Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Anschreiben an die BILD-Zeitung – Ihre Fotoauswahl im Zusammenhang mit dem heute auf Bild.de erschienenen Artikel: „Ein Bundesland wieder bei 10er-Inzidenz“

Sehr geehrte Damen und Herren,

der deutsche Schaustellerbund e.V. ist Ihnen wohlbekannt – zahlreiche Artikel und Interviews Ihres Blattes thematisieren (dankenswerterweise) regelmäßig die Auswirkungen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen für die Branche der deutschen Schausteller.

Umso irritierter sind wir (und unsere Mitglieder) über Ihre heutige Fotoauswahl im Zusammenhang mit dem auf Bild.de veröffentlichten Artikel mit der Überschrift „Ein Bundesland wieder bei 10er-Inzidenz“.

Auf einem von der DPA zur Verfügung gestellten Foto, das einen unserer temporären Freizeitparks in Niedersachsen zeigt, sind ein Kettenkarussell, ein Riesenrad und andere volksfesttypische Attraktionen zu sehen.

Soweit so gut.

Das mitten auf diesem Foto aber in großen Lettern von 219 Neuinfektionen und acht Toten die Rede ist, können wir nicht nachvollziehen.

Welche Assoziationen mit dieser Darstellung bei Ihren Lesern (und unseren Besuchern!) entstehen, brauchen wir Ihnen sicher nicht wortreich erklären: Die Durchführung solcher Veranstaltungen wird in Verbindung gebracht mit steigenden Infektionszahlen und sogar mit Todesfällen!

Diese Darstellung können wir nicht unkommentiert lassen:

Die deutschen Schausteller unterliegen seit März des vergangenen Jahres einem faktischen Berufsverbot und konnten ihre letzten Einnahmen auf den Herbstfesten und Weihnachtsmärkten 2019 erzielen.

Anstatt zu verzagen, hat die Branche bereits im letzten Jahr Konzepte für Alternativveranstaltungen erarbeitet – analog zu stationären Freizeitparks, finden diese temporären Parks auf einem eingezäunten Gelände mit einer festgelegten maximalen Besucherzahl statt.

Wir haben überzeugende Hygienekonzepte erarbeitet, die beispielhaft sind. Diese Konzepte liegen allen Kommunen Deutschlands vor und haben ihre Leistungsfähigkeit in steter Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden vor Ort längst bewiesen.

Die Veranstaltung dieser Parks erfolgt unter den wachsamen Augen der Ordnungs- und Gesundheitsämter und nicht ohne Stolz dürfen wir berichten, dass es hier nicht einen einzigen Infektionsfall gegeben hat.

Wir bitten Sie um Erläuterung, warum Sie das beschriebene Foto ausgerechnet in diesem Kontext dargestellt haben, der aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt ist.

Ein ebenso heute veröffentlichter Artikel zur Entwicklung des Infektionsgeschehens bei Ihren Kollegen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigt uns in unserer Wahrnehmung. Dort wurde dasselbe Foto verwendet, dieselben Zahlen – der Kontext stellt sich jedoch völlig anders dar: die Infektionszahlen sinken!

Veranstaltungen wie die unsrigen ­sind – wenn auch unter Corona-Bedingungen – überhaupt nur deshalb in geringem Maße wieder möglich!

Gerne würden wir Sie einmal in Ihrer Redaktion besuchen, um uns mit Ihnen über die besondere Problematik für die Schaustellerbranche im Zusammenhang mit der Corona-Krise auszutauschen.

Ihrer Rückmeldung entgegensehend verbleiben wir einstweilen

mit freundlichen Grüßen!

Für das Präsidium

Albert Ritter

Präsident