Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Interview mit dem neuen Vizepräsidenten für Berufsfragen Thomas Meyer

Der DSB – die Berufsspitzenorganisation des Schaustellergewerbes – vertritt die Interessen von rund 4000 Schaustellerinnen und Schaustellern in Deutschland. Insbesondere das Präsidium als geschäftsführender Vorstand setzt sich stets für die Belange der Mitglieder ein. Um die verschiedenen Aufgaben, die die Verbandsarbeit mit sich bringt, zu bewältigen stehen dem DSB neben seinem Präsidenten Albert Ritter, vier Vizepräsidenten für die Bereiche Berufsfragen (Thomas Meyer), Organisationsfragen (Lorenz Kalb), Marketing (Ralf Leonhard) sowie Finanzen (Edmund Radlinger) vor. Sie alle arbeiten ehrenamtlich und treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Sitzungen, beraten über Schaustellerfachfragen, nehmen an Veranstaltungen teil, stehen in engem Kontakt zur Politik – und natürlich auch zur Hauptgeschäftsstelle in Berlin. In dieser und den kommenden Komet-Ausgaben stellen wir Ihnen die beim 68. Delegiertentag in Bonn neu gewählten Präsidiumsmitglieder persönlich vor.

Thomas Meyer stammt aus einer Schaustellerfamilie, die bereits seit mehreren Generationen auf der Reise ist. Derzeit ist er als Gesellschafter der Meyer und Steiger OHG, die eine Wildwasserbahn betreibt, und darüber hinaus als Gesellschafter der Steiger Achterbahn GmbH auf Volksfesten von Hamburg bis München und in Teilen der Niederlande unterwegs.

Nachdem er seine Schulzeit im Internat verbrachte, zog ihn das „Heimweh“ anschließend direkt zurück in den elterlichen Betrieb – mit dem er seitdem begeistert auf die Reise geht. Auch die Verbandsarbeit hat ihm schon immer großen Spaß gemacht, weshalb er im Jahr 2013 die Chance nutzte und für den Posten als stellvertretender Bundesfachberater für Fahrgeschäfte im DSB antrat. Bis zu seinem Wechsel in das Präsidium als Vizepräsident für Berufsfragen im Januar 2017 hatte er das Amt inne. Besonders großen Gefallen findet Thomas Meyer an der Themenarbeit im DSB.

1.      Herr Meyer, warum haben Sie sich für das Amt des Vizepräsidenten beworben?

Grundsätzlich habe ich schon immer gerne Verantwortung übernommen – sowohl im eigenen Betrieb, als auch darüber hinaus. Ich halte das für eine allgemeine Notwendigkeit. Außerdem diskutiere ich mit Freude in geselligen Runden und das auch gerne kritisch. Gerade in diesen kritischen Diskussionen ist es meiner Meinung nach dann angebracht, Verantwortung zu übernehmen und sich dieser zu stellen.

Darüber hinaus passte der Zeitpunkt sehr gut. Ich hatte schon frühzeitig mit meinem Vorgänger Klaus Wilhelm, zu dem ich in sehr engem Kontakt stand und auch weiterhin stehe, über den Posten gesprochen. Daher stellte ich mir die Frage: „Warum warten?“, als er die Entscheidung getroffen hatte, das Amt aufzugeben.

Ich habe mich der Verantwortung deswegen gerne gestellt und hoffe, sie auch gut ausfüllen zu können.

2.      Das Aufgabenfeld „Berufsfragen“ ist sehr breit gefächert. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich konkret? Gibt es ein Thema, das Ihnen momentan besonders unter den Nägeln brennt?

Natürlich ist die Umsetzung der DIN EN 13814 für die Bestandsanlagen nach wie vor ein wichtiges Thema in diesem Bereich.

Ich habe daher zugesagt, dass ich zukünftig gemeinsam mit DSB-Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg im Arbeitskreis Fliegende Bauten mitarbeiten werde. Dies gilt insbesondere gerade jetzt auch für die Arbeitsgruppe, die darunter eingerichtet ist und sich des Auftrages der Bauministerkonferenz angenommen hat, über die Möglichkeiten einer Neuordnung des Rechtes im Bereich Fliegende Bauten nachzudenken, damit wir in Zukunft bei eventuellen Normänderungen nicht erneut vor solchen Problemen stehen.

Ich beschäftige mich aber auch mit den Fragen rund um das Thema der Spielgeschäfte auf Volksfesten und stehe dazu in engem Kontakt mit den Fachberatern und der Hauptgeschäftsstelle.

Gerade bei komplexen Themen höre ich auch immer gerne in den Kollegenkreis rein. Ich denke, es ist besonders wichtig, sich den Sachverhalt, der die Kollegen im Einzelnen betrifft, zunächst einmal im Detail erklären zu lassen, um die Sache auch im Kern zu verstehen und dann gemeinsam Argumente sammeln zu können.

Darüber hinaus sehe ich auch weitere neue Herausforderungen und Fragen auf uns zukommen, mit denen wir umgehen und auf die wir Antworten finden müssen. Ich gehe z.B. davon aus, dass es in Zukunft den Trend geben wird, dass Veranstalter oder aber auch der Gesetzgeber immer mehr Verantwortung auf den Betreiber umwälzen wollen. Unser Motto sollte daher in meinen Augen „Wer schreibt, der bleibt!“ lauten, damit wir gerüstet sind, wenn noch mehr Verantwortung auf uns zukommt.

Und unser aller Aufgabe wird es ohnehin sein, uns intensiv Gedanken über die Volksfeste der Zukunft zu machen, wie sollen sie aussehen, wie ist unser Anteil daran?

3.      Seit der Gründung des DSB konnten bereits zahlreiche bedeutende Erleichterungen für die Schaustellerbranche erzielt werden. Welche Veränderungen würden Sie als Meilenstein bezeichnen?

Ich denke dabei zum einen an solch wesentliche Dinge, wie z.B. die Maut-Befreiung für unsere Lkw, die Steuerbefreiung für Zugmaschinen und Schausteller-Anhänger, oder auch die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), durch die wir den Saisonkräfte-Notstand eindämmen konnten.

Zum anderen fallen mir an der Stelle allerdings auch insbesondere die Themen ein, die zwar von unseren Mitgliedern nicht gleich als Erleichterung wahrgenommen wurden, in denen aber dennoch sehr viel Arbeit – und durchaus auch sehenswerte Erfolge steckten.

Auch wenn ich z.B. in den Prozess zur Umsetzung der DIN EN 13814 erst später eingestiegen bin, habe ich trotzdem hautnah mitbekommen, wie viel Zeit der damalige Bundesfachberater Fritz Heitmann, das Präsidium und die Hauptgeschäftsstelle in das Thema investiert haben und wie viele schlaflose Nächte damit vermutlich einhergingen. Durch diese intensive Arbeit sind dann aber auch die Entscheidungshilfen entstanden, wodurch wir z.B. Kinderfahrgeschäfte und Autoskooter komplett aus der Normumstellung heraushalten konnten und bei den Bestandsanlagen die befürchteten existenziellen Krisen abwenden konnten.

Und neben den zahlreichen Meilensteinen, die der DSB erreicht hat, denke ich gleichermaßen an die viele ehrenamtliche Arbeit landauf, landab, die zwar nach außen nicht immer als klarer Erfolg erkennbar ist, aber trotzdem das Maximum ist, was wir als Verband herausholen konnten.

Schließlich denke ich bei Meilensteinen auch immer an die Gründung des DSB. Wir alle wissen, dass die Luft oft dünn wird, wenn es zum Schwur kommt. In der Regel verabschieden sich dann viele – aber damals waren dann eben doch engagierte Schausteller zur Stelle, so dass sich dieser großartige Deutsche Schaustellerbund, so wie er heute dasteht, überhaupt erst hat gründen können.

4.      Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Branche?

Ganz klar ein näheres Zusammenrücken! Ich wünsche mir, dass wir kritisch über einzelne Themen streiten, aber dennoch nah beieinander bleiben. Ich denke, dass es auch Zeiten gab, in denen man leicht denken konnte, dass die Arbeit im Schaustellergewerbe ein Selbstläufer ist, vor allem in den 1990er Jahren, als im Fahrgeschäftssektor eine Neuheit nach der anderen herauskam. Das führte dazu, dass man sich teilweise weniger Gedanken darüber gemacht hat, was eigentlich wertvoll an unserem Produkt ist. Wenn ich jetzt aber die meisten Feste anschaue, dann stelle ich fest, dass die alten Traditionen wieder gut bei den Besuchern ankommen.

Deswegen wünsche ich mir, dass wir diese Traditionen mit der Moderne verbinden, um unser Produkt auch für die Zukunft zu stärken. Dabei hoffe ich vor allem, dass die richtigen Maßnahmen für die Schaffung einer starken Marke nicht von außen kommen, sondern von uns Schaustellern selbst.

Lieber Herr Meyer, vielen Dank für das Interview!