Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Medientipps für Schausteller

Kommunikationscoach Thomas Vatheuer im DSB-Gespräch

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Thomas Vatheuer ist Journalist und Kommunikationscoach. Im Rahmen des Delegiertentages in Aachen gab er auf Einladung des AK Zukunft einen Workshop zum Thema „Wie komme ich gut weg in den Medien?“ Mit DSB-Mitarbeiterin Sarah Schaefer sprach er darüber, wie eine erfolgreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Schaustellern aussehen kann.

Liebe Vorsitzende und Schaustellerkollegen! Kommunikationscoach Thomas Vatheuer macht auch bei Ihnen einen Workshop zum richtigen Umgang mit den Medien und beantwortet Ihnen Ihre Fragen. Zuletzt war Herr Vatheuer beim Oldenburger Schaustellerverband: DSB-Vizepräsident für Marketing und 1. Vorsitzender Michael Hempen empfiehlt den ersten Vorsitzenden der Schaustellerverbände, Herrn Vatheuer für eine kurze Mitglieder-Schulung zu buchen. Alle Teilnehmer erhalten ein Zertifikat. Bei Interesse melden Sie sich bei DSB-Vizepräsident Hempen (Tel: 0178 – 5400404, E-Mail: michael.hempen@dsbev.de) oder DSB-Pressereferentin Lucinde Boennecke (Tel: 030 5900997 83, E-Mail: lucinde.boennecke@dsbev.de)

 

Herr Vatheuer, welche Themen haben die Teilnehmer Ihres Workshops am meisten beschäftigt?

 Wie ein roter Faden hat sich durch unseren Workshop vor allem die Erfahrung der Schaustellerjugend im Umgang mit Journalisten gezogen. Darunter gab es positive und leider auch viele negative Erfahrungen. Besonders die inszenierten Medienberichte standen im Mittelpunkt unserer Diskussion: Was tun, wenn Fernseh- oder Radiosender auf eine „Enthüllungsgeschichte“ scharf sind? Sollte man eine Drehgenehmigung  erteilen oder entziehen? Das wurde in unserer Runde ausgiebig diskutiert. „Wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen“, war auch eine Antwort aus dem Teilnehmerkreis. Wichtig ist, einen Medientermin gut vorzubereiten. Wer kommt zum Interviewtermin und wie lautet das Thema? Welche Fragen sollen beantworten werden und was soll gefilmt werden? Das sollte alles bereits im Vorfeld geklärt sein oder über den Veranstalter und seine Pressestelle abgearbeitet werden. Im Zweifelsfall kann man einen Interviewtermin ablehnen. Großes Interesse gab es auch für meine Praxisbeispiele zum Thema soziale Medien als aktuelle und kostenlose Transportwege für ein positives Image.

 

Was raten Sie jenen Schaustellern, die ihre Betriebe etwas bekannter machen möchten?

Sie sollten ein wertvolles Thema oder eine neue Idee finden. Journalisten orientieren sich an Nachrichtenwerten, zu oft sind dies: ‚Sex und Kriminalität‘. Positive Nachrichtenwerte wie Prominenz, Unterhaltungswert, Originalität, Nutzwert und Exklusivität können Schausteller eigenständig in ihrem Umfeld recherchieren und anbieten. Wenn sich auf einem Volksfest Prominenz im Fahrgeschäft oder am Imbiss blicken lässt, ist ein Foto auf Facebook sofort eine gute Nachricht. Auch der Komet freut sich sicher über ein solches Foto. Deshalb bei Promi-Alarm immer eine Kamera griffbereit haben! Zum Standard sollte immer eine gute Fotoauswahl gehören. Abendfotos mit LED-Beleuchtung oder in der blauen Stunde wirken immer gut. Zudem sollten Schausteller für sich die Frage beantworten: Was macht meinen Betrieb einzigartig? Gibt es eine besondere Historie im Unternehmen oder eine neue Geschäftsidee? Wir haben in Trier zum Beispiel die „Deutsche Glühweinkönigin“ als Botschafterin des Winzerglühweins erfunden. Menschen lieben emotionale Geschichten mit Happy End. Ungewöhnliche Aktionen wie eine Hochzeit im Riesenrad oder Rekorde sorgen für Aufmerksamkeit. Generell bieten die sozialen Medien wie Facebook, Google+ und Instagram schnelle und kostenlose Gelegenheiten, den eigenen Betrieb positiv zu präsentieren. Wichtig ist, sich dafür Zeit zu nehmen, denn diese Kommunikationskanäle müssen ‚befeuert‘ werden. Aktuelle Veranstaltungsseiten auf Facebook sind für jedes Volksfest in Deutschland ein absolutes Muss. Die ideale Ergänzung habe ich bei einem Seminar in Oldenburg gefunden: Ein Volksfestfan pflegt dort einen Blog über den Kramermarkt. Ganz wichtig sind externe Kooperationspartner und Verbündete, wie zum Beispiel Kommunen, die oft auch Veranstalter von Volksfesten sind. Hier bietet sich ein intensiver Austausch über die Homepage der Städte und Gemeinden an.

 

Was sind die Stärken des Berufsstandes? Was macht die Schausteller und die Volksfeste einzigartig?

Die Schausteller haben eine Kulturgeschichte des Vergnügens zu erzählen, die für mich schon längst zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt! Lange Familientraditionen und eine Dienstleistung, die ihren Gästen immer wieder Genuss für alle Sinne bietet – diese Themen fasziniert mich und prägt meine freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Schaustellerfamilie Oscar Bruch in Andernach. Der große Zusammenhalt unter den Schaustellern und die Bereitschaft, die eigene Arbeit immer wieder in Frage zu stellen, sind wichtig für den weiteren Erfolg dieses Berufsstandes. Volksfeste haben oft eine lange Tradition, die eng mit den Menschen vor Ort verknüpft ist. Reisende Schausteller pflegen diese Tradition mit Leidenschaft. Das gefällt mir und sicher auch den vielen Millionen Volksfestbesuchern in Deutschland. 

 

Welche Tipps können Sie den Schaustellern im Umgang mit Journalisten geben? Gibt es da bestimmte Grundsätze?

Ich empfehle beim ersten Kontakt mit Journalisten einen freundlichen Smalltalk. Dieser dient dazu, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und sich gegenseitig kennenzulernen. Hier ein paar Eisbrechertipps: Wie war die Anreise, haben sie einen guten Parkplatz gefunden? Hatten Sie schon Gelegenheit zum Rundgang? Von Vorteil ist es, wenn man sich vorher informiert, was die Anliegen der Journalisten sind und wie man sie unterstützen kann. Eine gute und langjährige Beziehungspflege zu Journalisten hilft immer weiter. Viele Schaustellerverbände und auch der DSB pflegen ja bewährte Angebote wie Presserundgänge oder Pressestammtische. Ein wichtiger Grundsatz lautet bei Krisenfällen: Das ist Chefsache! Man sollte vorher klären, wer wann und wie informiert. Dies am besten in enger Absprache mit den zuständigen Behörden.


Wie können sich Schausteller in Sachen Imagebildung untereinander unterstützen?

Ich sehe da vor allem das persönliche Gespräch, wie es zum Beispiel beim jährlichen Delegiertentag und in den regionalen Schaustellerverbänden stattfindet. Netzwerktreffen, auch mit Gästen aus Politik und Wirtschaft, sind eine ideale Austauschplattform. Dann bin ich natürlich ein Fan der sozialen Medienkanäle. Hier können sich Schausteller selber untereinander vernetzen. Wichtig ist, das ‚Liken‘, und ‚Teilen‘ nicht zu vergessen!  Ich rate auch zu geschlossenen Facebookgruppen. Der Vorteil: Hier findet nur für freigegebene Mitglieder Kommunikation und der Austausch von Ideen statt. Der AK Zukunft im DSB praktiziert dies bereits mit zwei Gruppen, das finde ich vorbildlich. Praxisseminare zum Thema „Zielgruppen- und Onlinemarketing“ sind sicher auch sehr hilfreich.

 

Gefürchtet in den sozialen Netzwerken sind die ‚Shitstorms‘, Stürme negativer Äußerungen. Wie kann ich vermeiden, dass mir so etwas passiert?

Ein Shitstorm wird oft überbewertet. In der Praxis ist dies eher ein Problem der Stars und der Personen des öffentlichen Lebens. Schausteller haben eher ein Lüftchen als einen Sturm der Entrüstung zu befürchten. Nörgler und Besserwisser sind natürlich eher ein Problem. Besonders penetrante Besserwisser, auch ‚Trolle‘ genannt, können aus dem Facebookprofil als Freund gelöscht werden – da hat sich schon so manche Diskussion von selbst erledigt. Ein Sturm der Entrüstung wird erst dann gefährlich, wenn es tatsächlich eine öffentliche Anti-Kampagne mit einem großen überregionalen Medieninteresse gibt. Bisher ist mir kein Fall von Cybermobbing im Zusammenhang mit einem Volksfest oder Weihnachtsmarkt bekannt.

 

Und was mache ich, wenn ich doch von Lästereien im Internet betroffen bin?

Grundsätzlich gilt: Kritik muss immer ernst genommen werden. Auf negative Kommentare sollte man zügig, aber auch gut überlegt und höflich reagieren. Leider flüchten viele Kritiker immer in die Anonymität des Netzes und dann fällt es ihnen leichter ‚abzulästern‘. Macht dies direkt zum Thema, denn es ist feige. Jeder, der kritisiert wird, sollte wissen: Der Auslöser für die Kritik ist häufig ein Informationsdefizit, das schnell und umfangreich aufgeklärt werden muss. Kritik sollte man nicht persönlich nehmen und für schnelle Abhilfe oder Alternativen sorgen. Man kann noch ein zweites Facebookprofil anlegen, um als neutrale Person auf Kritik zu reagieren. Auch sollte man die eigenen Facebookfreunde mobilisieren, dann verschwinden kritische Einträge oft wie von selbst. Leider gibt es hin und wieder Angriffe von Mitbewerbern, die ihr als solche enttarnen müsst. Im Extremfall sollte man bei übler Nachrede und Verleumdung einen Anwalt einschalten und den Absender auf mögliche rechtliche Folgen aufmerksam machen.

 

Der Workshop war an die Jungschausteller gerichtet, es ging viel um soziale Netzwerke im Internet. Was würden Sie jenen Schaustellern raten, die sich nicht so gut mit Facebook und Co auskennen?

Schaustellerbetriebe sind Familienunternehmen, da findet sich bestimmt ein Facebook-Nutzer in der eigenen Verwandtschaft. Vielleicht kennt man auch jemanden, der gern fotografiert und Fotos beisteuern kann. Es soll Spaß machen, sich mit Facebook und Co zu beschäftigen, und keine lästige Pflichtübung sein. Wer die Meinung seiner Kunden ernst nimmt, der sucht auch den Dialog über soziale Netzwerke. Übrigens: Ich habe den Umgang mit sozialen Medien erst mit 49 Jahren gelernt, es ist also keine Altersfrage, weil die praktische Anwendung sehr einfach ist. ‚Learning by doing‘ klappt hier prima, denn jeder Eintrag kann sofort gelöscht werden. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang noch der Hinweis: Verletzt keine Urheberrechte an Bildern oder Musik, dann kann nichts schief gehen. Ich stehe den Schaustellerverbänden gern als Dozent oder bei Facebook als Gruppenmitglied im AK Zukunft für Fragen zur Verfügung.

Herr Vatheuer, ich danke Ihnen für das Gespräch.