Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Kahler Kerb muss gerettet werden!

Wegen eines (!) Klägers steht die traditionsreiche Kerb in Kahl am Main vor dem Aus

Fotos: Peter Schreiner

© Deutscher Schaustellerbund e.V.

Am 17.4. demonstrierten über 1000 Bürger aus Kahl und Umgebung, darunter zahlreiche Familien mit Kindern und Großeltern, aber auch viele Jugendliche und Vertreter aus Wirtschaft und Verbänden vor dem Kahler Rathaus gegen das von der Politik verkündete plötzliche Aus für die traditionsreiche Kahler Kerb. Sie trugen Schilder mit Sätzen wie „Wir lassen uns unsere Kahler Kerb nicht verbieten!“ oder: „Feierst Du noch oder wohnst Du in Kahl?“ Ihre Forderung: Der Erhalt der Kahler Kerb! Der Schaustellerverein Rhein/Main e.V. und benachbarte Verbände unterstützten die  Demo mit ihren Traditionsfahnen. Auch DSB-Präsident Ritter war dem Aufruf "für mehr Lärm"  der örtlichen Vereinsgemeinschaft gefolgt und reiste eigens aus Essen an, um die Bürger und Schaustellerverbände vor Ort zu unterstützen, die Kahler Kerb zu retten. In seiner Rede betonte er die jahrtausendealte Tradition der deutschen Volksfeste: "Die deutschen Volksfeste haben eine Tradition von über 1.200 Jahren und sie sind eng an den kirchlichen Kalender gebunden. Es ist nicht in Ordnung, dass es eine Gesetzgebung gibt, die es ermöglicht, dass eine einzelne Person einer ganzen Gemeinde das Miteinander, das Fröhlichsein verbieten kann. Da müssen die Politiker daran arbeiten, dass hier etwas geändert wird." Auch Georg P. Fischer, Vizepräsident für Nordbayern des Bayrischen Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute e.V. (BLV) unterstützte die Demonstration tatkräftig.

Ende März hatte die Kahler Vereinsgemeinschaft bekanntgegeben, dass sie die traditionelle Kirchweih in diesem Sommer nicht ausrichten wird. Der Grund dafür: Ein Anwohnerehepaar war im letzten Jahr wegen Lärmbelästigung vor Gericht gezogen und bekam Recht. Das Würzburger Verwaltungsgericht legte Grenzwerte von 70 bzw. 55 Dezibel für das Volksfest, das in einem Wohngebiet stattfindet, fest – und das, obwohl bei Lärmschutzrichtlinien Ausnahmen für Volksfeste möglich sind! Der Vorsitzende der Kahler Vereinsgemeinschaft Sven Uhlig betont: "Es kann nicht sein, dass Traditionsfeste an Lärmgrenzwerten scheitern! Mit der Demo heute wollen wir die Politik aufrütteln, dass hier eine Überarbeitung der Gesetze notwendig ist. Wir haben Anfragen aus ganz Deutschland zu dem Thema bekommen. Viele Vereine sind nun verunsichert."

Der Protest in Kahl ist ein deutliches Signal an die Politik, sich für das Volksfest einzusetzen. Auch Bürgermeister Jürgen Seitz (SPD) sprach sich auf der Demonstration klar für den Erhalt der Kahler Kerb aus.

Zeitgleich wurde eine Petition auf den Weg gebracht, die den Bayerischen Landtag auffordert, zu überprüfen, ob sich die Freizeitlärm-Richtlinie lockern lässt. In der Petition heißt es: „Deren Auflagen sind für Traditions- und Vereinsfeste nicht einhaltbar.“

Die Petition ist online unter diesem Link zu finden: https://www.change.org/p/bayerischer-landtag-erhalten-sie-die-fest-und-vereinskultur-in-bayern-durch-lockerungen-der-immissionswerte-freizeitl%C3%A4rm-richtlinien/sponsors/new

Das große Engagement der Bürger und Schausteller zeigte Wirkung: Am 22. April kam der Bayrische Landtag zu einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung zusammen, auf der fraktionsübergreifend einstimmig beschlossen wurde, die Lärmschutzrichtlinien zu überarbeiten! Den Dringlichkeitsantrag dazu hatte die CSU eingebracht. Die Abgeordneten aller Parteien forderten, den Beginn der Nachtzeit von 22 Uhr auf 24 Uhr zu verschieben und damit die bereits angestoßene Änderung der "Freizeitlärmrichtlinie" umzusetzen. Diese politischen Entwicklungen können in anderen Regionen Deutschlands als Vorbild dienen, um Volksfestveranstaltungen zu schützen, so DSB-Präsident Ritter.

Der oberfränkische SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Adelt erklärte gegenüber dem DSB, der Antrag würde nun dem Bayrischen Innenministerium vorgelegt, das daraus eine Verordnung mit Handlungsanweisungen für die Kommunen erarbeiten müsse. Dieses politische Prozedere ist langwierig. Vereinsgemeinschaftsvorsitzender Sven Uhlig sagte, dass es daher laut Bayerns Justizminister Winfried Bausback ungewiss sei, ob die Kahler Kerb dieses Jahr noch stattfinden kann. Die SPD will zeitnah zusätzlich zum Dringlichkeitsantrag noch einen eigenen Antrag zur Veränderung der Freizeitlärmschutzrichtlinie in Bayern einbringen. Adelt fordert sogar eine noch weitere zeitliche Öffnung für Volksfeste: “Das ist für einen Frankenwäldler undenkbar, dass er um 23.30 Uhr vom Kronacher Freischießen nach Hause zu gehen”, so Adelt gegenüber dem DSB.

Der DSB kämpft unterdessen weiter für den Erhalt der Kahler Kerb. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Jürgen Seitz und Andreas Oberle, dem Geschäftsleiter im Kahler Rathaus, bestärkt DSB-Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg  die Gemeinde und die Vereine darin, das Volksfest weiterhin auszurichten. Mit Verweis auf die Volksfeste in Oldenburg, Crange oder Würzburg legt der DSB dar, dass es für besondere Ereignisse die Möglichkeit gebe,  die im Alltag geltenden Grenzwerte deutlich zu überschreiten. So könnten Kommunen und Städte, die sich der Tradition, der Beliebtheit und der Strahlkraft ihres Volksfestes bewusst sind, Wege finden, ihre Bevölkerung bis teilweise in die frühen Morgenstunden ausgelassen feiern zu lassen. Dass die Kahler Kerb mit ihrer über 100-jährigen Geschichte einen vergleichbaren Stellenwert in Ihrer Region hat, steht für den DSB und die Kahler Bürger außer Frage. „Wir werden weiterhin alles tun, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen und den Erhalt der Kahler Kerb zu sichern“, so DSB-Präsident Albert Ritter. Einigkeit macht stark!