Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




186. Hauptvorstandssitzung in Berlin

Berlin war der diesjährige Veranstaltungsort der seit 1950 mittlerweile 186. Hauptvorstandssitzung des Deutschen Schaustellerbundes. Neben dem jährlichen Delegiertentag ist die Hauptvorstandssitzung das zweithöchste beschlussfassende Gremium im Deutschen Schaustellerbund. Am 17. Juni 2021 tagten die Vorsitzenden der DSB-Mitgliedsverbände in der Bundeshauptstadt.

Pünktlich um elf Uhr eröffnete DSB-Präsident Albert Ritter die Sitzung im zentral gelegenen NH Hotel Berlin Friedrichstraße – in direkter Nachbarschaft zur DSB-Hauptgeschäftsstelle. Das Schwerpunktthema der Sitzung waren auch in diesem Jahr die dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise auf das Schaustellergewerbe.

DSB-Präsident Albert Ritter erinnerte eingangs an die Bedeutung des zwischenzeitlich fast vergessenen besonderen Datums der Versammlung: den 17. Juni, dem früheren Tag der Deutschen Einheit und den Gedenktag an den ersten antistalinistischen Aufstand der DDR-Bürger gegen das Regime im Jahr 1953, der von der Sowjetarmee gewaltsam niedergeschlagen wurde. Er knüpfte an, dass auch Corona die Schausteller zwar schwer gebeutelt – aber nicht in die Knie gezwungen habe.

Die aktuelle Lage gäbe nun Hoffnung: An mehreren Orten würden sich die Öffnungsszenarien bei stabilen Inzidenzzahlen positiv abzeichnen, in ganz Deutschland seien Einzelaufstellungen oder temporäre Freizeitparks geplant, sofern Volksfeste unter Corona-Bedingungen in jenen Ländern noch nicht wieder möglich sind. Präsident Ritter erläuterte den Anwesenden, dass mit Blick auf die Arbeit des DSB seit Beginn der Pandemie eine erfolgreiche Bilanz gezogen werden könne. Die staatlichen Hilfen seien, so Ritter, nicht vom Himmel gefallen, sondern beruhten auf der Beharrlichkeit, mit der der DSB und die einzelnen Verbände vor Ort in den vergangenen Monaten der Politik immer wieder die Existenzbedrohung des Gewerbes vor Augen geführt haben.

Gerade in dieser historischen Krise habe sich erneut gezeigt, dass der DSB die starke Gemeinschaft ist. Genau wie das Ehrenamt, war auch das Hauptamt im wahrsten Sinne des Wortes Tag und Nacht im Einsatz, so Ritter. Er dankte insbesondere „unserem Mann“ in Berlin, Frank Hakelberg, und den Mitarbeiterinnen der Hauptgeschäftsstelle herzlich für ihr Engagement.

Die Sitzung wurde im weiteren Verlauf dazu genutzt, um in aller Offenheit über die derzeitigen Probleme, die mit der Corona-Pandemie einhergehen, sowie Lösungsansätze zu diskutieren, aber auch, um die Vorsitzenden über die derzeitigen Maßnahmen und Tätigkeiten des DSB tagesaktuell zu informieren.

Nicht selbstverständlich für eine Verbandssitzung, von denen in Berlin täglich Dutzende stattfinden, war der Besuch des Staatssekretärs im Bundesministerium der Finanzen Werner Gatzer.

Er stand den Vorsitzenden zu den aktuellen Entwicklungen Rede und Antwort und betonte zu Beginn, dass die Schausteller mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag leisten, um den Menschen Freude zu bereiten. Damit dies auch in Zukunft möglich ist, wurden von Seiten des Finanzministeriums laut Gatzer zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Zwar gab es auf diesem Weg einige Stolpersteine, nicht zuletzt, da die Situation für alle vollkommen neu und überraschend war, dennoch habe die Regierung schnell Hilfe geleistet und jederzeit versucht, die Überbrückungshilfen so zielgerichtet wie möglich zu gestalten.

Mit Blick auf die Problematik der „Verbundunternehmen“ sagte Gatzer zu, den Sachverhalt nochmals zu prüfen und die bestehenden FAQ’s entsprechend zu durchleuchten, um anschließend konkret festzulegen, welche Unternehmen tatsächlich unter die Regelungen fallen und welche davon ausgenommen sind.

DSB-Präsident Ritter zeigte sich im Anschluss an die Ausführungen Gatzers dankbar dafür, dass der Staatssekretär seit Beginn der Pandemie stets ein offenes Ohr für die existenzbedrohenden Probleme der Schausteller hatte und ihnen mit den Maßnahmen seines Ministeriums pragmatisch unter die Arme gegriffen hat. Zugleich appellierte er eindringlich über den Staatssekretär an die Bundesregierung, darauf einzuwirken, die Öffnungsperspektiven für die Schausteller endlich zu verbessern und die Ungleichbehandlung im Gegensatz zu anderen Gewerbezweigen endlich zu beenden. Darüber hinaus müssen die finanziellen Hilfen auch über das Ende der Überbrückungshilfe III Plus (nach ggw. Stand: Ende September) fortgeführt werden, da bereits jetzt Feste abgesagt wurden, die nach diesem Zeitraum stattfinden würden und der Ausgang der Pandemie mit dem Auftreten der Delta-Variante noch immer völlig ungewiss ist.

Zu den Arbeitsschwerpunkten des DSB im Einzelnen

Im Anschluss an den Bericht des Präsidenten stellte Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg die aktuellen Arbeitsschwerpunkte des DSB mit besonderem Fokus auf die Corona-Krise vor. Nach einem kurzen chronologischen Abriss mit Blick auf die Auswirkungen auf das Schaustellergewerbe und die Tätigkeiten des DSB seit Anfang März 2020 erläuterte er die vier Schwerpunktsäulen der Arbeit des DSB in der Krise: der Kampf um den Erhalt der traditionellen Veranstaltungen, die Einforderung staatlicher Hilfe, insbesondere mit Blick auf das Überbrückungshilfe-Programm, neue Wege und Konzepte für Sonderveranstaltungen als temporärer Ersatz traditioneller Feste als Alternativlösungen sowie die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Neben Corona waren u.a. VEMAGS, die Befreiung vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot, die Nachrüstung von Schwertransporten mit Achslastmessgeräten und neue Gesetze für Verpackungen bestimmende Themen.

Berufsfragen

Vizepräsident Thomas Meyer ergänzte die Ausführungen des Hauptgeschäftsführers und erläuterte den Anwesenden zunächst, dass bereits zu Beginn der Corona-Pandemie beschlossen wurde, die Bundesfachberater auf einer weiteren Ebene, über ihre speziellen Fachthemen hinaus, mit einzubinden und gemeinsam mit dem Präsidium eine Krisen-Task-Force zu bilden, die sich seit Beginn der Corona-Krise in regelmäßigen Abständen austauscht.

Er dankte den Bundesfachberatern für ihre engagierte und konstruktive Arbeit, insbesondere mit Blick auf die Ausarbeitung des Hygienekonzeptes.

Vizepräsident Meyer stellte zudem die „DSB-Zugmaschinenfibel“ vor, eine kompakte Broschüre für das Handschuhfach, die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Schaustellertransporten liefert. Die Fibel ist für Mitglieder des DSB ab sofort kostenfrei in der Hauptgeschäftsstelle erhältlich.

Organisationsfragen

DSB-Vizepräsident für Organisationsfragen Lorenz Kalb berichtete gemeinsam mit dem Ersten Vorsitzenden des Schaustellerverbandes Kassel-Göttingen e.V. Konrad Ruppert zu den laufenden Vorbereitungen des 72. Delegiertentages vom 21. bis zum 23. Januar 2022 in Kassel unter dem Motto „Ab in die Mitte“. Konrad Ruppert lud nochmals alle Schausteller herzlich nach Kassel ein.

Die finanzielle Planung des Delegiertentages stellt sich Corona-bedingt nach wie vor als äußerst schwierig dar. Dem Schaustellerverband Kassel-Göttingen e.V. wird daher von Seiten des DSB die nötige Hilfe und Unterstützung in dieser Angelegenheit zugesichert.
Anschließend gab Vizepräsident Kalb die Antragsfristen bekannt (Anträge, die bis zum 6. Januar 2022 bei der Hauptgeschäftsstelle eingehen, werden schriftlich zum Versand gebracht; Anträge die bis zum 13. Januar 2022 bei der Hauptgeschäftsstelle eingehen, werden schriftlich beim Delegiertentag vorgelegt; Anträge, die danach eingehen, werden als Dringlichkeitsanträge behandelt).

Die Hauptvorstandssitzung im Jahr 2022 wird erneut im Sommer abgehalten, der genaue Termin der Versammlung wird rechtzeitig im Vorfeld bekanntgegeben.

Marketing

DSB-Vizepräsident für Marketing Kevin Kratzsch stellte die Arbeitsergebnisse seines Ressorts in der Corona-Krise vor. Zu Beginn der Krise wurde der Fokus der Arbeit darauf gelegt, auf breiter Ebene in den Medien stattzufinden, um der Bevölkerung die dramatische Situation des Gewerbes aufzuzeigen und zusätzlich zu den bilateralen Gesprächen für Unterstützung bei der Politik zu sorgen. Um kontinuierlich die gleichen Aussagen in den Medien zu platzieren, wurden laufend Presseleitfäden an die Mitgliedsverbände verschickt und mit diesen die Kompetenzen des DSB gebündelt. So war es möglich, deutschlandweit mit einer Stimme zu sprechen und seit März 2020 permanent in den Medien stattzufinden. Aus all den gebündelten Maßnahmen habe sich zudem schließlich von ganz alleine eine Imagekampagne ergeben.

Aktuell liegt der Schwerpunkt darauf, breitenwirksam zu unterstreichen, dass auch die Schausteller in der Öffnungsstrategie der Bundesregierung einen festen Platz haben müssen.

Vizepräsident Kratzsch erläuterte das Zusammenwirken des DSB mit der #AlarmstufeRot, um die Schausteller auch als Teil der Veranstaltungsbranche mit ihrer erheblichen Wirtschaftskraft zu präsentieren. Des Weiteren stellte er einen neuen Corona-Imagefilm vor, der für das Marketing vor Ort und die Sozialen Medien genutzt werden kann. Der Film ist u.a. im YouTube-Kanal des DSB abrufbar: http://url.dsbev.de/51 und kann bei Bedarf auch zum Download in der Hauptgeschäftsstelle angefordert werden.

Er wies abschließend darauf hin, dass die Arbeit im Ressort Marketing nicht nur durch die Hilfe der Vorsitzenden erfolgreich war, sondern auch Julius Kritz mit seiner grafischen Unterstützung sowie Ralf Clauß und Sarah Diekmann mit ihrer Expertise im Bewegtbildbereich daran einen wesentlichen Anteil haben.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Seit März 2020 berichten die Medien kontinuierlich über die Krisensituation des Schaustellergewerbes. In weit mehr als 3.300 Beiträgen wurde in über 300 überregionalen und lokalen Medien täglich flächendeckend über die existenzbedrohende Situation im Schaustellergewerbe informiert. Über 250 Medien berichteten mehrfach in diversen Formaten. Dazu zählen die Tagesschau, die Tagesthemen, das heute-journal, RTL Aktuell, die FAZ, die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt, n-tv, die Welt, die Bild, der Deutschlandfunk u.v.a.m. Dabei hatten das Präsidium, die Ersten Vorsitzenden und viele Schausteller Gelegenheit, ihre Lage in mehreren Fernsehbeiträgen darzustellen, wie z.B. bei ZDF heute, der ZDF Drehscheibe Deutschland, der Deutschen Welle, dem Sat.1 Frühstücksfernsehen, ARD Brisant, dem RTL Nachtjournal, NDR DAS!, der MDR Umschau u.a.

Aber auch die kontinuierliche wichtige Arbeit in den Fachzeitschriften wurde in der ganzen Zeit nie außer Acht gelassen und bildet weiter das Informations-Grundgerüst zur Arbeit des DSB und Fachthemen für die Schausteller in Deutschland.

Finanzen

DSB-Vizepräsident für Finanzen Edmund Radlinger informierte über die Finanzlage des DSB und erklärte, dass der Etat für das laufende Jahr trotz der derzeitig angespannten Lage bisher eingehalten werden konnte.
Vizepräsident Radlinger betonte am Ende seines Vortrages, dass der DSB auch weiterhin alle finanziellen Mittel einsetzen wird, die erforderlich sind, um den Berufsstand wieder nach vorne zu bringen. 

Zum Abschluss der 186. Hauptvorstandssitzung bedankte Präsident Ritter sich bei den Anwesenden für die starke Teilnahme und die fairen und demokratischen Diskussionen während der Sitzung in dieser historischen Krisensituation. Der gemeinschaftliche Kampf zur Zukunftssicherung des Schaustellergewerbes geht unvermindert weiter.

Vergabe zukünftiger Hauptvorstandssitzungen (HV)

Ab 2020: Deutscher Schaustellerbund e.V.

Die genauen Termine ab 2022 werden noch bekannt gegeben.

Impressionen der 186. Hauptvorstandssitzung finden Sie hier.