Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




„Nicht als Einzelkämpfer, sondern als Solidargemeinschaft sind wir stark“

Interview mit Lorenz Kalb, DSB-Vizepräsident für Organisationsfragen

Lorenz Kalb, DSB Vizepräsident für Organisationsfragen

Der DSB – die Berufsspitzenorganisation des Schaustellergewerbes – vertritt die Interessen von rund 4000 Schaustellerinnen und Schaustellern in Deutschland. Das bedeutet eine Menge Arbeit, aber vor allem viele spannende Aufgaben! Zur Bewältigung dieser Aufgaben stehen dem DSB neben seinem Präsidenten, Albert Ritter, vier Vizepräsidenten für die Bereiche Berufsfragen (Klaus Wilhelm), Organisationsfragen (Lorenz Kalb), Marketing (Michael Hempen) sowie Finanzen (Edmund Radlinger) vor. Sie alle arbeiten ehrenamtlich: Sie treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Sitzungen, beraten Schaustellerfachfragen, nehmen an Veranstaltungen teil, stehen in engem Kontakt zur Politik und natürlich auch zur Hauptgeschäftsstelle in Berlin. Soviel starke Verbandsarbeit geht nur mit einer starken Familie im Rücken, die dafür sorgt, dass die Geschäfte auch laufen, wenn der Betreiber einmal nicht persönlich vor Ort sein kann. In dieser und den kommenden Komet-Ausgaben stellen wir Ihnen jeweils eines unserer Präsidiumsmitglieder persönlich vor.

Der gebürtige Nürnberger Lorenz Kalb (56), Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbandes reisender Schausteller und Handelsleute e.V., hat in seinem bisherigen Schaustellerleben schon viele Geschäfte erfolgreich betrieben: Vom Fahrgeschäft und Autoskooter über diverse Verlosungsbetriebe, dem Kindergeschäft „Käpt`n Reika“ bis hin zu verschiedenen exklusiven Ausschankgeschäften wie dem „Chapeau Claque“ und „Heidis Treff“. Eines steht fest: Lorenz Kalb hat reichlich Erfahrung im Schaustellergewerbe, die er seit 2003 als Vizepräsident für Organisationsfragen in den DSB einbringt.

1. Herr Kalb, warum haben Sie sich 2003 für das Amt beworben?

Bei mir liegt die Liebe zum DSB in der Familie. Mein Großvater Lorenz Schweizer war einer der beiden Initiatoren zur Gründung des Deutschen Schaustellerbundes. Ich wollte mich einbringen und nicht nur Worte, sondern auch Taten sprechen lassen. Nur wenn man sich engagiert und Verantwortung übernimmt,  kann man die Entwicklung unseres Schaustellergewerbes, zum Wohle aller, positiv beeinflussen.

2. Der Aufgabenbereich „Organisationsfragen“ ist sehr breit gefächert. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich konkret?

Die Aufgaben in der Organisation sind sehr vielfältig und komplex. Die wichtigste organisatorische Herausforderung während meiner bisherigen Amtszeit war es, den Fortbestand unserer Tagungen wie z.B. der Delegiertentage zu sichern. Nach dem Wegfall unserer Messe interschau war die Finanzierung unseres Schaustellerkongresses schwierig geworden. Durch die Mithilfe aller Mitglieder konnte durch das Tagungsgeld, welches die Mitglieder solidarisch einzahlen, hierfür eine Lösung gefunden werden. Heute sind die Delegiertentage für die Teilnehmer wieder bezahlbar geworden und die ausrichtenden Mitgliedsvereine sind finanziell abgesichert. Begleitend dazu haben wir eine sehr detaillierte Ablaufplanung und Handlungsempfehlungen erarbeitet, die den ausrichtenden Vereinen zur Verfügung gestellt werden.

3. Gibt es ein Thema welches Ihnen momentan besonders unter den Nägeln brennt?

Die Zukunft unseres Berufstandes, die Zukunft unserer Kinder. Meiner Meinung nach  müssen wir unsere Veranstaltungen immer weiter entwickeln. Es reicht heute nicht mehr, sein Geschäft aufzubauen und auf schönes Wetter zu warten. Wir müssen versuchen, unsere Kollegen/innen auf diesem schweren Weg mitzunehmen und vermitteln, dass wir uns nicht als Einzelkämpfer, sondern als Solidargemeinschaft präsentieren müssen. Denn als Einheit werden wir von den Kunden wahrgenommen. Gleichzeitig müssen wir auch von den Veranstaltern höchstes Engagement für ihr Fest und für die Arbeitsplätze unserer Kollegen/innen einfordern. Auch hier sind die Aufgaben wesentlich vielfältiger und zeitaufwändiger geworden. Deswegen kann es nur funktionieren, wenn Beschicker und Veranstalter auf Augenhöhe  zusammenarbeiten. Wir haben beim DSB, in langer Arbeit und unter Mithilfe vieler Kollegen, einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. In diesem sind vom richtigen Umgang mit den Medien bis hin zu möglichen Rahmenveranstaltungen verschiedenste Handlungsempfehlungen aufgezeigt. Es gibt inzwischen viele positive Rückmeldungen von Plätzen, wo es durch gemeinsames Engagement aller Beteiligten und durch neue innovative und imagebildende Maßnahmen wieder aufwärts geht.

4. Seit Gründung des DSB konnten schon viele bedeutende Verbesserungen für die Schaustellerbranche erzielt werden. Welche Veränderungen würden Sie als Meilenstein bezeichnen?

Mit der Gründung des DSB wurde eine Erfolgsgeschichte eingeleitet. Eine einzelne Leistung herauszustellen würde die Leistung der vielen Kämpfer für die gemeinsame Sache und auch die Arbeit unser Väter und Großväter schmälern. Tatsache ist, dass ohne die vielen Erleichterungen, wie steuerliche Erleichterungen für Schaustellerfahrzeuge, halber Mehrwertsteuersatz, Mautbefreiung usw. eine Ausübung unseres Berufes nicht mehr möglich wäre. Ein Meilenstein für mich persönlich war neben der Mitarbeit an unserer Marketingstudie sicherlich das Arbeitsessen in den persönlichen Räumen von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Bundeskanzleramt. Dort konnten wir die „Ampeln auf Grün stellen“ für die heutige Mautbefreiung.

5. Was ist das Schöne am Schaustellerberuf? Wie sehen Sie die Zukunft des Schaustellergewerbes?

Der Kontakt mit Menschen! Immer neue Begegnungen zu erleben, ein freies Leben führen zu dürfen und natürlich – auch wenn es wie eine Floskel klingt – den Menschen Freude bringen zu können. Die Zukunft gehört uns Schaustellern nur dann, wenn wir in dem völlig veränderten vielfältigen Freizeitmarkt bestehen. Dies gelingt nur, wenn man, wie wir das in Nürnberg praktizieren, im Team arbeitet. Dies bedeutet aber auch, dass wir bereit sind, Verantwortung und Entscheidungsmacht auch an junge Kollegen/ innen  weiter zu geben.

Die Zeit der Selbstdarsteller ist längst vorbei. Nur mit mühevoller Arbeit, mit Engagement, innovativen Ideen und nur gemeinsam kann die Zukunft gemeistert werden.