Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Interview mit dem Dipl.-Ing. Thomas Brandt

Die Volksfeste auf den deutschen Nord- und Ostseeinseln, an der Küste und innerhalb eines 5 km breiten Küstenstreifens stellen die Betreiber von Fliegenden Bauten vor eine besondere Herausforderung. Denn die hier gelegentlich auftretenden starken Winde und Stürme und die damit einhergehenden Gefahren, werden über die sog. "Windzone 4" bzw. 4plus (Inseln der Nordsee) oder auch Windzone 3plus (Küstennahegebiete der Nord- und Ostsee) kategorisiert.

Um hier spielen zu können, ist es erforderlich, dass die Betreiber nachweisen können, dass ihre Geschäfte den Winden problemlos standhalten oder sie zumindest entsprechende Vorkehrungen treffen können, damit bei aufkommendem Sturm kein Schaden zu befürchten ist.

Irritationen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass viele Betreiber von Fahrgeschäften die Küstenregion aus ihren zukünftigen Tourneeplänen praktisch gestrichen haben, weil sie meinen, dass der bürokratische Aufwand, dort zu spielen, enorm hoch und kostenintensiv sei.

Diese Sorge möchten wir mit einem Interview mit dem Dipl.-Ing. Thomas Brandt aus Mettingen bei Osnabrück ausräumen, das DSB-Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg mit ihm geführt hat. Thomas Brandt hat schon viele Anlagen "fit für die Küste" gemacht.

Herr Brandt, was muss der Betreiber eines Fahrgeschäftes tun, wenn er an der Küste oder auf den Inseln spielen will?

Er benötigt einen Eintrag in seinem Baubuch, dass er zum Aufbau in diesen Gebieten berechtigt ist.

Dieser Eintrag wird im Rahmen der Gebrauchsabnahme von den unteren Bauaufsichtsbehörden überprüft.

In der Regel sind die Geschäfte bei ihrer seinerzeitigen Erstabnahme für einen Spielbetrieb bis Windzone 3 geprüft und zugelassen worden. Es ist also ein Nachtrag erforderlich.

Wie läuft das praktisch ab?

Wir benötigen Ihr Baubuch samt Statik, um uns die Details ansehen zu können.

Unsere Aufgabe ist es dann zu prüfen, ob das Geschäft so stabil gebaut wurde, dass es die erhöhten Lasten aufnehmen kann oder ob durch geeignete Maßnahmen die Belastungen so herabgesetzt werden können, das die Gesamtstabilität gewährleistet bleibt.

Maßnahmen wären z.B. Verstärkungen an der Tragstruktur des Geschäftes, damit es den erhöhten Lasten der WZ 4 standhält. Das ist aber meist unverhältnismäßig teuer und kommt daher nur selten in Betracht.

Der Regelfall ist, geeignete Rückbaumaßnahmen zu beschreiben und zu treffen, die bei Eingang einer Sturmwarnung innerhalb von ca. 20 - 30 Minuten vorgenommen werden können, sog. Kompensationsmaßnahmen.

Können Sie uns bitte einige Beispiele geben?

Im Grunde machen wir bei der Beschreibung und Prüfung der Rückbaumaßnahmen nicht viel anderes, als das in eine "amtliche Form" zu bringen, was die Schausteller mit ihrem Geschäft schon seit Generationen machen.

Denn das Geschäft ist doch die Lebensgrundlage des Schaustellers. Niemand hat mehr Interesse daran, dass es einen Sturm unbeschadet übersteht als er.

Also nutzen wir den Erfahrungsschatz der Schausteller und fragen immer zuerst:

"Was macht ihr bei Sturm?"

Dann bekommen wir relativ schnell Antworten wie Rückwand einklappen, Seiten- und Rückwandplane entfernen, Dachplane einrollen, also allesamt Rückbaumaßnahmen, um dem Wind die Angriffsfläche zu nehmen.

Möglich ist aber auch, mit dem schweren Packwagen das Geschäft gewissermaßen „anzubinden“, es also zu ballastieren oder mit ihm einen Windschatten herzustellen.

Letztlich sind dieses immer Maßnahmen, die dazu dienen, die erhöhten Windlasten an der Küste bei Sturm zu mindern bzw. ganz zu entfernen.

Wie geht es dann weiter – bürokratisch?

Unsere Unterlagen und Berechnungen werden dann durch den TÜV bzw. eine andere Stelle, die berechtigt ist, "Fliegende Bauten" zu prüfen, durchgesehen und nachberechnet, also nochmal geprüft.

Und dann werden die Unterlagen durch die baubuchführende Behörde oder den TÜV (dies ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich) dauerhaft ins Baubuch eingebunden.

Das war’s schon.

Welche Kosten kommen da auf den einzelnen Schausteller zu?

Unsere Kosten für die Durchsicht des Baubuchs und der Pläne sowie die Erstellung der Unterlagen belaufen sich auf 150 bis 550 € je nach oben beschriebenem Aufwand.

Manchmal kommen noch Reisekosten hinzu, um das Baubuch abzuholen.

Ich lasse die originalen Bücher nur ungerne verschicken. Denn wenn die abhandenkämen, würde es teuer und kompliziert. Natürlich können die Baubücher auch in unserem Büro in Mettingen abgegeben werden.

Die Prüfung unserer Unterlagen beim TÜV kostet dann nochmal ca. 450 Euro netto (beim TÜV Essen ist das der Festpreis – unabhängig vom Anlagentyp), zuzüglich der Gebühr bei der baubuchführenden Behörde für das Einbinden ins Baubuch.

Im Regelfall bleiben die Kosten für alles zusammen unter eintausend Euro. Die Zulassung für Windzone 4 zu bekommen ist also kein Hexenwerk. Die Schausteller haben in der Vergangenheit meistens schon die richtigen Maßnahmen getroffen – das muss eben nur überprüft und dokumentiert werden.

Lieber Herr Brandt, vielen Dank für das Interview!

 

Kontakt zu Thomas Brandt:

Ingenieurbüro Brandt
Brookstraße 8

49497 Mettingen

Telefon: 05452/935082
Handy: 01702473814

E-Mail: thomas.brandt@statik-brandt.de

www.statik-brandt.de