Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Schaustellerseelsorger Pfarrer Sascha Ellinghaus im Interview

Von Januar bis März fanden die Wallfahrten der Schausteller und Circusleute statt: Am 26. Januar in Kevelaer am Niederrhein, am 11. Februar in Werl in Nordrhein-Westfalen und am 7. März in Altötting in Bayern.

Pfarrer Ellinghaus, in Kevelaer, Werl und Altötting haben hunderte Schausteller den Segen für eine gute Fest-Saison erhalten und für gute und vor allem friedliche Feste gebetet. Was möchten Sie den Schaustellern für das Jahr 2016 mit auf den Weg geben, die bei den Wallfahrten nicht dabei sein konnten?

Von Herzen wünschen wir allen Schaustellerinnen und Schaustellern eine unfallfreie und erfolgreiche Saison 2016 – Gottes Segen für die Reise sowie persönliches Wohlergehen im privaten Bereich. Angesichts der zunehmenden bürokratischen Hürden hoffen wir, dass alle Bemühungen um gerechte Lösungen Schritt für Schritt Erfolg haben werden. So viel möchte ich denen, die bei der Wallfahrt nicht dabei waren, jetzt gar nicht auf den Weg geben, sondern lieber einladen, sich nächstes Jahr die Zeit zu nehmen, dabei zu sein.

Ein Wallfahrtstag ist ja immer eine Gelegenheit, sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, die eigenen Sorgen und Nöte an den Wallfahrtsort zu tragen, um von Gott Stärkung für den Lebensweg und so manche richtige Einsicht zu bekommen. Und nebenbei haben sich die Wallfahrten auch immer zu einem schönen Miteinander beim Kaffeetrinken mit den Kollegen entwickelt. Dass die Schausteller, Marktkaufleute und Circusartisten auch vonseiten der Kirchenleitung Anerkennung erfahren, wird daraus deutlich, dass wir immer wieder Bischöfe zu Gast haben, die sich gerne die Anliegen der Reisenden anhören, um sie zu unterstützen. Dieses Jahr hat sich sogar der Diözesanbischof von Augsburg Dr. Konrad Zdarsa die Zeit genommen, in Altötting den Wallfahrtsgottesdienst zu feiern. Also schon heute: ein herzliches Willkommen bei den Wallfahrten im Jahr 2017!

Papst Franziskus hat das Jahr 2016 zum „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Was bedeutet dies für Sie persönlich?

Seit dem Jahr 1350 ist es in der katholischen Kirche Tradition geworden, alle 50 Jahre ein „Heiliges Jahr“ auszurufen. Viele Jahrhunderte lang war es angesichts der zu erwartenden Lebenszeit eines Menschen in der Regel nur einmal möglich, sich während eines Heiligen Jahres auf den Weg nach Rom zum Sitz des Papstes aufzumachen, um an den Festlichkeiten und Gottesdiensten teilzunehmen, die früher nur auf die Stadt Rom beschränkt waren. Der Gang der Pilger durch die sogenannte „Heilige Pforte“, einer Tür am Petersdom, die sonst verschlossen bleibt und früher sogar außerhalb der Heiligen Jahre zugemauert wurde, gewährt dem Gläubigen besondere Gnaden. Natürlich geschieht dies nicht magisch. Gott sieht das Bemühen des Menschen zu ihm neu aufzubrechen. In früheren Zeiten war das ja oft ein harter und mühsamer Weg, bis man in der Ewigen Stadt ankam. Die Heilige Pforte ist quasi das Ziel, das erreicht werden sollte. Gott erkennt das Bemühen des Menschen an und lohnt es, mit seiner Nähe und seiner Zuwendung zu all jenen, die sich wieder auf den Weg des Glaubens gemacht haben. Neben diesen regelmäßigen Heiligen Jahren konnten die Päpste auch ein außerordentliches Heiliges Jahr ausrufen. Davon hat Papst Franziskus Gebrauch gemacht. In seinem Pontifikat, man kann auch sagen, in seiner Regierungszeit, legt Papst Franziskus einen besonderen Schwerpunkt auf die Hinwendung der Kirche zu den Armen und Bedürftigen. Da liegt es nahe, ein Heiliges Jahr unter den Titel der Barmherzigkeit zu stellen. Barmherzigkeit brauchen wir alle. Barmherzig handelt die Kirche nicht nur in den großartigen Hilfswerken der Kirche, die auf der ganzen Welt versuchen, mit den Gaben der Gläubigen, Not und Elend in den Krisengebieten unserer Erde zu lindern. Barmherzigkeit fängt immer bei mir selber an, dann wenn ich bei meinen Entscheidungen mein Herz mitsprechen lasse und nicht nur wirtschaftliches Kalkül; wenn mir mein Nächster nicht egal ist, wenn es mir nicht nur um persönliche Gewinnmaximierung geht, sondern ich bemüht bin, dass das Miteinander der Menschen auch durch mich besser gelingen und keiner an den Rand gedrängt werden soll. Die Menschen immer wieder dazu neu einzuladen, ist ein berechtigtes Interesse des Papstes und ein barmherziger Umgang meist eine Haltung mit der Sie und ich immer wieder neu beginnen müssen.

Was macht die Schaustellerseelsorge für Sie so besonders?

Ich bin gerne bei den Menschen auf der Reise. Ich freue mich über die persönliche Nähe, die wir Schaustellerseelsorger zu den Schaustellern, Marktkaufleuten und Circusleuten haben dürfen. Gerne wären wir katholische Seelsorger personell noch etwas stärker besetzt, um noch flächendeckender präsent sein zu können. Das ist angesichts auch abnehmender Zahlen in der Kirche aber leider schwierig. Viel Zeit geht für An- und Abreisen drauf, aber das muss ich Menschen von der Reise ja nicht sagen. Ich freue mich, – nun schon seit 14 Jahren zuerst als regionaler Seelsorger und seit 2014 nun als nationaler Leiter der Schaustellerseelsorge – dass wir von Veranstaltern immer wieder angefragt werden, mit unseren Schaustellern und Gläubigen auf den Volksfesten oder in der Manege am unmittelbaren Lebensraum der Menschen von der Reise Gottesdienst feiern zu können und Gott so auch dort präsent sein lassen dürfen. Neben dem Begleiten der Lebenswenden zu Taufe, Kommunion, Firmung, Hochzeit und der Beisetzung freuen wir uns immer wieder, auch die neuen Geschäfte und Zelte zu segnen. Man fühlt sich darüber noch einmal persönlich mit den einzelnen Familien verbunden.

Im Juni 2016 wird Papst Franziskus eine Sonderaudienz für Schausteller und Circusleute abhalten. Was erwartet die Teilnehmer auf der Pilgerreise?

Papst Franziskus hat sich sehr kurzfristig entschieden, im „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ eine Sonderaudienz für Circusleute und Schausteller zu gewähren. Da der gesetzte Audienztermin am 16. Juni mitten in die Saison fällt, versuchen wir eine kurze Pilgerreise vom Dienstag, den 14. Juni bis Freitag, den 17. Juni 2016 auf die Beine zu stellen. Nach dem Anreisetag am 14.  ist für den Mittwoch, den 15., ein Besichtigungsprogramm in Rom geplant mit einem gemeinsamen Gottesdienst am Abend in der Nähe des Vatikans, der von einem in Rom lebenden Bischof zelebriert werden wird. Im Anschluss soll ein gemeinsames Abendessen aller deutschsprachigen Pilger in einem römischen Restaurant eingenommen werden. Wir versuchen ein Hotelangebot in der Nähe des Vatikans anzubieten und übernehmen die Organisation der Zugangskarten für die Papstaudienz am Donnerstag. Die Anreise wird selbst organisiert werden müssen, da ja nicht von einem gemeinsamen Ort gestartet werden kann. Leider hat der Vatikan sein Programm für den Audienztag bisher noch nicht bekanntgegeben. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es wie im Jahr 2012 einen Zug mit Fahnen der Circusbetriebe und Schaustellerverbände, begleitet von Musikkapellen von der Engelsburg zum Petersplatz geben wird, bevor die Audienz beginnt.

Was muss man tun, wenn man an der Pilgerreise teilnehmen möchte?

Zu Zeit kann ich nur raten, unsere Facebookseite (http://www.facebook.com/Schaustellerseelsorge) im Blick zu behalten oder sich unter meinem Namen auf Facebook mit mir zu verbinden. Sobald der Vatikan sein Programm veröffentlicht, werden wir unseren Ablauf anpassen und ein „Pilgerreise-Angebot“ einstellen mit der Möglichkeit zur finalen Anmeldung.
Wer sein Interesse aber schon jetzt kundtun möchte, kann dies per Mail (buero@kath-css.de) an unser Büro oder per Anruf (0228-2439402) bereits tun.

Lieber Pfarrer Ellinghaus, vielen Dank für das Interview!

Bereits seit den 50er Jahren entsenden die katholische und evangelische Kirche in Deutschland Seelsorger ins Circus- und Schaustellergewerbe. Das Besondere daran: Die Gläubigen kommen nicht zu den Seelsorgern, sondern die Seelsorger zu ihren Gläubigen – immerhin sind dies  80.000 Christen, die hierzulande im Schausteller- und Circusgewerbe leben und arbeiten.

Weitere Informationen und Kontakt:

Pfarrer Sascha Ellinghaus
Katholische Circus- und Schaustellerseelsorge
der Deutschen Bischofskonferenz
Godesberger Allee 125
53175 Bonn
Büro – Tel.: 0228-2439402
Mobil.: 0172 276 55 28
E-Mail: webmaster@kath-css.de
Internet: http://kath-css.de/
Facebook: www.facebook.com/Schaustellerseelsorge

Pfarrer Torsten Heinrich
Schaustellerseelsorge der EKD
c/o Gemeindebüro
Am Brauhaus 5
37213 Witzenhausen
Tel.: 05542 5034122
E-Mail: ev-css-leiter@ekd.de
Internet: www.ekd.de/seelsorge/circus/