Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




„Wir können sehr stolz auf die jahrhundertelange Tradition unserer Volksfeste sein“

DSB-Interview mit Peter Joppa über die Beecker Kirmes

unten: Publikumsliebling Beecker Kirmes

Fotos: FrischeKontor Duisburg GmbH

Deutschland ist das Volksfestland Nummer eins in der Welt. Und jedes der rund 10.000 Feste hat seine eigene Tradition und Faszination. Auf stolze 475 Jahre blickt die Beecker Kirmes in diesem Jahr zurück. Im DSB-Interview berichtet Peter Joppa (Foto), Geschäftsführer des Veranstalters FrischeKontor Duisburg, über Bilanzen, Begeisterung und Bedeutung der Traditionskirmes.

 

Die Beecker Kirmes feierte in diesem Jahr 475. Jubiläum. Wie sieht die Bilanz der Geburtstagskirmes aus?

Die beteiligten Schausteller und wir vom FrischeKontor als Veranstalter waren in diesem Jahr mit der Beecker Kirmes sehr zufrieden. Wir sind auf dem Weg, der ältesten Duisburger Traditionsveranstaltung wieder den Stellenwert im westlichen Ruhrgebiet an der Schnittstelle zum Niederrhein zu geben, der ihr gebührt. Dafür sind natürlich besondere Ereignisse wie große Jubiläen sehr gut geeignet, um mit einem guten Marketingkonzept und einem attraktiven Besatz wieder möglichst viele Interessierte zu einem Besuch auf der Beecker Kirmes zu animieren. Wir haben in diesem Jahr viele begeisterte Stimmen gehört und uns gefreut, dass das Jubiläumskonzept aufgegangen ist.

 

Die Beecker Kirmes blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Wo liegen ihre Wurzeln?

Als die Kirmes entstand, hat Beeck wie viele andere Duisburger Stadtteile selbstverständlich eine jährlich stattfindende Kirchmess gehabt. Ziemlich sicher ist die Beecker Kirmes schon älter als 475 Jahre, aber im Jahre 1539 ist sie erstmals bei einem Gerichtsprozess urkundlich erwähnt worden. Ursprünglich hat sie nur auf dem Marktplatz und in den angrenzenden Straßen stattgefunden, seit vielen Jahren ist sie aber so groß, dass ein zusätzliches Festgelände in der Beeckbachniederung mit in Anspruch genommen wird.

 

"Wo Jahrmarkt ist, ist pures Leben", hat einmal ein griechischer Philosoph geschrieben. Was bedeutet die Beecker Kirmes für die Bürger und auswärtigen Gäste?

Die Beecker Bevölkerung liebt ihre Kirmes und freut sich in jedem Jahr aufs Neue über das festliche Treiben. Es ist sehr schön, zu erleben, dass die Kirmes generationsübergreifend vom Kindergartenkind bis zu den Großeltern noch alle Altersgruppen begeistern kann. Allerdings kann ein Volksfest in der Größenordnung der Beecker Kirmes nicht nur von den Besucherinnen und Besuchern aus dem Stadtteil leben sondern muss in einem größeren Einzugsbereich auch auswärtige Gäste binden. Dafür muss heute vom Veranstalter ein enormer Marketingaufwand betrieben werden, der von Großflächenplakaten und Anzeigenschaltungen über die Radiowerbung bis zu den modernen Medien mit eigener Internetpräsenz und Facebookauftritt geht. Nur so können wir auch die jungen Zielgruppen erreichen, um sie weiter an die Kirmes zu binden.

 

Stichwort: Volksfest als Wirtschaftsfaktor. Welche Rolle spielt die Beecker Kirmes für die Wirtschaft und den Tourismus in der Region?

Ein Volksfest in der Größenordnung der Beecker Kirmes mit hohen sechsstelligen Besucherzahlen bindet erhebliche Umsätze in Duisburg. Aus diesem Grund unterstützt die Stadt Duisburg und insbesondere Oberbürgermeister Sören Link die Bemühungen, die Kirmes auch infrastrukturell wettbewerbsfähig zu erhalten. Die Zusammenarbeit zwischen dem FrischeKontor als Veranstalter, dem Stadtmarketing, der Hotellerie und den örtlichen Verkehrsbetrieben zielt zusätzlich auch auf die Förderung des Tourismus und die Gewinnung nicht nur von Tages- sondern auch von Übernachtungsgästen.

 

Der Deutsche Schaustellerbund bewirbt sich aktuell um die "Anerkennung der gelebten Volksfestkultur in Deutschland als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO". Halten Sie die Volksfeste für ein schützenswertes Kulturgut?

Wir können sehr stolz auf die jahrhundertelange Tradition unserer Volksfeste sein und sollten unbedingt alles tun, um die damit einhergehenden Werte für unsere Gesellschaft zu erhalten. Die Anerkennung unserer Volksfestkultur durch die UNESCO wäre ein wichtiges Zeichen, um noch mehr nationale und internationale Aufmerksamkeit auf die Veranstaltungen aber auch die Schaustellerzunft zu richten.

 

Herr Joppa, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Zur Person

Peter Joppa, Jahrgang 1952, ist von Beruf Diplom-Verwaltungswirt und seit 2002 Geschäftsführer der FrischeKontor Duisburg GmbH.