Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




„Wir ziehen alle an einem Strang!“

Stefan Kasper, Leiter der Abteilung „Fliegende Bauten“ beim TÜV SÜD und ständiges Mitglied im „Arbeitskreis Fliegende Bauten", zur DIN EN 13814 und der Sitzung des VdTÜV.

 

Aufruf zur Anmeldung bei den Erstprüfstellen!

 

Nachzügler müssen sich hinten anstellen.

© Deutscher Schaustellerbund e.V.

Die DIN-EN 13814 ist von allen Bundesländern bauaufsichtlich eingeführt worden. Die Betreiber von Fahrgeschäften, deren Ausführungsgenehmigung alle ein bzw. zwei Jahre zur Verlängerung ansteht (ausgenommen Autoscooter), sowie Betreiber von Riesenrädern mit dreijähriger Verlängerungsfrist sind dringend aufgefordert, sich an ihre im Baubuch vermerkte Erstprüfstelle zu wenden. Sie gibt nach detaillierter technischer Durchsicht Auskunft, ob und wenn ja, welche Auflagen die Anlage zur Anpassung an das neue Sicherheitsniveau zu erfüllen hat.

Die verschiedenen TÜV-Organisationen in Deutschland haben Anfang Juli in Stuttgart gemeinsam getagt, um sich auf ein für die Schausteller einheitliches Vorgehen zu verständigen.  Wir sprachen mit Stefan Kasper, Leiter der Abteilung „Fliegende Bauten“ beim TÜV SÜD, über die Ergebnisse dieser zweitägigen Konferenz:

Herr Kasper, war die Sitzung des Verbandes der TÜV e.V. (VdTÜV) erfolgreich?

Es war wichtig, alle Akteure einmal an einem Tisch zu versammeln und die Details der nächsten Monate zu besprechen. Wir ziehen da alle an einem Strang und bemühen uns, die Schausteller gut durch das Prüfverfahren zu begleiten. Alle sind zuversichtlich, dass das für jeden machbar ist – aber die Zeit drängt.

Zentraler Punkt bei der Anpassung der  Anlagen an das neue Sicherheitsniveau ist in den meisten Fällen die geforderte „statische Nachberechnung“. Die Schausteller befürchten hier exorbitante Kosten und ggf. auch Nachrüstpflichten. Was gibt es hier aus Ihrer Sitzung des VdTÜV zu berichten?

Die Betreiber typengleicher Anlagen können sich die Kosten der statischen Nachberechnung teilen. Aus diesem Grunde hat der TÜV SÜD bereits für den Musik-Express von Cosmont und den Playball/ Flipper von HUSS Kombinationsangebote erstellt, gegenwärtig arbeiten wir an Angeboten für den Schunkler von Höpler und Monster (II und III) von Schwarzkopf. Auch unsere Kollegen in den anderen TÜV-Organisationen in Deutschland werden nun für weitere gängige Anlagen Kombinationsangebote erstellen. Wir ergänzen uns. Damit die Erstprüfstellen schnell einen Überblick bekommen, ist jedem Betreiber dringend zu empfehlen, sich mit einer entsprechenden Anfrage umgehend an seine Erstprüfstelle zu wenden.

Werden aus den statischen Nachberechnungen zwingend auch Nachrüstungspflichten resultieren?

Nein, das ist nicht zwingend. Es gilt,  Nachrüstungen bzw. sogenannte „Ertüchtigungen“ im Sinne von Verstärkungen oder ähnlichem zu vermeiden, weil jeder Eingriff in ein solch hochkomplexes System auch immer Folgen und Fernwirkungen hat, die bedacht werden müssen. Insofern favorisieren wir, wenn möglich, z.B. die dynamisch hoch belasteten Teile (z.B. Achsen) dann eins zu eins auszutauschen, wenn sie ihr Lebensalter erreicht haben. Oder – für den Betreiber noch verträglicher – z.B. nur durch Empfehlung  kürzerer Prüfintervalle für noch mehr Sicherheit zu sorgen.

Es gibt häufig Alternativen zur Ertüchtigung (also zur Nachrüstung – Anm. d. Red.), die wir alle ausschöpfen.

Nutzen die Schausteller schon die Kombinationsangebote?

Die Schausteller zweifeln, ob der einzelne mehr zahlen muss, wenn sich nicht alle Adressaten des Angebotes bei uns zurückmelden.

Diesen Zweiflern sei deutlich gesagt, dass wir mit der Arbeit ohnehin erst anfangen, wenn uns eine ausreichende Anzahl von Schaustellern beauftragt.

Insofern fühlen wir uns auch an den Preis selbstverständlich gebunden!

Wir empfehlen jedoch dringend,  nicht länger zu warten, da z.B. die einjährigen Anlagen nächstes Jahr schon den Nachweis führen müssen und wir mit der Arbeit beginnen müssen, um das Pensum zu schaffen.

Was ist mit Nachzüglern?

Nachzüglern werden wir diese Angebote so nicht mehr machen können. Wir prüfen aber gegenwärtig, Gebühren von Nachzüglern dann den verschiedenen Interessentenpools gutzuschreiben.

Soll heißen: Je mehr Auftraggeber es sind, desto günstiger wird es für den einzelnen.

Aber, man muss es so deutlich sagen, Nachzügler werden sich hinten anstellen müssen.

Einige Schausteller erwägen, freie Statiker mit den Nachberechnungen zu beauftragen, wie stehen Sie dazu?

Das ist aus unserer Sicht der richtige Schritt und wird von uns sehr befürwortet. Zu beachten ist aber, dass nicht viele Statiker in Deutschland dieser speziellen Aufgabe gewachsen sind, man muss hier sorgfältig auswählen. Es hat außerdem den Vorteil, dass Anpassungen und Ertüchtigungen gleich mit durchgeführt werden können und wir als Erstprüfstelle die uns vorgelegten Berechnungen dann nur noch überprüfen müssen. Das reduziert bei uns natürlich die  Kosten.

Über wie viel Geld sprechen wir?

Das kann ich nicht beziffern, es kommt ganz auf die Qualität des vorgelegten Gutachtens an.

Wenn eine statische Nachberechnung für einen bestimmten Anlagentyp erstellt wurde, können andere, die gar nicht Auftraggeber sind, dies dann auch nutzen?

Nein, da ist es wie bei der Baugenehmigung für ein Haus: Es wird eine spezielle Statik für dieses eine konkrete Objekt erstellt und auch so bezeichnet. Die für die Ausführungsgenehmigung zuständigen Stellen prüfen das genau. Das läuft praktisch so wie damals mit der Sonderprüfung.

Viele Schausteller befürchten, dass aus der statischen Nachberechnung, für die sie ja auch schon zahlen müssen, Nachrüstpflichten entstehen, die für sie gar nicht mehr finanzierbar sind. Was ist dazu zu sagen?

Die statische Nachberechnung ist für die Beurteilung, ob und wenn ja, welche Auflagen zu erfüllen sind, unvermeidbar – und bereitet natürlich auch Kosten. Das ist im Prinzip nichts anderes als unsere Dienstleistung, wenn Schausteller Anlagen nach Deutschland importieren wollen, und uns vorher um Rat fragen.

Doch wie gesagt: Die Erstprüfstellen haben sich darauf verständigt, alle Möglichkeiten zu nutzen, um technische Änderungen an den Anlagen gering zu halten.

Was raten Sie den Schaustellern?

Melden Sie sich umgehend bei Ihren Erstprüfstellen. Die Übergangsfristen laufen bereits und die Landesbaubehörden werden keine Kulanz walten lassen, wenn die Anlagen zur Überprüfung anstehen, aber noch nicht einmal technisch durchgesehen wurden. Dann droht einzelnen tatsächlich die Stilllegung.

Für weitere Informationen wenden Sie sich an Herrn Stefan Kasper, TÜV SÜD Industrie Service GmbH, Tel.: 089 5791-1943, E-Mail: stefan.kasper@tuev-sued.de.