Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




185. Hauptvorstandssitzung in Berlin

Die Bundeshauptstadt war diesjähriger Veranstaltungsort der seit 1950 mittlerweile 185. Hauptvorstandssitzung des Deutschen Schaustellerbundes. Neben dem jährlichen Delegiertentag ist die Hauptvorstandssitzung das zweithöchste beschlussfassende Gremium im Deutschen Schaustellerbund. Am 25. Juni 2020 tagten die Vorsitzenden der DSB-Mitgliedsverbände in Berlin.

Pünktlich um elf Uhr eröffnete DSB-Präsident Albert Ritter die 185. Hauptvorstandssitzung im zentral gelegenen Melia Hotel Berlin – in direkter Nachbarschaft zur DSB-Hauptgeschäftsstelle. Das Schwerpunktthema der Sitzung waren natürlich die dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise auf das Schaustellergewerbe.

DSB-Präsident Albert Ritter sagte eingangs, dass sich, als vor zwei Jahren beschlossen wurde, wieder eine Hauptvorstandsitzung im Sommer stattfinden zu lassen, niemand habe vorstellen können, wie passend und dringend dieser Termin einmal sein würde. Ursprünglich wurde der Zeitpunkt gewählt, damit die Tagung nicht mit dem Aufbau der Weihnachtsmärkte kollidiert. Die Sitzung wurde daher nun genutzt, um in aller Offenheit über die derzeitigen Probleme, die mit der Corona-Pandemie einhergehen, sowie Lösungsansätze zu diskutieren, aber auch, um die Vorsitzenden erneut über die derzeitigen Maßnahmen und Tätigkeiten des DSB auf den neuesten Sachstand zu bringen.

Zu Beginn der Veranstaltung begingen die Anwesenden zunächst eine Schweigeminute für den kürzlich verstorbenen langjährigen Protokollführer Ewald Telsemeyer sowie den Vizepräsidenten a.D. des DSB Bruno Schmelter, um ihnen ehrend zu gedenken.

Im Anschluss daran wurde Silke Coutandin-Hausmann, bereits seit Jahren Protokollführerin des Darmstädter Schaustellerverbandes e.V., kommissarisch bis zum kommenden Delegiertentag einstimmig als neue Protokollführerin des DSB gewählt.

Die oberste Forderung des DSB wird nach wie vor die Wiedereröffnung der traditionellen Volksfeste sein. Zudem wird der DSB die Mitglieder vor Ort bei den Genehmigungen zur Durchführung von temporären „Schausteller-Freizeitparks“ unterstützen.
Weiterhin wurde einstimmig beschlossen, zeitnah in Form einer öffentlichen Großkundgebung für die Forderungen der deutschen Schausteller zu demonstrieren (wie bereits am 2. Juli in Berlin geschehen).

Alle anwesenden Mitgliedsverbände haben dem Präsidium und dem Hauptgeschäftsführer ihr absolutes Vertrauen ausgesprochen und die geleistete Arbeit während der Corona-Krise als vorbildlich hervorgehoben.

Zu den Arbeitsschwerpunkten des DSB im Einzelnen

Im Anschluss an den Bericht des Präsidenten stellte Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg die aktuellen Arbeitsschwerpunkte des DSB mit besonderem Fokus auf die Corona-Krise vor. Nach einem kurzen chronologischen Abriss mit Blick auf die Auswirkungen auf das Schaustellergewerbe und die Tätigkeiten des DSB seit Anfang März erläuterte er die vier Schwerpunktsäulen der Arbeit des DSB in der Krise: der Kampf um den Erhalt der traditionellen Veranstaltungen, die Einforderung staatlicher Hilfe, insbesondere mit Blick auf das Überbrückungshilfe-Programm, neue Wege und Konzepte für Sonderveranstaltungen als temporärer Ersatz traditioneller Feste als Alternativlösungen sowie die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Anknüpfend an den letzten Punkt waren der Fachanwalt für Verwaltungsrecht Prof. Dr. Matthias Dombert sowie der Anwalt Dr. Maximilian Dombert aus Potsdam zu Gast, um den anwesenden Vorsitzenden den Status quo des Pilotverfahrens gegen den Freistaat Bayern auf Erteilung einer Ausnahme-Genehmigung für das Unterhachinger Bürgerfest vorzustellen. Diesem Verfahren, das zwischenzeitlich leider verloren ging, weil der DSB sich weigerte, einer hermetischen Abriegelung des modellhaft ausgewählten Festplatzes mit damit einhergehender Zugangskontrolle zuzustimmen, sollen weitere in anderen Bundesländern folgen. Der Hauptvorstand wurde eingeladen, Volksfeste veranstaltende Kommunen zu benennen, die bereit sind, die Corona-Schutzverordnung ihres Bundeslandes gerichtlich überprüfen zu lassen.

Berufsfragen

Die Anwesenden beschlossen, dass das bereits durch das DSB-Präsidium und die Bundesfachberater erstellte Hygieneschutzkonzept zur Öffnung von Volksfesten durch Fachorganisationen zertifiziert werden und besonders auch zur Durchführung der diesjährigen Weihnachtsmärkte genutzt werden soll.

Vizepräsident Thomas Meyer ergänzte die Ausführungen des Hauptgeschäftsführers und verzichtete darüber hinaus zugunsten der aktuell brisanten Themen auf seinen Vortrag zum Thema Berufsfragen z.B. zu den Fliegenden Bauten und wird ihn im Zuge des kommenden Delegiertentages nachholen.

Organisationsfragen

DSB-Vizepräsident für Organisationsfragen Lorenz Kalb berichtete gemeinsam mit dem Ersten Vorsitzenden des Schaustellerverbandes Kassel-Göttingen e.V. Konrad Ruppert zu den laufenden Vorbereitungen des 72. Delegiertentages vom 21. bis zum 23. Januar 2021 in Kassel unter dem Motto „Ab in die Mitte“. Aufgrund der aktuellen Krisensituation bedingt durch die Corona-Pandemie liegen die Vorbereitungen zwangsbedingt brach. Durch die erschwerten Bedingungen kann der Verband Kassel bereits jetzt absehen, dass eine Finanzierung der Veranstaltung nicht mehr aus eigener Kraft gestemmt werden kann.

Nach den derzeitigen Bestimmungen wäre die Durchführung des Delegiertentages zudem aufgrund der momentan erlaubten maximalen Personenanzahl nicht möglich.

Aus diesem Grund beschließen die Anwesenden, dass die Planungen für den Delegiertentag zunächst bis zum 30. September ruhen sollen. Anschließend soll beschlossen werden, ob der Delegiertentag in Kassel um ein Jahr nach hinten verschoben wird, um ihn in gewohnter und angemessener Weise abhalten zu können. Im Januar 2021 würde dann ersatzweise eine reine Arbeitssitzung ohne Rahmenprogramm stattfinden.

In jedem Fall wird dem Schaustellerverband Kassel-Göttingen e.V. von Seiten des DSB die nötige Hilfe und Unterstützung in dieser Angelegenheit zugesichert.

Marketing

DSB-Vizepräsident für Marketing Kevin Kratzsch stellte die Arbeitsergebnisse seines Ressorts in der Corona-Krise vor. Zu Beginn der Krise wurde der Fokus der Arbeit darauf gelegt, auf breiter Ebene in den Medien stattzufinden, um der Bevölkerung die dramatische Situation des Gewerbes aufzuzeigen und zusätzlich zu den bilateralen Gesprächen für Unterstützung bei der Politik zu sorgen. Dazu wurde ein ganzheitliches Konzept entwickelt und eine renommierte PR-Agentur ins Boot geholt, um die Wahrnehmung des DSB in den Medien zu verstärken. Das Konzept fußt auf den fünf folgenden Säulen: der Forderung nach staatlicher Hilfe, den Aktionen Hand in Hand – Schausteller helfen im ganzen Land und #stayhome, der Bedeutung der Schausteller für die Gesellschaft, der Forderung eines Rettungsschirms sowie der Forderung nach Wiederöffnung der Volksfeste. Um kontinuierlich die gleichen Aussagen in den Medien zu platzieren, wurden laufend Presseleitfäden an die Mitgliedsverbände verschickt und mit diesen die Kompetenzen des DSB gebündelt. So war es möglich, deutschlandweit mit einer Stimme zu sprechen und seit März permanent in den Medien stattzufinden. Aus all den gebündelten Maßnahmen habe sich zudem schließlich von ganz alleine eine Imagekampagne ergeben.

Vizepräsident Kratzsch wies abschließend darauf hin, dass diese Arbeit nicht nur durch die Hilfe der Vorsitzenden von großem Erfolg gekrönt war, sondern auch Julius Kritz mit seiner grafischen Unterstützung sowie Ralf Clauß und Sarah Diekmann mit ihrer Expertise im Bewegtbildbereich daran einen wesentlichen Anteil haben. Im Laufe der vergangenen Monate habe sich so eine kleine „Marketingfamilie“ entwickelt, die gemeinsam laufend das Ressort „Marketing“ mitgestaltet und ausbaut.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

DSB-Pressereferentin Nina Göllinger zeigte zunächst einen Pressefilm mit einem Zusammenschnitt der Berichterstattung über das Schaustellergewerbe seit Beginn der Corona-Krise, der noch einmal die enorme mediale Resonanz in den vergangenen Monaten verdeutlichte. In weit mehr als 1.000 Beiträgen wurde sowohl in überregionalen Medien, als auch lokal täglich flächendeckend über die existenzbedrohende Situation im Schaustellergewerbe berichtet. Die Berichterstattung reicht dabei von zahlreichen lokalen Medien in Print und Rundfunk über die überregionalen und bundesweit erscheinenden Medien wie die FAZ, die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, das Handelsblatt, n-tv, die Welt, die Bild, dem Deutschlandfunk u.a. bis hin zu Erwähnungen der Schausteller durch MdB Carsten Linnemann bei Markus Lanz und Bundesminister Olaf Scholz bei Anne Will. Darüber hinaus hatten Präsidium, Erste Vorsitzende und viele Schausteller Gelegenheit, ihre Lage in mehreren Fernsehbeiträgen darzustellen, wie z.B. bei ZDF heute, der ZDF Drehscheibe Deutschland, der Deutschen Welle, dem Sat.1 Frühstücksfernsehen, ARD Brisant, dem RTL Nachtjournal, NDR DAS!, der MDR Umschau u.a.

Finanzen

DSB-Vizepräsident für Finanzen Edmund Radlinger informierte über die Finanzlage des DSB und erklärte, dass in der Corona-Krise festgelegte Geldmittel liquide gemacht wurden, um in der aktuellen Situation weiter finanziell handlungsfähig sein zu können.

Trotz der derzeitig angespannten Lage konnte der Etat für das laufende Jahr bisher zu 95 Prozent eingehalten werden.
Vizepräsident Radlinger betonte am Ende seines Vortrages, dass der DSB auch weiterhin alle finanziellen Mittel einsetzen wird, die erforderlich sind, um den Berufsstand wieder nach vorne zu bringen. 

Zum Abschluss der 185. Hauptvorstandssitzung bedankte Präsident Ritter sich bei den Anwesenden für die zahlreiche Teilnahme und die fairen und demokratischen Diskussionen während der Sitzung in dieser historischen Krisensituation. Der gemeinsame Kampf zur Zukunftssicherung des Schaustellergewerbes geht unvermindert weiter.

Weitere Impressionen der Hauptvorstandssitzung finden Sie in unserer Bildergalerie.