Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Interview mit dem neuen Vizepräsidenten für Marketing Ralf Leonhard

Der DSB – die Berufsspitzenorganisation des Schaustellergewerbes – vertritt die Interessen von rund 5000 Schaustellerinnen und Schaustellern in Deutschland. Insbesondere das Präsidium als geschäftsführender Vorstand setzt sich stets für die Belange der Mitglieder ein. Um die verschiedenen Aufgaben, die die Verbandsarbeit mit sich bringt, zu bewältigen stehen dem DSB neben seinem Präsidenten Albert Ritter, vier Vizepräsidenten für die Bereiche Berufsfragen (Thomas Meyer), Organisationsfragen (Lorenz Kalb), Marketing (Ralf Leonhard) sowie Finanzen (Edmund Radlinger) vor. Sie alle arbeiten ehrenamtlich und treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Sitzungen, beraten über Schaustellerfachfragen, nehmen an Veranstaltungen teil, stehen in engem Kontakt zur Politik – und natürlich auch zur Hauptgeschäftsstelle in Berlin.

Ralf Leonhard ist mit mehreren Kinderkarussells und Eisgeschäften überwiegend in Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland unterwegs.
Seine Verbandslaufbahn begann Ralf Leonhard im Jahr 2006 als Schriftführer im Schaustellerverband Bad Kreuznach e.V. und wurde zwei Jahre später als Erster Vorsitzender an die Spitze des Verbandes gewählt. Der Verband konnte seine Mitgliederzahl seither kontinuierlich ausbauen und hat sich, auch durch die Unterstützung eines starken Vorstands-Teams so zu einem wichtigen Regionalverband innerhalb des DSB entwickelt. Nun freut sich Ralf Leonhard auf die neuen Aufgaben und dass er den Südwesten der Republik im Präsidium vertritt.

Herr Leonhard, warum haben Sie sich für das Amt des Vizepräsidenten beworben?

Innovationen und Veränderungen haben mich schon immer begeistert, ich habe schon oft viele neue Ideen entwickelt und auf den Weg gebracht.

Nachdem klar war, dass Michael Hempen für das Amt des Vizepräsidenten für den Bereich Marketing nicht mehr kandidiert, kam – nicht nur mir – recht schnell der Gedanke, mich für dieses wichtige Amt zu bewerben. Ich bin von jeher schon immer eher der Macher und nicht einer der sagt "Lass das die anderen mal machen".

Aufgaben zu übernehmen, Verantwortung für etwas zu tragen und mit anderen für eine gemeinsame Sache zu kämpfen ist etwas, was ich stets gerne getan habe.

Meine bisherige Erfahrung hat mir immer wieder gezeigt, dass mit einem guten Team im Rücken ein ergebnisorientiertes Arbeiten auch viel Freude bereiten kann. Das Präsidium und alle anderen Mitglieder im DSB sind ein solches gutes Team und deswegen habe ich mich gerne zur Verfügung gestellt und hoffe, die in mich gesetzten Erwartungen auch zu erfüllen.

Das Aufgabenfeld „Marketing“ ist sehr breit gefächert. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich konkret?

In meinen Augen müssen wir unseren Berufsstand in den einzelnen Regionen – und das haben wir in Bad Kreuznach mit sehr großem Erfolg die letzten zwölf Jahre praktiziert – sowohl bei der Bevölkerung, als auch bei Politik und Verwaltung noch nachhaltiger positionieren. Das schaffen wir am besten durch Öffentlichkeitsarbeit – seien es Mini-Jahrmärkte, Spendenaktionen oder Empfänge. Aber auch der jährliche Delegiertentag oder die Hauptvorstandssitzungen sind dafür prädestiniert. Was auf Bundesebene also bereits sehr gut funktioniert, sollten wir in meinen Augen auch regional noch stärker ausbauen und verankern. Wir haben beispielsweise im Jahr 2011 die Hauptvorstandssitzung in Bad Kreuznach ausgerichtet und davon profitieren wir in unserem Ansehen noch heute.

Besonders beim Stadtempfang und bei der Abendveranstaltung, die begleitend zur Hauptvorstandssitzung stattgefunden hat, haben wir den Vertretern der regionalen Politik und Verwaltung eindrucksvoll demonstriert, dass die Schausteller weit mehr können, als auf den Platz aufzufahren, in aller Schnelle ihr Geschäft aufzubauen, es während der Spielzeit zu betreiben, abends bei dem ein oder anderen Glas Bier Gespräche zu führen und dann am Morgen nach Kirmesende schon weg zu sein. Während des Abends konnten wir zeigen, was wir repräsentieren: nämlich unsere Tradition, unseren Zusammenhalt, für welche Werte wir stehen und wie der gesellschaftliche Teil unseres Lebens aussieht. Das ist für mich ein wesentlicher Baustein des Marketings, denn da können wir punkten.

Wie bereits viele Verbände in anderen Regionen haben auch wir es in Bad Kreuznach mit solchen Aktionen geschafft, besonders bei der Bevölkerung unseren Beruf des Schaustellers in ein viel positiveres Licht zu rücken.

Regelmäßige Aktionen und stetige Medien- und Pressepräsenz sorgen hier für die notwendige Nachhaltigkeit und zeigen unseren Besuchern, was für ein wichtiger, aber im Grunde auch "normaler" Beruf die Schaustellerei ist – nur mit dem Unterschied, dass wir nicht stationär und ortsgebunden unserer Arbeit nachgehen, sondern auf der Reise sind.

Gibt es ein Thema, das Ihnen momentan besonders unter den Nägeln brennt?

Ganz klar die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl. Hier müssen wir uns nach Kräften einbringen.  Wir müssen mit verhältnismäßigen Mitteln (und Kosten!) größtmögliche Sicherheit herstellen, damit unsere Besucher und auch wir selbst auf dem Festplatz sicher sind. Diese Sicherheitsvorkehrungen dürfen aber nicht angsteinflößend wirken und aus den Festplätzen keine Festungen machen, das widerspräche unserem Auftrag, Feste für alle zu machen.

Weiterhin müssen wir Schausteller, was die Volksfeste marketingmäßig betrifft jederzeit extrem agil und innovativ sein. Wir sind nicht schlechter geworden im Vergleich zu früher, allerdings – und da liegt der Hase im Pfeffer – ist das Angebot im Freizeitsektor in seiner Größe und Vielfalt in den vergangenen Jahren stark gewachsen und besser geworden.

Gerade der Besucherrückgang auf den kleineren Volksfesten und Kirmesplätzen lässt sich in meinen Augen hauptsächlich auf diesen Punkt zurückführen.

Auch die wachsende Mobilität trägt ihren Teil dazu bei. Während man früher gespannt auf die Dorfkirmes gewartet hat, macht es nicht nur "der Jugend von heute" nichts aus, auch mal 200 Kilometer weiter zu einem Volksfest zu fahren. Das gleiche Phänomen erleben leider auch Diskotheken und andere Veranstaltungen.

Hier müssen wir uns positionieren und gerade auf den kleineren Volksfesten stärker die Klientel erschließen, die noch willens ist, auch die Dorfkirmessen und nicht nur die großen Volksfeste zu besuchen. Wir müssen uns dabei aber auch im Klaren sein, dass wir nur noch einen Teil dafür werden begeistern können.

Um gerade hier die Stammbesucher zu erhalten und viele Neue anzuziehen, möchte ich in meiner Funktion als Vizepräsident für Marketing einen Werkzeugkoffer erarbeiten, der die einzelnen Verbände und Veranstalter bei regionaler Werbung für ihre Volksfeste vor Ort unterstützt. In diesem Zusammenhang bin ich auch der Meinung, dass wir die Marke „DSB“ noch viel mehr in den Vordergrund stellen müssen – auch durch repräsentative Aufgaben. Ich sehe meine Funktion daher auch nicht nur darin, neue Ideen im Bereich Marketing zu entwickeln oder neue Gedanken anzustoßen, um das Produkt Kirmes wieder mehr in den Fokus zu rücken, sondern eben auch den Deutschen Schaustellerbund zu repräsentieren. Das heißt für uns, überall da zu sein, wo es die Möglichkeit bereits gibt, aber auch dort hinzugehen, wo erst eine Plattform zur Repräsentation geschaffen werden muss.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Branche?

Dass Kirmessen, Volksfeste und Weihnachtsmärkte – trotz der immer größer werdenden Vielfalt der Freizeitgestaltungsmöglichkeiten – ihren ungebrochenen Charme und Reiz behalten und wie eh und je die Nummer EINS der Freizeitindustrie sind.

Damit das so bleibt, müssen wir alle noch enger zusammenarbeiten und gegenüber Behörden, Veranstaltern und Medien "mit einer Sprache sprechen".

Volksfeste sind keine Selbstläufer!

Die Kirmesbesucher sind unsere Kunden und unsere Aufgabe ist es, ihnen den Aufenthalt auf dem Volksfest so angenehm wie möglich zu machen.

Wenn der Dienstleistungs-Gedanke bei der Art und Weise, wie jeder Einzelne sein Geschäft betreibt, immer im Vordergrund steht, wird der Kirmesbesuch auch künftig zum Wohlfühl-Erlebnis.

Ich wünsche mir viele Impulse und neue Ideen in "Sachen Marketing", die wir umsetzen, um gemeinsam dafür zu sorgen, dass bei den Menschen der Gedanke "GEH MAL WIEDER ZUR KIRMES" immer bleibt.

Lieber Herr Leonhard, vielen Dank für das Interview!