Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Volksfest in Neu-Ulm soll verschwinden

Die Städte Ulm und Neu-Ulm haben am 28. Januar 2010 den Vertrag für den Bau einer Multifunktionshalle unterzeichnet. Damit ist das Schicksal des Neu-Ulmer Volksfestes mit seiner über 100-jährigen Tradition vorerst besiegelt: es soll verschwinden.

Der Deutsche Schaustellerbund spricht von einer folgenschweren Entscheidung, bei der die Interessen der betroffenen Schausteller aber auch der Bürger der Stadt von Anfang an weder gesehen noch in die Entscheidungsfindung einbezogen wurden. Enttäuscht zeigt sich der Verband vor allem darüber, dass trotz der bislang guten Zusammenarbeit zwischen der Stadt Neu-Ulm und den Beteiligten der Volksfeste, diese nunmehr bei einer sie existenziell betreffenden Frage nicht beteiligt wurden. Dazu sagte DSB-Hauptgeschäftsführer Helmut Gels: "Das gemeinsame Miteinander bildete bis dato die Erfolgsgarantie dafür, dass über 100 Jahre hinweg das Volksfest in Neu-Ulm nicht nur schwierige Zeiten überlebt hat, sondern auch zu einem kulturell und für die Stadt wichtigen Werbeträger über die Grenzen hinaus entwickelt werden konnte. Mir drängt sich die Frage auf: Geht man so mit einem Partner um?"

Respekt vor Tradition nicht feststellbar
Gels erinnerte den Stadtrat von Neu-Ulm daran, dass traditionelle Volksfeste eine soziale und kulturelle Funktion in der Gemeinde erfüllen und eine Pflichtaufgabe in der Daseinsvorsorge darstellen und verweist dabei ausdrücklich auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 27. Mai 2009: "In dieser wichtigen Entscheidung hat das Bundesverwaltungsgericht die besondere Bedeutung von Volksfesten für das Gemeinwesen herausgestellt. Städte und Gemeinden übernehmen dabei eine besondere Verantwortung für die Feste und deren Bestand. In der Entscheidung gegen das Neu-Ulmer Volksfest habe sich erneut gezeigt, dass jeglicher Respekt vor dieser Tradition verloren gegangen zu sein scheint."
Aus diesem Grunde unterstütze der Deutsche Schaustellerbund aktiv Betroffene, die sich gegen diese Entscheidung des Stadtrates zur Wehr setzen und die zuständigen Gerichte dazu anrufen werden.

DSB kämpft gegen Absage von Volksfesten
Die deutschen Schausteller hatten bereits auf ihrem Delegiertentag Anfang des Jahres in Düsseldorf vor einem "Volksfeststerben aus niederen Beweggründen", das oftmals auf persönliche Eitelkeiten beteiligter Entscheidungsträger zurückzuführen sei, gewarnt. Der Traditionspflege in Deutschland komme gerade in heutiger Zeit eine große Bedeutung zu. Außerdem sei der integrative Wert der Volksfeste und Weihnachtsmärkte für die Gesellschaft nicht zu unterschätzen.
"Tatsächliche oder vermeintliche Defizite in der Attraktivität einer Veranstaltung", so Hauptgeschäftsführer Helmut Gels, „sollten nicht als Begründung für deren Aufgabe herangezogen werden.“ Die Defizite sollten vielmehr durch gezielte Maßnahmen und entsprechende Aktivitäten der Verantwortlichen beseitigt und Konzepte zur Attraktivitätssteigerung entwickelt und umgesetzt werden. Der DSB biete hierbei, nicht nur mit der Marketingstudie und den entsprechenden Handlungsempfehlungen, seit Jahren seine Unterstützung an und könne durchaus auf beachtliche Erfolge verweisen.