Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




„Das Cannstatter Volksfest: Früher ein Fest der Hoffnung. Heute ein Fest für Millionen.“

Das Cannstatter Volksfest ist eine wahre Institution: Jahr für Jahr lockt das Fest Millionen von Menschen auf den Cannstatter Wasen – und das bereits seit 1818. Im Jahr seines 200-jährigen Bestehens kann das Cannstatter Volksfest auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken.

Anlässlich des Jubiläums wurde der Ursprung dieses Festes nun in einem Dokumentarfilm für den Südwestrundfunk (SWR) beleuchtet: Drei Jahre bevor das „Fest der Schwaben“ gegründet wurde, brach der Vulkan Tambora in Indonesien aus, was dramatische Auswirkungen auf das Wetter und damit die Landwirtschaft in Württemberg hatte. König Wilhelm I. stiftete das Fest daher gemeinsam mit seiner Frau Katharina von Württemberg der Bevölkerung, um die Landwirtschaft wieder anzukurbeln.

Die SWR-Dokumentation verbindet historische Spielszenen und Experteninterviews. Zu Wort kommen unter anderem Historiker, Volkskundler, Landwirtschaftsexperten und Nachfahren des württembergischen Königspaares – und auch Schausteller.

Im Interview erläutert die Drehbuchautorin des Films Ulrike Stegmann Näheres über die Hintergründe des Films.

Frau Stegmann, Sie haben als Autorin am Filmprojekt „Das Jahr ohne Sommer“ über die Entstehung des Cannstatter Volksfestes mitgewirkt. Wie ist die Idee zu dem Film entstanden?

Ein 200-jähriges Jubiläum ist natürlich der erste Grund, aber das allein rechtfertigt nicht gleich 90 Minuten Film. Doch bei der Recherche wurde sehr schnell klar, dass diese Geschichte so facettenreich ist, dass man 90 Minuten wirklich spannend erzählen kann. Die Zutaten: Ein junges Königspaar mit einer dramatischen Liebesgeschichte.

Eine verheerende Wetter- und Hungerkatastrophe mit einem mysteriösen Hintergrund.

Aus der Krise heraus entstandene Reformen und Institutionen, die bis heute wirken und erfolgreich sind ...

Und das Highlight: Ein Fest, gegründet um Hoffnung zu geben, mit einer faszinierenden Entwicklung bis in die Gegenwart.

Das alles war eine sehr dankbare historische Fundgrube, in der ich als Drehbuchautorin – vor allem auch Dank der Experten – aus dem Vollen schöpfen konnte.

Was hat Sie während Ihrer Arbeit an der Produktion am meisten beeindruckt?

Sehr beeindruckend war für mich die große Lust des Hauses Württembergs, der Experten, der Schauspieler und Statisten und des gesamten Filmteams, die Geschichte des Volksfestes zu erzählen und die Historie dahinter spürbar zu machen.

Egal, ob stundenlange Interviews oder stundenlange Drehs bei Eiseskälte, Hitze oder anderen widrigen Bedingungen, alle waren von Anfang bis zum Ende mit Herzblut und Engagement dabei.

Was macht das Cannstatter Volksfest so besonders?

Das Cannstatter Volksfest lebt sicher von dieser packenden Geschichte: Ein Fest, vor 200 Jahren aus tiefster Not geboren und heute so erfolgreich, dass es Millionen aus aller Welt fasziniert – das gehört sicher mit zum Erfolgsrezept. Auch wenn die Historie vielen gar nicht bewusst ist, so sind es doch die Wurzeln und es schwingt sicher auch heute noch dieser Stolz mit.

Das Fest hat dann auch schwierige Zeiten, wie den 1. und 2. Weltkrieg überdauert, vielleicht ja sogar deshalb, weil es im Kern immer auch ein Zeichen der Hoffnung geblieben ist.

Und der heutige Pluspunkt sind sicher sämtliche Schausteller, die ihre visionären Ideen unbeirrt durch alle Zeiten vorangetrieben haben, um dem Bedürfnis nach Unterhaltung und Ablenkung der Menschen nachzukommen und sie mit ihren unglaublichen Einfällen jährlich immer wieder neu zu überraschen.

Eine letzte Frage zum Schluss: Was ist Ihre persönliche Lieblingserinnerung, wenn Sie an Volksfeste denken?

Ich liebe sämtliche Fahrgeschäfte, seit ich denken kann. Begonnen mit kleinen Karussells war es mit dem Erwachsenwerden immer ein sportlicher Ehrgeiz von mir, das nächst größere, aufregendere Fahrgeschäft zu „schaffen“.

Als bekennender Geschwindigkeitsjunkie liebe ich das Hochgefühl, durch die Luft geschleudert zu werden, den Geruch von gebrannten Mandeln in der Nase, die frechen Sprüche der Schausteller und die kirmestypische Musik, die ich mir im Alltag niemals anhören würde, aber in diesem Moment genial finde.

Frau Stegmann, vielen Dank für das Interview!