Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Trittbrettfahrer, was nun?

Grünes Kennzeichen, reduzierter Steuersatz und Mautbefreiung in Gefahr!

Ein Kommentar von DSB-Präsident Albert Ritter.

 

Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes. Foto: DSB

Durch Sparpläne der Regierung vielleicht in Gefahr: Die LKW-Mautbefreiung für Schausteller. Foto: Toll Collect

Immer wieder höre ich leider die vollkommen falsche Ansicht von einigen mitreisenden Schaustellern, die sagen: "Warum soll ich denn eigentlich Mitglied in einem Berufsverband sein? Denn alle Vorteile, die die Verbände in harter Arbeit erkämpft haben, kann ich doch auch so ausnutzen."
Aber was nun, meine lieben Trittbrettfahrer? Jetzt, wo all unsere hart erkämpften Sonderregelungen in den politischen Entscheidungsebenen wie Bundestag und Landesparlamenten aufgrund der Haushaltskonsolidierung aktuell auf dem Prüfstand stehen? Wollt Ihr Euch wiederum gemütlich zurücklehnen und darauf warten, dass die anderen den Kampf für unser Gewerbe führen? Gerade jetzt in wirtschaftlich schweren Zeiten muss die Schlagkraft des Berufsverbandes als Kampforganisation für den Erhalt des Schaustellergewerbes gestärkt werden! Gerade jetzt heißt es: Mitglied werden und mithelfen, unser Schaustellergewerbe zu schützen!

Keiner darf sich mehr darauf verlassen, dass einige wenige Aufrechte die Berufsarbeit finanzieren! Nur wenn alle aktiven Schausteller in Deutschland ihren Beitrag leisten, kann auch in Zukunft die wichtige Arbeit der Berufsorganisation zur Sicherung des Schaustellergewerbes fortgesetzt werden! Wie soll der so existenziell wichtige Kampf für uns Schausteller ohne eine Kriegskasse geführt werden?
Die Berufsverbände brauchen jetzt jeden Cent, um die erfolgreiche Berufsarbeit auch in Zukunft fortsetzen zu können! Die vermeintliche Sicherheit, in der sich die Trittbrettfahrer wähnen, auch in Zukunft die Steuerfreiheit unserer Fahrzeuge, die Mautbefreiung, den reduzierten Steuersatz, den GEMA-Rabatt und vieles mehr ausnutzen zu können, ohne den Kampf der Berufsverbände zu unterstützen, ist endgültig vorbei! Ohne die breite Unterstützung aller deutschen Schausteller, gerade auch durch solidarische Beitragszahlung, werden wir es in Zukunft nicht schaffen, die mühsam erkämpften Vorteile für unseren Berufsstand zu retten!

Eine gut funktionierende Geschäftsstelle in Berlin mit der nötigen gut qualifizierten personellen Besetzung werden wir nicht mehr aufrechterhalten können, wenn nicht alle Kollegen durch breite Beitragsehrlichkeit mithelfen!
Wir werden in Zukunft keine Termine mehr wahrnehmen können, die mit Reisekosten zu den einzelnen Landesregierungen verbunden sind, wenn nicht jeder aktive deutsche Schausteller bereit ist, mitzuhelfen! Jeder aktive Schausteller weiß, wie wichtig persönliches Vorsprechen bei den Verantwortlichen ist, denn auch die besten Argumente sind schnell an die Seite gelegt, wenn sie nur in Briefform vorgetragen werden! Wir müssen in ganz Deutschland auch mit Unterstützung von Rechtsexperten agieren, die ebenfalls nicht für gute Worte, sondern nur gegen gute Euros ihre Gutachten erstellen, um damit für die gerechte Sache der Schausteller kämpfen zu können!

Angesichts der oben genannten Tatsachen ist es für mich fast unglaublich, dass Tag für Tag bei mir und vor allem in unserer gut funktionierenden Hauptgeschäftsstelle in Berlin Telefonanfragen von Schaustellern eingehen, die Blitzhilfe bei aktuellen Problemen vor Ort einfordern, aber bei Nachfrage erklären, dass sie gar keine Beiträge einzahlen. Sicher ist der DSB bereit, allen Schaustellern in Deutschland stets zur Seite zu stehen; dann aber ist es von aktiv reisenden Schaustellern sicher nicht zu viel verlangt, Mitglied in einem Berufsverband zu sein!
Nach Fachauskunft und meist erfolgreicher schneller Ersthilfe frage ich dann schon einmal: "In welchem Ortsverband bist Du eigentlich organisiert?" Die dann folgenden Antworten sind zum Teil für mich einfach unfassbar: Da versucht mir doch tatsächlich ein Schausteller, nachdem er zehn Sekunden zuvor mit breiten Argumenten ausgeführt hat, dass unser Hauptgeschäftsführer ein Mann sei, der eine super gute Arbeit leistet und dass man eigentlich noch einen zweiten guten Mann in gleicher Qualität einstellen müsse, oder besser noch zusätzlich einen dritten guten Pressereferenten, dann zum Schluss zu erklären, er sei nicht in seinem Heimatverband Mitglied, weil er sich mit dem Ortsvorsitzenden nicht verstehe!
Ich sage: persönliche Sympathien müssen hinten anstehen, wenn es um den Erhalt des Berufsstandes geht. Notfalls könnte man ja, wenn man der Sache wirklich dienen will, auch einem anderen Ortsverband beitreten. Der Gipfel in der Palette der faulen Ausreden, um sich vor dem Mitgliedsbeitrag zu drücken, war aber folgende Aussage einer nach ihrer eigenen Einschätzung vorbildlichen Schaustellerin: "Ich bin nicht Mitglied, weil ich nicht bereit bin, mit meinem Beitrag das Verwöhnen von Delegierten in Fünf-Sterne-Hotels zu finanzieren." Auf meine Einlassung, ob sie nicht zu diesem Thema die Veröffentlichungen im Fachorgan gelesen habe, dass wir seit vielen Jahren zu Billigpreisen Übernachtung und Abendprogramm zu den Delegiertentagen anbieten, wie zum Beispiel in der Weltstadt Berlin für einen Komplettpreis von nur 299,- Euro? Schnell stellte sich heraus, dass diese "Kollegin" nicht einmal die Fachzeitschrift liest, um sich sachgerecht über Berufsfragen zu informieren!

Wie in diesem Beispiel muss ich leider immer wieder feststellen, dass diese Trittbrettfahrer in keinster Weise an aufklärenden Informationen über die harte tägliche Arbeit des DSB interessiert sind. Vielmehr möchten Sie Ihre Halb- und Unwahrheiten pflegen und erhalten, damit sie auch noch jungen Kollegen den Eintritt und die aktive Mitarbeit in den Verbänden vermiesen können!  
Dann war da noch der Kollege, der als Schausteller sogar einen namhaften Platz organisiert und um Hilfe in Sachen Umweltschutz und um die Rettung seiner Veranstaltung bittet und mir zugesteht, dass durch die fantastische Arbeit des DSB in Nordrhein-Westfalen schaustellerfreundliche Bedingungen geschaffen wurden. Dieser Kollege will mir aber dann mit einem Lächeln erklären, dass aufgrund der schlechten Geschäftslage eine Mitgliedschaft im Verband nicht möglich sei! Wohlgemerkt: dies sagte ein Kollege, der sogar selbst Plätze organisiert!
Oder aber der Kollege, der mich an der Theke davon überzeugen will, dass er ja von der Mitgliedschaft im Kegel- oder Motorradclub einen Nutzen habe, nicht aber von der Mitgliedschaft im Berufsverband. Lieber "Kollege", Dir sei auch an dieser Stelle nochmals deutlich gesagt, dass auch ich gerne meinen Hobbys nachgehe und  Mitglied in Schausteller-Geselligkeitsvereinen bin. Aber das Geld, um seine Hobbys auszuüben, kann man nur verdienen, wenn zuvor ein starker Berufsverband positive Rahmenbedingungen erkämpft hat und damit unsere Arbeitsplätze sichert!
Der Beitrag für den Berufsverband muss an erster Stelle stehen, da sonst alles andere nicht mehr möglich ist! Jeder Kollege sollte bedenken, dass jeder einfache Arbeiter einen viel größeren Betrag in seine Gewerkschaft einzahlt, als ein Schausteller in seinen Verband, um so Gelder für einen eventuellen Arbeitskampf vorzuhalten. So müsste es für jeden aktiven Schausteller, der sich als selbstständiger Unternehmer versteht, eine Ehrenpflicht sein, den so wichtigen Solidarbeitrag für den Kampf für die Interessen der Schausteller zu leisten!

Ich appelliere gerade an unsere jungen Kollegen: Lasst Euch nicht von Trittbrettfahrern verunsichern! Es ist von größter Wichtigkeit, dass es eine gut funktionierende Schaustellervertretung gibt! Es geht um Eure Zukunft! Mein dringender Appell gerade an alle Schausteller-Junganfänger: Nehmt Eure Zukunft in die eigene Hand, werdet Mitglieder in den Berufsverbänden, engagiert Euch, helft mit Herz und Hand, aber bitte auch mit Eurem Beitrag! Auch wenn es Euch als Berufsanfänger besonders schwer fällt - spart nicht an der falschen Stelle, investiert mit der Mitgliedschaft in Eure Zukunftssicherung!
Jeder aktive deutsche Schausteller muss Mitglied in einem Berufsverband sein, besonders in der jetzigen dramatischen wirtschaftlichen Situation des Schaustellergewerbes, darf sich keiner mehr darauf verlassen, dass einige wenige Aufrechte die Berufsarbeit finanzieren! Bildet Euch eine eigene Meinung, hört nicht auf die Trittbrettfahrer!

Nicht derjenige, der keinen Beitrag zahlt, ist schlau! Nein, nur derjenige, der treu seinen Beitrag leistet, ist der wirklich Schlaue, weil er damit langfristig die Zukunft unseres Berufsstandes sichert und somit auch seinen eigenen Arbeitsplatz und vor allem den unserer Kinder. Nur eine auch finanziell starke Berufsorganisation kann mit Ihrer kompetenten Arbeit auch in Zukunft unsere Volksfeste retten!
„Einigkeit macht stark !“
Liebe Kollegen, lasst mich zum Abschluss von ganzem Herzen besonders allen Kolleginnen, Kollegen und besonders der Schaustellerjugend danken, die in den letzten Jahren treu mit der Zahlung ihrer Beiträge zur Sicherung der Berufsarbeit beigetragen hat!

Glück Auf!
Albert Ritter