Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




„Es ist ein tolles Erlebnis, Schausteller zu sein!“

Interview mit Edmund Radlinger, DSB-Vizepräsident für Finanzen

© Deutscher Schaustellerbund e.V.

Der DSB – die Berufsspitzenorganisation des Schaustellergewerbes – vertritt die Interessen von rund 4000 Schaustellerinnen und Schaustellern in Deutschland. Das bedeutet eine Menge Arbeit, aber vor allem viele spannende Aufgaben! Zur Bewältigung dieser Aufgaben stehen dem DSB neben seinem Präsidenten Albert Ritter vier Vizepräsidenten für die Bereiche Berufsfragen (Klaus Wilhelm), Organisationsfragen (Lorenz Kalb), Marketing (Michael Hempen) sowie Finanzen (Edmund Radlinger) vor. Sie alle arbeiten ehrenamtlich: Sie treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Sitzungen, beraten Schaustellerfachfragen, nehmen an Veranstaltungen teil, stehen in engem Kontakt zur Politik und natürlich auch zur Hauptgeschäftsstelle in Berlin. Soviel starke Verbandsarbeit geht nur mit einer starken Familie im Rücken, die dafür sorgt, dass die Geschäfte auch laufen, wenn der Betreiber einmal nicht persönlich vor Ort sein kann. In dieser und den kommenden Komet-Ausgaben stellen wir Ihnen jeweils einen unserer Vizepräsidenten persönlich vor.

Edmund Radlinger (61) ist in München als „Wiesn Urgestein“ bekannt: Er stammt aus einer Schaustellerfamilie, die schon seit 1912 in München lebt. Seit 1978 ist er auf dem Münchner Oktoberfest vertreten und seither nicht mehr davon wegzudenken. Der Münchner hat ein weiches Herz, besonders für Kinder: Jedes Jahr lädt er über den Münchner Schaustellerverein – dem er bereits seit 1983 vorsitzt – kranke, behinderte und benachteiligte Kinder zum Bummel über die Wiesn mit anschließender Brotzeit in seinem „Münchner Weißbiergarten“ ein. Seit über 30 Jahren engagiert sich Edmund Radlinger schon im DSB, 1985 hatte er erstmals das Amt des Vizepräsidenten für Öffentlichkeitsarbeit inne. Heute ist er unser Mann für‘s Finanzielle und behält als Vizepräsident für Finanzen stets einen kühlen Kopf.

1.      Herr Radlinger, warum haben Sie sich 2010 für das Amt beworben?

Seit frühester Jugend war ich fasziniert von der Möglichkeit, in Vereinen mitzugestalten, um gemeinsame Gipfel zu erreichen, die man als Alleingänger niemals hätte erreichen

können. Sich selbst einzubringen, ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, um von anderen Mitarbeit zu erwarten. Die Finanzen unseres DSB zu verwalten ist ein großer Vertrauensbeweis für meine Person und eine große Herausforderung, in den finanziell schwierigen Zeiten mit einer soliden Haushaltsführung den erfolgreichen Weg der weltgrößten Schaustellerorganisation weiterzuführen.

2.      Der Aufgabenbereich „Finanzen“ ist sehr breit gefächert. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich konkret?

Die Konsolidierung des Haushalts steht unmittelbar im Fokus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Zum anderen sind es grundsätzliche Aufgaben, um die souveräne Arbeit der Hauptgeschäftsstelle mit all unseren Mitarbeiterinnen und dem Hauptgeschäftsführer zu gewährleisten. Ständige Bemühungen, unsere Finanzrücklagen zu erhalten, runden den speziellen Arbeitsbereich des Vizepräsidenten für Finanzen ab! In einer Zeit, in der die Ertragszinsen wegbrechen und die Inflationsrate höher ist als die Zinsen aus bestehendem Kapital muss man neue Anlagemöglichkeiten suchen. Dies wiederrum ist für das gesamte Präsidium nur akzeptabel mit einer Anlagemöglichkeit unter dem Aspekt des geringsten Risikos und langfristigsten Stabilitätsniveaus. Ich würde niemals in Fonds oder andere risikobehaftete Kapitalpapiere investieren. Der DSB zockt nicht mit dem Geld seiner Mitglieder.

3.      Gibt es ein Thema, das Ihnen momentan besonders unter den Nägeln brennt?

Der Erhalt einer gesunden Volksfestkultur in Deutschland, mit einer ausgewogenen Bestückung quer durch alle Branchen unseres Schaustellergewerbes ist in der jetzigen Phase nicht ganz gegeben. Der Wegfall von vielen kleineren Veranstaltungen mit der Begründung der Veranstalter, dass diese wirtschaftlich nicht mehr durchführbar sind, beschäftigt mich sehr. Durch die Einführung neuer Normen und Richtlinien wird das Schaustellergewerbe stark verunsichert. Insbesondere die jetzige Vorstellung der DIN EN 13814, die plötzlich für alle bestehenden Anlagen und nicht nur für Neuanlagen gelten soll, verunsichert uns Schausteller sehr. Hier ist unsere Berufsorganisation gefordert, für alle Fachgruppen im DSB die Rahmenbedingungen auf einem verträglichen wirtschaftlichen Niveau zu halten und eventuelle Einschränkungen der Gesetzgeber – mit für uns Schausteller ruinösen Folgen – mit allen Mitteln zu verhindern. Eines muss klar sein: Ein Volksfest ohne Karussell ist nicht vorstellbar und auch der Untergang aller angrenzenden Branchen. Ein Festplatz ohne attraktive und bewährte Fahrgeschäfte ist wie eine Suppe ohne Salz. Wir werden alle Mittel einsetzen und alle Wege beschreiten, um dieses Schicksal von uns allen abzuwenden.

4.      Seit Gründung des DSB konnten schon viele bedeutende Verbesserungen für die Schaustellerbranche erzielt werden. Welche Veränderungen würden Sie als Meilenstein bezeichnen?

Als Meilensteine gelten für mich noch immer der verminderte Mehrwertsteuersatz, die Steuerfreiheit für unsere Zugmaschinen, Wohn- und Packwagen und natürlich die Befreiung von der Autobahnmaut. Das beständige Wirken unseres DSB hat sehr viele Auswirkungen auf das Durchsetzen unserer Interessen: Dies zeigt auch die Neuberechnung und Umstrukturierung bei der Gefahrenklasse im Bereich der BGN. Als Vizepräsident für Finanzen erlaube ich mir mal einen direkten Zahlenvergleich: Die finanziellen Erleichterungen, die jedem einzelnen Schaustellerbetrieb in den vorgenannten Punkten durch die kontinuierliche Arbeit unserer Berufsorganisation entstehen sind weitaus höher, als die vergleichsweise geringen Kosten, die er für seinen jährlichen Mitgliedsbeitrag zahlt. Jeder einzelne sollte sich mal die Mühe machen, für seinen Betrieb eine Zahlengegenüberstellung zu erarbeiten! Die sich daraus ergebende Summe ist letztendlich unumgänglich einer der vielen Gründe dafür, diesen unseren DSB mit all seinen Facetten und Fähigkeiten zu erhalten und mit seiner persönlichen Mitgliedschaft zu fördern. Es ist zweifelsfrei der entscheidende Moment auch einmal den sogenannten Trittbrettfahrern zu sagen „nur gemeinsam sind wir stark“. Aber man muss auch etwas dafür tun, nicht nur schmarotzen.

5.      Was ist das Schöne am Schaustellerberuf? Wie sehen Sie die Zukunft des Schaustellergewerbes?

Die große Familie auf den Volksfestplätzen, ist das Schönste, was man sich vorstellen kann. Es ist einfach etwas Besonderes, auf einem Festplatz leben zu dürfen. Es ergibt sich ein viel engerer Kontakt zu seinen Freunden und den Menschen auf dem Festplatz. Man hat alle 14 Tage einen neuen Nachbarn, das ist doch viel angenehmer als eventuell 30 Jahre neben demselben Griesgram wohnen zu müssen. Außerdem gibt es immer die Chance, dass man Freunde, die man lange Zeit nicht sah, auf dem einen oder anderen Festplatz wiedertrifft. Wir Schausteller haben ja immer wieder neue Themen, weil wir moderne Unternehmen führen und ständig vor neuen Herausforderungen stehen, die wir oft nur gemeinsam lösen können. Ich kann nur sagen: Wir alle sollten nicht vergessen: Es ist ein Erlebnis der besonderen Art, Schausteller zu sein!

Die Probleme der Zukunft unserer Schaustellerfamilien sind zu bewältigen. Alle Beteiligten an dem Freizeitspaß Volksfest sollten sich daran erinnern, dass die Tradition der Schausteller mit ihren bekannten und bewährten Innovationen in Zusammenarbeit mit leidenschaftlichen Veranstaltern, Deutschland zum Volksfestland Nr.1 macht.