahr. „Wir sind endlich wieder ans Netz gegangen“, sagte Kevin Kratzsch, „unsere Volksfeste haben endlich wieder stattfinden können und wir haben alle gespürt, dass wir mit einer unglaublich starken Frühjahrssaison zurückgekommen sind. Überall in Deutschland gab es Rekordmeldungen von den Plätzen. Das war nicht nur ein wirtschaftlich, sondern auch emotional gutes Gefühl. Wir haben gespürt, dass wir sehr relevant sind. Viele Menschen sind an die Geschäfte getreten und haben gesagt: ‚Schön, dass ihr wieder da seid!‘ Das hat gezeigt, dass wir den Menschen wichtig sind.“ Als einen wichtigen Grund für den erfolgreichen Volksfest-Wiederbeginn nannte Vizepräsident Kratzsch „unser aller Auftreten, unser aller Marketing in dieser Corona-Pandemie. Wir haben eine flächendeckende einheitliche Aussage geschaffen. Wir haben uns gut präsentiert und so viel Medienresonanz wie bis dato noch nie erzielt. Wir haben gezeigt: Wir sind systemrelevant. Wir haben dem Volksfestbesucher vermittelt: Wir erzählen Deine Geschichte. Wir machen Dein Volksfest. Und wir sorgen dafür, dass auch Du Identität hast. Und das haben die Menschen sehr genau aufgenommen. Was die Pandemie sehr genau gezeigt hat ist, dass es wichtig ist, wie wir uns öffentlich darstellen, was wir für Marketing machen, wie wir uns präsentieren. Und dass uns wichtig ist zu sehen, wie nicht nur wir, sondern auch wie unser Produkt wahrgenommen wird.“

Öffentlichkeitarbeit

Zum Thema Öffentlichkeitsarbeite verwies Präsident Albert Ritter darauf, dass all die Forderungen, Maßnahmen und Fortschritte, die der DSB mit seiner Verbandsarbeit in den vergangenen Corona-Jahren auf den Weg gebracht habe, auf der unermüdlichen Arbeit und den guten Netzwerken seiner Mitgliedsverbände, vieler einzelner Schaustellerinnen und Schausteller, der Bundesfachberater und des Präsidiums gründe.

In der umfangreichen medialen Berichterstattung seien die Schaustellerinnen und Schausteller nicht wehklagend, sondern konstruktiv, zupackend und kreativ erlebt worden. Die Situation der Branche konnte flächendeckend in ganz Deutschland in den Medien dargestellt werden. Die Berichterstattung reichte dabei von zahlreichen lokalen Medien in Print, Rundfunk und Internet über die überregionalen und bundesweit erscheinenden Medien wie der FAZ, Zeit, Süddeutschen Zeitung, Handelsblatt, n-tv, Welt, BILD, Deutschlandfunk und vielen weiteren.<s></s>

Insgesamt wurde die Existenzbedrohung der deutschen Schausteller in den regionalen, den überregionalen und ausländischen Medien in weit über 4.000 Beiträgen seit März 2020 beleuchtet. Albert Ritter sagte: „Beim Thema Öffentlichkeitsarbeit ist der DSB sehr weit vorne, denn die Journalistinnen und Journalisten wissen, wo sie eine kompetente, fachkundige Aussage bekommen.“

Finanzen

Vizepräsident Edmund Radlinger erläuterte in seinem Bericht den aktuellen Haushaltplan und die Finanzentwicklung des Verbandes. Besonders hob er, unter großem Applaus des Plenums, die erneut positive Mitgliederentwicklung in den letzten drei Jahren hervor. Die Steigerung der Mitgliederzahlen sei, so betonte Edmund Radlinger, eine besondere Leistung – vor allem in Zeiten von Corona.

Zum Abschluss der 187. Vorstandssitzung des Deutschen Schaustellerbundes dankte Präsident Albert Ritter den Kolleginnen und Kollegen für den erfolgreichen Verlauf der Tagung und die konstruktiven Diskussionen. Mit Blick auf die Corona-Pandemie und die neuen bevorstehenden Herausforderungen erklärte der Präsident: „Wir im DSB halten zusammen, leisten zusammen gemeinsame Arbeit, damit unser schöner Beruf weitergehen kann.“