Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Wer sägt schon an dem Ast, auf dem er selbst sitzt?

Ein Kommentar von Präsident Albert Ritter zum Wirtschaftsfaktor Volksfest.

Die Dürener Annakirmes ist ein Volksfest mit großer Tradition. Foto: Jörg Henke

DSB-Präsident Albert Ritter. Foto: DSB

Es gibt immer wieder Momente im Leben, wo dich ein Blick ins Internet glatt vom Hocker reißen kann. So berichtete am 4. August 2011 das Internetportal az.web.de unter dem Titel "Kirmes steigert das Stadtimage" über die Wirtschaftskraft der Volksfeste am Beispiel der Dürener Annakirmes.
Die Annakirmes sei - auch - ein riesengroßes Wirtschaftsunternehmen. Große Summen würden auf dem Rummel umgesetzt, und zwar ohne, dass die Stadt Düren daran etwas verdiene. Bürgermeister Paul Larue wurde in dem Beitrag mit den Worten zitiert: "Es gibt eine Vorgabe des Stadtrates, dass die Märkte der Stadt Düren kostendeckend sein müssen. Das heißt aber nicht, dass die Annakirmes keinen wirtschaftlichen Nutzen für die Gesamtstadt hat." Zum einen locke die Kirmes, so Larue, in neun Tagen etwa zehnmal so viele Besucher nach Düren, wie die Stadt Einwohner habe. "Und einige nutzen durchaus die Gelegenheit und gehen nach dem Rummelbesuch zum Einkaufen in die Stadt", so Larue. Nicht vergessen dürfe man darüber hinaus die Mitarbeiter der 150 Schaustellerbetriebe, die während der Annakirmes alle in Düren leben und einkaufen würden. Bürgermeister Larue spricht vom "wirtschaftlichen Klebeeffekt" der Kirmes, sagt aber auch, dass es der Stadt nicht in erster Linie darum gehe, an der Kirmes zu verdienen. „Die Annakirmes ist eines der Dinge“, so Paul Larue, "mit der Düren in der ersten Bundesliga spielt. Und das müssen wir so attraktiv wie möglich gestalten."
So weit so gut und bis zu dieser Stelle war ich mit dem Artikel und den darin enthaltenen Aussagen auch einverstanden. Dann jedoch kam ein Mitglied des Dürener Stadtrates zu Wort, der behauptete, dass "im Augenblick" die Stadt nicht die Möglichkeit habe, an der Kirmes zu verdienen, weil eine Kommune an Dingen, die durch Gebühren finanziert würden, nichts verdienen dürfe. Trotzdem sei er der Meinung, dass die Stadt gerade in den aktuell so schlechten Zeiten, auf jeden Fall auch wirtschaftlich angemessen an der Kirmes partizipieren müsse.
Die Lösung sei die Gründung eines "Eigenbetriebes Dürener Märkte GmbH", die dann das Management für die Dürener Märkte übernehmen könne. Und zwar gewinnbringend.
Hand aufs Herz. Das sind so Aussagen von Politikern, die mich immer wieder erschüttern und den Kopf schütteln lassen. Es ist eigentlich unglaublich: All die richtigen und wichtigen Argumente, die wir als Berufsverband seit Jahren in unzähligen Gesprächen zum Thema "Wirtschaftsfaktor Volksfest" immer wieder anführen, scheinen doch noch nicht überall Gehör gefunden haben. Manchmal komme ich mir da vor, wie der einsame Rufer in der Wüste. Es drängt sich der Verdacht auf, dass in den Gesprächen, die der DSB mit den Verantwortlichen in Düren bislang führte, der eine oder andere bewusst weggehört hat. Anders lassen sich solche Aussagen eines Stadtrates nicht erklären.
Also, die Fakten nochmals in Kurzform: Volksfeste erzielen Umsätze in Milliardenhöhe und bringen zusätzliche Einkommen und Steuereinnahmen für die veranstaltenden Städte und Regionen. Daneben profitieren Branchen, wie beispielsweise Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel, Brauereien oder Taxiunternehmen, von den Veranstaltungen. Volksfeste sind Städtewerbung und in Attraktivität und Besucheraufkommen bundesweit unvergleichbar. Ich verweise an dieser Stelle gerne auf die Fremdenverkehrsdirektorin der Stadt München und Vizepräsidentin des Deutschen Tourismusverbandes, Dr. Gabriele Weishäupl, die einmal gesagt hat, dass die kostenlose Imagewerbung, die die Volksfeste einer Stadt brächten, unbezahlbar sei.
Eines ist klar: Wenn eine Kommune die Aussagen der DSB-Marktstudie negiert und anfängt Volksfeste auszuschlachten, dann sägt sie den Ast ab, auf dem sie selbst sitzt.
Die Dürener Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, dass wir einen starken Berufsverband haben, der die Interessen der Schausteller auch gegen solche Fehlmeinungen energisch vertritt.

Einigkeit macht stark!
Präsident Albert Ritter