Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Schausteller zu sein ist eine Berufung!

DSB-Arbeitskreis Zukunft organisiert Workshop zum Thema Image und Selbstbild der Schausteller.

Die Welt der Schausteller von innen und außen betrachtet.

Die Schaustellerjugendlichen präsentieren ihre Ergebnisse.

Wie kommen wir Schausteller in der Öffentlichkeit an? Haben wir einen guten Ruf? Wie schätzen wir uns selbst ein? Und wie würden wir gerne gesehen werden? Mit dem eigenen Selbstbild und dem Image von Schaustellerinnen und Schaustellern in der Öffentlichkeit beschäftigte sich der DSB-Arbeitskreis Zukunft während der Cranger Kirmes gemeinsam mit dem Diplom Psychologen Hubert Blanz. Rund 25 junge Schaustellerinnen und Schausteller im Alter von 16 bis 27 Jahren nahmen in dem vierstündigen Workshop ihren Berufsstand genau unter die Lupe. „Es war eine Art Selbsterforschung“, sagte Kevin Kratzsch, Vorsitzender des Arbeitskreises Zukunft.

Eine Frage der Perspektive. In Gruppen erarbeiteten die Schaustellerjugendlichen die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Schaustellerberuf. „Den Jugendlichen ist bewusst, dass sie in der Öffentlichkeit oftmals anders wahrgenommen werden“, so Blanz. Und er fügt hinzu: „Es gibt eine diffuse Vorstellung vom Schaustellerberuf. Zwar gehören auch Artisten oder gar Varieté-Künstler zu den Schaustellern, aber die Kernkompetenzen der Schausteller sind heutzutage ganz andere.“ Schausteller müssen technisch gut ausgebildet sein, betriebswirtschaftliche Fähigkeiten besitzen, aber auch mit dem Computer umgehen können und sich mit dem Internet auskennen. „Diese neuen, modernen Kernkompetenzen sollten die jungen Schausteller ganz deutlich herausstellen“ so Blanz.

Gemeinsame Identität finden. Schausteller haben eine eigene Alltagskultur und eine eigene Identität: „Sie unterscheiden sich vom Otto-Normal-Verbraucher und können ihre Besonderheiten für sich nutzen. Sie müssen sich fragen, welche Ressourcen haben wir und woraus schöpfen wir Kraft“, so Blanz. Deswegen stand das Selbstbild der Schausteller im Mittelpunkt des Workshops. Wie sehen sich die Jugendlichen? Was gibt ihnen Stabilität? Was erwarten die anderen von ihnen? Wo gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede? „Die Vielfalt der Schaustellerbranche ist ihre große Stärke und sollte immer wieder thematisiert werden. Niemand soll ausgeschlossen werden. Auch diejenigen nicht, die auf Neues eher skeptisch reagieren und sich nicht auf Anhieb einbringen,“ so der Psychologe.  

Ruppig und arrogant? Zu Unrecht werden Schausteller in der Öffentlichkeit manchmal als ruppig oder sogar verantwortungslos und ungebildet dargestellt. „Die Jugendlichen haben deutlich gemacht, dass sie sich dieser Art Vorurteile bewusst sind“, berichtet Kevin Kratzsch. Oftmals werde ihnen beispielsweise ein arrogantes Auftreten vorgeworfen. „Ja, wir sind manchmal arrogant, weil es viele Leute gibt, die auch uns manchmal mit Vorurteilen gegenüber treten“, so die Erklärung des jungen Schaustellers. „Wir müssen uns eben immer wieder neu erklären, weil viele Menschen unsere Lebensweise nicht nachvollziehen können und wir als Exoten rüber kommen“, so Kratzsch. „Arroganz ist ja nur Selbstschutz“, weiß Blanz. „Die Frage nach den schwarzen Schafen in einer Gruppe, die Frage, warum es dieses Image in der Öffentlichkeit gibt, ist selbstverständlich.“ Blanz rät jedoch, dass sich die Schausteller erst einmal selbst darüber im Klaren werden sollen, wie sie als Gemeinschaft gesehen werden wollen und wie sie das nach außen transportieren können.

Ausgebildet und organisiert. „Schausteller zu sein ist ein Beruf, auch wenn es kein Ausbildungsberuf ist“, sagt Blanz. Doch genau daher rührt oft das verbreitete Vorurteil, Schausteller seien ungebildet. Dagegen sprechen die vielen Schaustellerjugendlichen, die einen Haupt- und Realschulabschluss oder das Abitur in der Tasche haben. Mithilfe der BeKoSch-Lehrgänge (Berufliche Kompetenzen für Schausteller) wurden in den letzten Jahren Möglichkeiten geschaffen, wie junge Schaustellerinnen und Schausteller ihrer Berufsschulpflicht nachgehen und schaustellerspezifisches Wissen erlangen können. Durch viele organisierte Weiterbildungen des DSB wird lebenslanges Lernen unter den Schaustellern gefördert. „Die Schausteller haben eine Qualifizierung. Sie sind professionelle Anbieter von Vergnügungs- und Freizeitaktivitäten“, bestätigt Blanz. Wichtig ist, dieses Wissen immer weiter zu vervollständigen und auch Wege zu finden, es sich zertifizieren zu lassen. Damit würden sich die Schausteller auch mit anderen Berufsbranchen leichter vergleichbar machen.

Bewusst gegen Gewalt. Schausteller sehen alles. Leider gibt es auf einem Volksfest neben dem Spaß, der Geselligkeit und guten Laune manchmal auch eine Schattenseite, verursacht z.B. durch Alkoholmissbrauch, die sich in Aggressionen und Verantwortungslosigkeit  ausdrückt. Die Schaustellerinnen und Schausteller befinden sich inmitten dieses Spannungsfelds und müssen schnell und professionell handeln: „Die Schausteller müssen aktiv zu den negativen Seiten der Freizeitbranche Stellung nehmen und sich konstruktiv mit den Themen Gewalt und Alkoholmissbrauch auseinandersetzen“, meint Diplom-Psychologe Blanz. Deshalb arbeiten die Schausteller vielerorts eng mit den Sicherheitsbeauftragten zusammen, um aus ihnen „noch bessere Streitschlichter auf dem Volksfest zu machen.“

Lob vom Workshop-Leiter. Der Workshop war als „Kick-off“ Veranstaltung gedacht, um den Jugendlichen einen Anstoß zu geben, sich intensiver mit sich und ihrem Berufsstand auseinanderzusetzen. „Die Schaustellerjugendlichen waren schnell dabei und haben sofort angefangen zu arbeiten. Da gab es keine Anfangsschwierigkeiten und kein Stocken, die haben gleich losgelegt“, zeigt sich Blanz sehr zufrieden. Auch Kevin Kratzsch hat als Vorsitzender des AK Zukunft nur positives Feedback von den teilnehmenden Jugendlichen bekommen. „Jahrelang haben wir uns keine Gedanken über unser Image gemacht. Das war längst fällig.“

Ein herzliches Dankeschön geht an Geschäftsführerin Jessica Quante-Madest, die in der Diskothek Prater bei Bochum Räumlichkeiten für den Workshop zur Verfügung gestellt hat.

Der DSB und das Thema Bildung – ein Herzensanliegen

Der DSB setzt sich schon seit vielen Jahren für eine Ausbildung des Schaustellernachwuchses ein. Durch Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, Verbänden und politischen Entscheidungsträgern arbeitet der DSB daran, ihren besonderen Lebensumständen gerecht zu werden. Seit 1987 kümmert sich im Speziellen das Bildungswerk e.V. um die schulischen Belange des Schaustellernachwuchses. Mit dessen Engagement werden seit 2001 die BeKoSch-Lehrgänge angeboten. Auch die in vielen Bundesländern tätigen Bereichslehrkräfte gehen auf das beständige Bestreben des DSB zurück, die Kinder und Jugendlichen während ihrer Schulzeit besser zu unterstützen. Weitere Informationen zum Engagement des DSB in Sachen Bildung finden Sie im Netz: www.dsbev.de/der-dsb/bildungswerk/. Einen guten Überblick über die unterschiedlichen Projekte sowie die entsprechenden Ansprechpartner liefert die Homepage von BERiD, dem Verein zur Förderung der schulischen Bildung und Erziehung von Kindern der Angehörigen reisender Berufsgruppen in Deutschland e.V.: www.schule-unterwegs.de/.