Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Schaustellerbildung so wichtig wie noch nie!

DSB-Präsident Albert Ritter stellt Wohngruppe „Haus Mindener Straße 8“ in Herford als hervorragendes Bildungs-Beispiel auf Pressekonferenz des Trägervereins „Haus Mindener Straße 8“ vor.

 

 

Erstaunte Gesichter. Das Puzzle im Computerraum besteht aus 13.200 Teilen und ist schon fast fertig. Von links: Stefan Wolff („Herforder Kreisblatt“), Fotograf Ralf Bittner, DSB-Präsident Albert Ritter, Hartmut Brandtmann („Neue Westfälische“), Geschäftsführerin Camilla Oberschelp, pädagogischer Leiter Maik Händler. (Foto: Haus Mindener Straße 8)

Pressekonferenz im „Haus Mindener Straße 8“ in Herford, denn die Zeiten sind hart, und das Thema „Ausbildung“ ist so brandheiß wie nie zuvor. Auf den Plätzen geht es um die Wurst, in Zeiten wirtschaftlicher Krise nicht selten sogar ums Überleben. Kein Wunder also, dass die bekannte Wohngruppe für Schaustellerkinder immer wichtiger wird und im Blickpunkt des Interesses steht, wenn es um die Zukunft der Schausteller geht. Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes (DSB), bringt es vor den Journalisten auf den Punkt.

„Heutzutage müssen Schaustellerkinder eine solide Ausbildung bekommen, denn das, was ihnen von Großvätern und Vätern vermittelt werden kann, reicht alleine nicht mehr aus“, sagt der 57-jährige Schausteller aus Essen, dessen Eltern ein Kinematographen-Theater und Großeltern eine klassische Kleinkunstbühne mit „schwebender Jungfrau“ und „Dame ohne Unterleib“ besaßen. Herr Ritter wechselte selbst auf der Reise von einer Volksschule zur anderen. „Die Schaustellerei ist nur noch ein kleiner Mosaikstein im riesigen Freizeitangebot, das von Freizeitparks über Erlebniseinkaufszentren bis hin zu öffentlichen Attraktionen wie dem Public Viewing reicht. Früher kam die Kirmes einmal im Jahr ins Dorf, und da gingen alle hin. So etwas gibt es heute leider nicht mehr. Die wirtschaftliche Situation sieht nicht rosig aus, und leider gibt es ein Sterben kleiner und mittlerer Veranstaltungen, so dass sich die Schausteller auf den verbleibenden Plätzen drängen. Deshalb müssen wir unsere Kinder unbedingt fundiert ausbilden und so sattelfest machen, dass sie unter Umständen auch alternativ in einem anderen Beruf Fuß fassen können. Der Deutsche Schaustellerbund setzt sich intensiv dafür ein, dass unsere Kinder nicht unter einer ,Schausteller-Käseglocke’ groß werden, sondern dass sie eine zukunftsorientierte qualifizierte externe Grundausbildung erhalten. Dazu gehören kaufmännisches Know-how, BWL und Fremdsprachen ebenso wie ein gewandtes Auftreten sowie eine perfekte Rhetorik. Da Bildung ganz früh beginnt, ist ein regelmäßiger Schulbesuch wichtiger als jemals zuvor, und diese Voraussetzungen kann eine Reiseschule nur bedingt erfüllen.“

Von der Einrichtung „Haus Mindener Straße 8“ sind die Journalisten restlos begeistert. Nicht nur das komfortabel eingerichtete Haus, sondern auch das pädagogische Konzept dieser einzigartigen Wohngruppe, die sich durch individuelle Betreuung und Förderung der Kinder von der Anonymität in großen Internaten deutlich unterscheidet, fasziniert die Presseleute. Geschäftsführerin Camilla Oberschelp (29) und Maik Händler (35), der pädagogische Leiter, werden mit Fragen bestürmt und zeigen auf einem interessanten Rundgang durch das Haus, dass die Schaustellerkinder hier traditionsgemäß wie in einer Großfamilie leben, zugleich öffentliche Schulen bis zum Abitur besuchen, pädagogisch gefördert werden und dennoch alle Freiheiten für private Hobbys und Besuche bei ihren Familien auf den Plätzen besitzen. Der vertrauensvolle Kontakt zwischen Schaustellerkindern, Betreuern, Eltern und Lehrern wird besonders groß geschrieben und öffnet den Kindern alle Möglichkeiten für eine sorgenfreie berufliche Zukunft als moderne Schausteller oder auch – je nach Fähigkeiten - im Rahmen der Globalisierung als Unternehmer auf dem internationalen Arbeitsmarkt.  

„Dieses Haus ist hervorragend dazu geeignet, um die Ziele des Deutschen Schaustellerbundes in die Tat umzusetzen“, betont DSB-Präsident Albert Ritter. „Wir haben das Jahr 2010 als Jahr der Bildung ausgeschrieben, und wir werden alles daran setzen, dass diese Wohngruppe erhalten bleibt. Für uns als Berufsverband ist es wichtig, dass es solche hervorragenden Einrichtungen gibt. Dazu gehören auch die Rahmenbedingungen auf politischer Ebene, dass eine Internats-Unterbringung nicht als Luxus angesehen wird, sondern dass sie unabdingbar ist und finanziell unterstützt werden muss. Dafür setzt sich der DSB bei den Ministerien vehement ein. „Schaustellerkinder die jetzt vernünftig ausgebildet werden, braucht man später nicht zu unterstützen wenn sie im Beruf scheitern sollten – mit diesem Thema verfolgen wir genau das bildungspolitische Ziel, das sich die Regierung als Wahlkampfthema gesetzt hat.“ Vorsorge statt Nachsorge, bei Zeiten eine qualifizierte Grundausbildung erlangen, Unternehmen grenzüberschreitend führen – dieser Umdenkungsprozess hat mittlerweile auf den Plätzen stattgefunden. „Ich bin sehr beeindruckt“, sagt Hartmut Brandtmann, der mit dem Fotografen Ralf Bittner die „Neue Westfälische“ vertritt, und auch Stefan Wolff vom „Herforder Kreisblatt“ will genau wissen, welche Erfahrungen die Schaustellertöchter Camilla Oberschelp und ihre Schwester Carmen (21) selbst als „Ehemalige“ des Hauses gemacht haben. Beide lebten zehn Jahre dort, absolvierten den Realschulabschluss mit Q-Vermerk und entschieden sich schließlich für völlig unterschiedliche Berufszweige. Während Carmen heute als Schaustellerin ein Kinder-Trampolin betreibt, leitet Camilla als Geschäftsführerin das Unternehmen „Haus Mindener Straße 8“. Ihr Lebenslauf kann sich sehen lassen: Sechs Jahre England-Aufenthalt mit Ausbildung zur Hotelfachfrau, drei Jahre Ausbildung zur Industriekauffrau in Deutschland, BWL-Studium. „Als Schaustellertochter besitzt sie neben den fachlichen Qualitäten genau das richtige Einfühlungsvermögen, um die Kinder, die hier aufwachsen, zu motivieren“, erklärt DSB-Präsident Albert Ritter, der von Camilla Oberschelps Kompetenz und Zielstrebigkeit begeistert ist. „Zudem sorgt sie für eine unkomplizierte Abwicklung der Formalitäten, und sie hat für alle großen und kleinen Sorgen stets ein offenes Ohr.“ Während des Rundgangs werden vor der Kamera des Fotografen Erinnerungen wach. „In diesem Zimmer habe ich gewohnt“, lacht Camilla. „Und von hier aus habe ich immer mit meinen Eltern telefoniert“. Dabei deutet sie auf die türkisfarbene Holzbank im großzügigen Treppenhaus. Bilder an den Wänden dokumentieren fröhliche Freizeiten auf dem Piratenschiff vor Sylt, am Strand oder ausgelassene Feste und lustige Geburtstagspartys. Überall lachen den Besuchern strahlende Gesichter entgegen.    

„Können sich den Aufenthalt hier eigentlich nur reiche Leute leisten?“ wollen die Journalisten wissen. Maik Händler winkt ab. „Nein, denn unsere Einrichtung wird von der öffentlichen Jugendhilfe unterstützt“, erklärt der pädagogische Leiter sachkundig. „Je nach Einkommen der Eltern zahlen die Jugendämter der jeweiligen Wohnsitze ihren Anteil dazu, so dass auch Schausteller mit geringem Verdienst ihre Kinder bei uns unterbringen und auf öffentlichen Schulen solide ausbilden lassen können.“ Albert Ritters Gedanken schweifen zurück in seine eigene Kindheit, als er sich von den Journalisten verabschiedet. „Hätte es damals schon so etwas Tolles gegeben, dann wäre ich sofort hier eingezogen“, sagt der DSB-Präsident – und das meint er aus ganzem Herzen.

 

Wer Interesse daran hat, seine Kinder im „Haus Mindener Straße 8“ in Herford (www.haus-mindener-strasse.de) anzumelden oder sich die Einrichtung einmal anzusehen, der kann Kontakt aufnehmen mit Camilla Oberschelp über Telefon 05 221 – 81 202, Handy 01 78 – 75 35 182 oder per E-Mail unter info@haus-mindener-strasse.de. (Quelle: Haus Mindener Straße 8)