Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




DSB-Arbeitsgruppe 2030 gegen „Verballermanisierung“ unserer Volksfeste

Parallel zur Allerheiligenkirmes in Soest tagte die auf dem Delegiertentag in Neumünster auf Antrag des ehemaligen Bundesfachberaters Fritz Heitmann ins Leben gerufene Arbeitsgruppe „2030“. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, die sich immer konkreter abzeichnende Schieflage vieler Volksfeste zu analysieren – und Konzepte zur Korrektur zu entwickeln.

Zentrales Problem ist, so das Gremium, dass viele Veranstalter nicht mehr den Anspruch haben, ein klassisches Volksfest für die ganze Familie zu veranstalten, sondern zunehmend ein jüngeres, feierfreudiges Party-Publikum in den Fokus nehmen. Dieses Publikum strömt zwar in hoher Zahl auf die Festplätze – dort angekommen hat es jedoch in erster Linie die Festzelte und Ausschankbetriebe als Ziel.

Die Betreiber der Fahrgeschäfte müssen feststellen, dass diese Klientel ihre Leistung dann nur noch am Rande oder gar nicht in Anspruch nimmt. Hinzu kommt, dass die Familien, für die die Fahrgeschäfte auf dem Fest so unverzichtbar sind wie die Mandeln, die Bratwurst und das Eis, den Veranstaltungen dann fern bleiben, wenn die Party zu laut und der Alkoholkonsum zu hoch ist.

Für die Fahrgeschäftsbetreiber mit ihren hohem logistischen Aufwand bedeutet diese Fokussierung, dass diese Engagements sukzessive unauskömmlich werden. Ihre Anlagen sind aber die Leuchttürme einer jeden Veranstaltung, ihre unverzichtbaren Zugpferde. Jedes Kind wird bestätigen: Kein Volksfest ohne Karussell!
So beobachten wir gerade eine Entwicklung, die sich mittel- und langfristig auf die gesamte Branche nachteilig auswirken könnte.

Die Arbeitsgruppe entwickelt Konzepte zur Sensibilisierung der Veranstalter für dieses Problem. So soll zur intensiveren Diskussion darüber angeregt werden, ob die gegenwärtige Konzeption der Volksfeste wirklich nachhaltig ist.
Seit Jahren warnt der DSB vor einer „Verballermannisierung“ der Volksfeste, ein Begriff, der seinen Ursprung in der ungehemmten Feierkultur an einigen Stränden Mallorcas findet.

Mit großer Sorge mussten Hotellerie, Gastronomie und Einwohner Mallorcas jedoch feststellen, dass dieser, wenn auch regional begrenzte, Partytourismus zunehmend den Ruf der gesamten, an Naturschönheiten so reichen Insel beschädigte.

Die Mallorquiner erkannten, dass mit den Attributen laut, billig und grell viele Gäste, gerade Familien, abgeschreckt werden und der Ruf Mallorcas als gepflegter, gewachsener und durchaus stilvoller Urlaubsort verhallt.

So wie die Regierung der Balearischen Inseln diesen Trend nun zu stoppen versucht, so sollen auch die Veranstalter hiesiger Volksfeste davon überzeugt werden, dass die Ansprache des Familienpublikums der richtige Weg ist, um alle Generationen zu begeistern. Heute, morgen und auch 2030.

Die Arbeitsgruppe wird ihre zwischenzeitlichen Ergebnisse auf dem nächsten Delegiertentag in den Fachgruppen und im Plenum vorstellen und diskutieren lassen.

Fotonachweis: DSB