Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Lehrgänge für Schaustellerjugendliche am Berufskolleg Herne

Anfang des Jahres nahmen 74 Schaustellerjugendliche erfolgreich an den BeKoSch-Lehrgängen in Herne teil. Sie drückten die Schulbank, um sich Grundkenntnisse in BWL, EDV, Buchführung oder Schweiß- und Airbrushtechnik zu erarbeiten.

Teilnehmer des BeKoSch-Blocklehrgangs BWL 1. Foto: Berufskolleg Herne

Für alle Berufsschüler geht der Unterricht auch in diesem Jahr zu Hause weiter. Per Laptop sind sie online mit ihren Lehrern verbunden und können über die Lernplattform „moodle“ ihr Wissen vertiefen. In den vergangenen Wochen bildeten die Teletutoren des Berufskollegs sie dafür aus. Diejenigen Schüler und Schülerinnen, die auf der Reise nicht über einen Laptop mit Internetanschluss verfügen, erhalten die Fernlernunterlagen noch in gedruckter Form, bearbeiten diese und schicken die Lösungen per Post zurück.
Der Fernlernunterricht soll den besonderen Bedürfnissen der Berufsgruppe Rechnung tragen. Schausteller sind im Alltag stark in den Familienbetrieb eingebunden; starre Unterrichtszeiten sind oft ausgeschlossen. Die flexible Zeiteinteilung beim eLearning soll ihnen helfen, der Berufsschulpflicht nachzukommen. Doch BeKoSch ist bietet weit mehr: Der Lehrplan ist speziell auf Schausteller zugeschnitten. Betriebswirtschaftliche Fragen drehen sich zumeist um das eigene Geschäft. Wie kann ich effizienter werden und neue Kunden gewinnen? Wie führe ich richtig Buch? Dazu kommen unter anderem technische und juristische Themen rund um das Schaustellergewerbe. Alle Schlüsselfertigkeiten werden in speziellen Lernmodulen trainiert. Das Blended-Learning-Konzept, also die bedarfsgerechte Kombination aus Präsenz- und Onlinephasen, verspricht langfristig eine echte Verbesserung der Berufsbildung junger Schausteller.
Um die BeKoSch-Lehrgänge weiter qualitativ zu verbessern, arbeiten derzeit Schulfachleute aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland zusammen mit den Schaustellerverbänden in dem von der EU geförderten Projekt „Ett-Edu“ daran, die berufliche Ausbildung jugendlicher Schausteller weiter zu stärken und solche Ausbildungsprojekte auch in Frankreich und Großbritannien zu realisieren.
Für weitere Informationen und Anmeldungen zu den Präsenz- und Onlinelehrgängen steht das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne, Westring 201, 44629 Herne, Telefon (02323) 162631 zur Verfügung.

Stichwort: „Ett Edu“
Bildung ist heute für den Menschen eine der wichtigsten Ressourcen. Dies gilt natürlich auch für die Berufsgruppe der Schausteller. Für die Berufsverbände ist es daher wichtig, dass die Rahmenbedingungen, die im Bereich Bildung für Schausteller in der Vergangenheit geschaffen wurden, weiter ausgebaut und neue Bildungswege initiiert werden.
BeKoSch (Entwicklung beruflicher Kompetenzen für Schausteller und Circusangehörige) ist ein in Deutschland seit vielen Jahren erfolgreiches Schulprojekt, das in den Städten Herne, Nidda und Neumünster angeboten wird. Es bietet reisenden Jugendlichen die Möglichkeit, die Berufsschulpflicht durch Blockunterricht während der Wintermonate zu absolvieren.
Das EU-Projekt eLvet (Elektronisches Lernen zur beruflichen Bildung Reisender) ergänzt dieses Ausbildungskonzept um eLearning-Module, die es den jugendlichen Schaustellern auch in den sommerlichen Reisemonaten ermöglichen, ihre schulische und berufliche Ausbildung zu vervollständigen.
Das Erfolgsmodell BeKoSch soll nun in andere europäische Länder „exportiert“ werden. Hierfür wurde das Projekt „Ett Edu“ in Leben gerufen. „Ett Edu“ steht für „European Transfer of Travellers vocational Education“. Es handelt sich um ein europäisches Projektteam, das ein gesamteuropäisches Konzept für die Berufsausbildung reisender Jugendlicher entwickelt. In diesem Rahmen sollen bereits bestehende Angebote, wie die BeKoSch-Lehrgänge, so angepasst werden, dass sie in Frankreich und Großbritannien angewendet werden können.
Im November 2011 traf sich in Herne erstmals das „Ett-Edu“-Projektteam aus Vertretern von europäischen Schaustellerverbänden, Schulen und Bildungseinrichtungen, um aktuelle Fragen der Umsetzung zu diskutieren. Schaustellerkinder würden „meist früh in den Familienbetrieb integriert“, ihre Ausbildung sei jedoch „traditionell geprägt vom Prinzip ,learning by doing’ im eigenen Familienbetrieb, obwohl professionelles Know-how in technischen und kaufmännischen Fächern zukünftig auch im Schaustellergewerbe darüber entscheiden wird, ob ein Betrieb lebensfähig ist oder nicht“, hieß es aus dem Teilnehmerkreis. „Ett Edu“ mache die vielfältigen Fähigkeiten, die Schausteller innerhalb des Familienverbundes erwerben, transparent und ergänze diese zudem durch neue tätigkeitsrelevante Qualifikationen in einem Konzept des lebenslangen Lernens. Weitergehende Informationen im Internet unter www.ett-edu.eu.