Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




"Wer sich selbstständig macht, braucht ein Ziel vor Augen!"

Diplom-Betriebswirtin, Unternehmerin und ehemalige Wiesnwirtin – Christa Sieber hat während Ihrer langjährigen Selbstständigkeit schon in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen gearbeitet. Seit über 12 Jahren gibt sie Seminare für Unternehmen und Bildungsträger, ist bei der KfW als Existenzgründercoach akkreditiert und arbeitet als Erwachsenen- und Jugend-Coach in der eigenen Praxis. Auf dem Delegiertentag 2013 wird sie Schaustellerjugendliche des AK Zukunft einen ganzen Vormittag lang in einem Workshop auf ihr Berufsleben vorbereiten. Wir sprachen mit Christa Sieber über die berufliche Herausforderungen für junge Schausteller.

Existenzgründercoach Christa Sieber. Foto: DSB

Frau Sieber, welche persönlichen Erfahrungen haben Sie in Ihrer langen Selbstständigkeit besonders geprägt?
Die meisten Erfahrungen habe ich sicherlich durch den mehrmaligen Wechsel in komplett andere Branchen gesammelt. Dadurch war ich immer eine Art „Quereinsteigerin“, die völlig unbelastet an die neuen Aufgaben herangegangen ist und ihre branchenfremden Erfahrungen einbringen konnte. Das war ein Vorteil.

Welche Lehren haben Sie daraus gezogen, die Sie jetzt als Ratschläge zum Thema Existenzgründung an junge Erwachsene weitergeben können?
Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen, sich selbst immer wieder in Frage zu stellen, lebenslanges Lernen und auf dem Laufenden bleiben – das sind wichtige Voraussetzungen, um beruflich erfolgreich zu sein. Vor allem aber: Sich nicht auf der Tradition auszuruhen. Ich glaube, Tradition ist wichtig: Sie ist die notwendige Wurzel, aus der sich Neues entwickeln kann. Wer Tradition aber nur als Alibi benutzt, um nichts verändern zu müssen oder zu wollen, wird sich als Unternehmer in der heutigen Welt schwer tun.

Gibt es ein Patentrezept für Existenzgründer/innen?
Meines Erachtens ist die wichtigste Eigenschaft, die Existenzgründer(innen) brauchen, die Begeisterung für ihr Produkt, ihr Unternehmen und ihre Kunden. Wer sich selbstständig macht, braucht ein Ziel vor Augen für das er oder sie brennt. Denn als selbständige(r) Unternehmer(in) muss man sich immer selbst motivieren und sich am eigenen Schopf packen, um weiter zu kommen.

Welche Einstellung und welche Fähigkeiten sollte man für eine erfolgreiche Existenzgründung mitbringen?
Die Einstellung, etwas erreichen zu wollen und mit Disziplin den eigenen Job zu machen. Außerdem glaube ich, dass Unternehmer(innen) die Fähigkeit brauchen, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Junge Menschen sollten eine Vision von ihrer Zukunft entwickeln, die sie erreichen wollen. Das Thema „Netzwerken“ – also Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, sich Rat und Hilfe zu suchen – spielt dabei eine wichtige Rolle. Der traditionelle Zusammenhalt in der Schaustellerbranche, also sich untereinander zu kennen und gegenseitig zu helfen, ist ein großer Vorteil.

In Schaustellerfamilien führen die Jugendlichen später oft den elterlichen Betrieb weiter. Worauf sollten sie dabei besonders achten?
Junge Unternehmer(innen) sollten darauf achten, sich nicht auf den Lorbeeren der vorherigen Generation auszuruhen, sondern sich weiterzuentwickeln, um gut zu bleiben oder sogar noch besser zu werden. Sie sollten den Mut haben, eigene Erfahrungen zu machen und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Dabei dürfen sie die Erfahrungen und das Wissen der Eltern natürlich als Grundlage mit einbeziehen. Manchmal braucht es vielleicht auch den Mut sich wirklich von den Eltern abzunabeln und auf eigenen Beinen zu stehen.

Welche besonderen Schwerpunkte setzen Sie in Ihren Workshops für junge Erwachsene? (Im Vergleich zu Erwachsenen)
Ich beginne gerne mit dem Einzelnen selbst. Die Frage „Wer bin ich, und warum bin ich so wie ich bin?“ hilft, mehr Verständnis für sich und andere aufzubringen. Junge Menschen sollen ihr Potenzial und die Möglichkeiten für ihre nächsten Entwicklungsschritte erkennen. Weitere Schwerpunkte sind das persönliche Erscheinungsbild, das Auftreten und die Kommunikation. Wer hier die Regeln kennt, kann sich manche negative Erfahrung ersparen.
Außerdem ist es wichtig, sich als junge(r) Unternehmer(in) mit den eigenen Geschäftszahlen auseinanderzusetzen. Was bringt ein Businessplan? Wie kann ich auf Basis der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen mein Unternehmen steuern?
Darüber hinaus lege ich Wert darauf, dass die Teilnehmer(innen) sich bereits in den Anfängen mit dem Thema Qualitätsmanagement beschäftigen, um zu überprüfen, ob die ersten Schritte im eigenen Betrieb in die richtige Richtung führen.

Woran müssen junge Erwachsene, Ihrer Erfahrung nach, am häufigsten noch arbeiten, wenn sie erfolgreich ein Unternehmen gründen oder weiterführen wollen?
Sich der großen Verantwortung, die sie plötzlich haben bewusst zu werden und richtig damit umgehen zu lernen, ist sicherlich die größte Herausforderung. Die jungen Leute müssen verstehen, dass sie jetzt der Motor des Unternehmens sind.