Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Bewegender 70. Jubiläumsdelegiertentag in Essen

Feierliche Großkundgebung mit über 2.200 Gästen und weit mehr als 140 Fahnendelegationen

 

Zum großen Schaustellerjubiläum kamen Schausteller aus ganz Deutschland in der Messe Essen zusammen und feierten unter dem Motto „Einigkeit macht stark“ den 70. Jubiläumsdelegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes e.V., das 100-jährige Bestehen des Schaustellerverbandes Essen/Ruhrgebiet von 1919 e.V., das 65-jährige Jubiläum der Europäischen Schausteller-Union von 1954 und das 40-jährige Bestehen der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände NRW im DSB.

Allein zur Großkundgebung in der Essener Grugahalle, die eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit leistete, kamen zahlreiche Schausteller sowie hunderte namhafte Entscheidungsträger der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik zusammen. Darunter befanden sich auch 48 Bürgermeister aus ganz Deutschland und Vertreter verschiedener Institutionen, die für Volksfeste und Weihnachtsmärkte von Bedeutung sind. Die Großkundgebung lieferte den Entscheidern wichtige Argumente zum Erhalt der Volksfeste und Weihnachtsmärkte in Deutschland. DSB-Präsident Albert Ritter forderte die anwesenden Politiker während der Großkundgebung dazu auf, die Schausteller in ihrem im Kampf für bessere Rahmenbedingungen für ihr Gewerbe zu unterstützen.

Höhepunkt des Delegiertentages war auch in diesem Jahr die Großkundgebung des DSB, die mit weit über 140 Fahnendelegationen den Zusammenhalt der großen Schaustellerfamilie eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Im Anschluss sangen alle Teilnehmer die deutsche Nationalhymne, um die Grundwerte der Demokratie und der Gewerbefreiheit zu würdigen.

Die traditionelle Andacht mit Totenehrung erfolgte durch die Schaustellerseelsorger Torsten Heinrich und Sascha Ellinghaus. Die Seelsorger gedachten gemeinsam mit den Schaustellern aus ganz Deutschland und den Gästen der Großkundgebung all jener Kollegen und Freunde, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind und spendeten allen Anwesenden den Saisonsegen.

Zu den prominenten politischen Rednern der Kundgebung zählten neben dem Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil (SPD), die Vizepräsidentin des Landtages von NRW Carina Gödecke (SPD), die SPD-Vorsitzende und Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Andrea Nahles, der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (CDU) Karl-Josef Laumann sowie der Oberbürgermeister der Stadt Essen Thomas Kufen (CDU). Mit den zwei amtierenden Arbeitsministern sowie einer Arbeitsministerin a.D. wurde insbesondere die aktuelle Problematik der Arbeitskräftesituation im Schaustellergewerbe thematisiert.

DSB-Präsident Albert Ritter forderte die anwesenden Politiker dazu auf, die Schausteller bei ihren drängenden Problemen zu unterstützen. Dabei ging er insbesondere auf den Arbeitskräftemangel ein: „Ohne Arbeitskräfte kann sich kein Karussell mehr drehen. Es darf nicht sein, dass das Lachen der Kinder auf den Volksfestplätzen zukünftig versiegt, weil die allseits beliebten Fahr- und Kirmesgeschäfte nicht mehr von einem Ort zum anderen bewegt und betrieben werden können“, appellierte Ritter während der Kundgebung. Zu den Vorschlägen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales führte Ritter aus, dass gerade Schausteller in ihrem Gewerbe ihren Mitarbeitern ohne jegliche Ressentiments gegenübertreten und sie offen empfangen. Es sei für Schausteller daher eine Selbstverständlichkeit, Langzeitarbeitslose und Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Um dies praktisch umsetzen zu können, müssten allerdings unbürokratische Lösungen geschaffen werden. Hier nannte er das Beispiel der Westbalkanlösung und betonte, dass es für die berufliche Praxis der Schausteller völlig realitätsfern sei, wenn für die Bearbeitung eines Visums ein ganzes Jahr vergehe.

Weiterhin rief er die anwesenden Politiker dazu auf, die Schausteller endlich aus dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz herauszulösen. Diese Gesetzesanpassung sei längst überfällig und führe zusammen mit anderen Themen, wie bspw. der unangemeldeten Kassennachschau dazu, dass die Schausteller sich einem unbegründeten Generalverdacht ausgesetzt fühlten. Es gelte daher, diese bürokratischen Hürden gemeinsam zu überdenken und abzuschaffen.

Mit Blick auf mögliche drohende Dieselfahrverbote mahnte Ritter an, dass im Falle gesetzlicher Fahrverbote dringend Ausnahmeregelungen für Schausteller geschaffen werden müssten, da diese mit ihren Zugmaschinen zum Auf- und Abbau ihrer Geschäfte gezwungenermaßen in die Innenstädte einfahren müssen. Darüber hinaus stehen die Fahrzeuge der Schausteller wesentlich länger, als dass sie fahren. Für die Emission und den Feinstaub sei aber die Fahrleistung und nicht in erster Linie das Baujahr entscheidend, was ein weiteres Argument für Ausnahmeregelungen für das Gewerbe sei.

Die SPD-Vorsitzende und Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Andrea Nahles erklärte in ihrer Rede zunächst, dass es spätestens seit dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz traurige Gewissheit sei, dass der Terrorismus nicht vor deutschen Türen Halt mache. Hinsichtlich der für die Abwehr von Terrorakten entstehenden Kosten gehe es hier für Schausteller dann ums Eingemachte. Ihr Verständnis sei, dass es eine zentrale Aufgabe des Staates ist, die Sicherheit auf Volksfesten nicht nur sicherzustellen, sondern sie eben auch zu finanzieren. Der Staat müsse seine Bürger vor Terror  schützen, Sicherheit dürfe nicht privatisiert werden. Sie versprach daher, das Thema noch einmal eindringlich mit Bundesinnenminister Horst Seehofer zu besprechen. 

Zum Thema Arbeitskräftemangel unterstrich Nahles die Worte von Präsident Ritter: „Schausteller haben schon immer jenen eine Chance auf einen Arbeitsplatz gegeben, die woanders keine mehr bekommen haben“, so die Vorsitzende. Die Mitarbeiter seien auch  häufig Teil der Schaustellerfamilien geworden. Die aktuelle Entwicklung überbordender Bürokratie bestürze sie daher sehr, weshalb sie sich dringend für die Überarbeitung der Wohnsitzauflage einsetzen werde und bei einer Reform insbesondere die Interessen der Schausteller aufgrund ihrer besonderen Stellung mit einbringen wolle.

Zum Abschluss merkte sie an, dass es in ihrem Fotoalbum ohne Volksfeste viele Lücken gäbe und sie diese Erinnerungen nicht missen möchte. Es sei ihr daher ein persönliches Anliegen, auch in Zukunft an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Gewerbe festzuhalten.

Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil dankte den Schaustellern zum Einstieg seiner Rede herzlich für ihre Arbeit: „Das Kulturgut Volksfeste, für das Schausteller stehen, ist etwas, was mehr zum Zusammenhalt unserer bunter werdenden Gesellschaft beiträgt, als so manche Sonntagsrede über Integration in unserem Land“, betonte Heil. Es sei für ihn daher selbstverständlich, an der Seite der Schausteller zu stehen und er wisse, dass es bspw. im Bereich des Arbeitszeitgesetzes Möglichkeiten geben müsse, um dies für Schausteller flexibler zu handhaben. Durch die besonderen Gegebenheiten der Branche könne man nicht starr nach Schema F verfahren, da es sonst nicht in der Realität ankomme. Der Bundesminister zeigte sich daher dankbar dafür, dass von Seiten des DSB stets nicht nur praktische Forderungen, sondern immer auch konstruktive Lösungsvorschläge eingebracht werden. Zu dem drängenden Thema des Arbeitskräftemangels hob Heil hervor, dass dieses Problem für die Schausteller nicht nur eine Wachstumsbremse sei, sondern die Geschäfte auch kaputt machen könne. Sein Ministerium möchte den Schaustellern daher ein Instrument an die Hand geben, um Langzeitarbeitslose wieder zu aktivieren: Seit Januar bestehe die Möglichkeit, mit öffentlichen Geldern in Form von bis zu 100 % igen Lohnkostenzuschüssen längerfristige Perspektiven für diese Menschen mit zu schaffen. Darüber hinaus müssten spezifische Saisonregelungen geschaffen werden. Es freue ihn daher sehr, dass die 70-Tage Regelung nun nicht nur verlängert werden könne, sondern unbefristet gelte. Zum Abschluss seiner Rede betonte Bundesminister Heil, dass er und sein Ministerium auch zukünftig gerne Ansprechpartner in sicherheits- und arbeitsmarktpolitischen Fragen, für die Schausteller sind.

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen schloss sich diesen Worten an und hob hervor, dass die Schausteller einem Menschenschlag angehören, der seit jeher für Zuverlässigkeit steht. Zudem dankte er den Schaustellern für ihre wertvolle Arbeit: „Herzlichen Dank für die vielen tollen Gelegenheiten in den Städten und Gemeinden Deutschlands und in ganz Europa, dass Sie da sind, dass Sie Freude bringen, dass Sie aber auch für Sicherheit und Zuverlässigkeit sorgen“, unterstrich der Oberbürgermeister. Es ist ihm in seiner Funktion daher sehr wichtig, sich mit aller Kraft gegen mögliche Dieselfahrverbote in seiner Stadt und Region zu stemmen.

Mit Blick auf das Thema Sicherheit betonte Oberbürgermeister Kufen, dass in Deutschland auch in Zukunft garantiert werden müsse, dass man sich die Freiheit herausnimmt, die Volksfeste und Weihnachtsmärkte genauso offen zu feiern wie bisher, ohne sich einschüchtern zu lassen. Würden diese Feste künftig verändert oder gar abgesagt werden, hätten jene gewonnen, die unsere Werte ablehnen.

Die Vizepräsidentin des Landtages von NRW Carina Gödecke hob in ihrem Grußwort hervor, dass Schausteller in den vergangenen Jahren vor der großen Herausforderung stehen, sich dem gewandelten Freizeitverhalten der Menschen anzupassen, was sie mit bemerkenswertem unternehmerischen Innovationsgeist tun. Dies aber stets, ohne ihre Grundüberzeugung zu verlieren, dass Menschen Orte der echten Begegnung brauchen. Volksfeste würden also in Zukunft mehr denn je von dem tatsächlichen, analogen Erlebnis leben und mit ihrer immer wiederkehrenden Beständigkeit Ankerpunkte bieten.

Der Landesarbeitsminister Nordrhein-Westfalens Karl-Josef Laumann hielt in Vertretung für den Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet anschließend die Laudatio auf die diesjährige Preisträgerin des Goldenen Karussellpferdes, die Geschäftsführende Gesellschafterin der Warsteiner Brauerei Haus Cramer KG Catharina Cramer. Der Arbeitsminister unterstrich in seiner Rede, dass er den Schaustellern jederzeit praktisch zur Seite stehen wird, wenn sie geflüchtete Menschen in ihren Betrieben beschäftigen möchten.

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