Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




DSB und Thüringer Schausteller sagen „Nein!“ zur Eichplatz-Bebauung in Jena!

Am Dienstag, den 11. März 2014 lud der DSB gemeinsam mit dem Thüringer Verein Reisender Schausteller (1. Vorsitzender Dirk Kirchner) und dem Schaustellerfachverband Thüringen e.V. (1. Vorsitzender Michael Bang) Stadtratsvertreter und Presse zum Pressegespräch ins Steigenberger Hotel Esplanade in Jena ein. Thema: Thüringer Schausteller wehren sich gegen die geplante Eichplatzbebauung. Die Verbandsvertreter machten klar, dass die Bebauung einem Berufsverbot gleichkäme. Ziel der Gesprächsrunde zwischen den Entscheidungsträgern der Stadt, den Schaustellern und der Presse war, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, damit sich die Karusselle in Jena auch in Zukunft weiter drehen.

Dirk Kirchner, 1. Vorsitzender des Thüringer Verbandes Reisender Schausteller, im TV-Interview auf dem Eichplatz. Foto: DSB

Der Zulauf zum DSB-Pressegespräch in Jena war hoch: Seitens der Stadt nahmen SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Jörg Vogel, CDU-Fraktionsvorsitzender Benjamin Koppe, Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker (B90/Die Grünen), Ortsteilbürgermeister Kristian Philler (B90/Die Grünen), Veranstaltungsmanagement-Chef Carsten Müller (JenaKultur) sowie Dr. Thomas Nitzsche (FDP) und Reinhard Wöckel (Die Linke) teil. Heidrun Jänchen vertrat die Interessen der Bürgerinitiative „Mein Eichplatz“, die sich gegen die Bebauungspläne richtet. Auf Seiten der Schausteller hatten DSB-Präsident Albert Ritter sowie Dirk Kirchner, Michael Bang und DSB-Pressereferentin Lucinde Boennecke geladen. Pressevertreter aus Jena und Thüringen, darunter Hörfunk, TV und Print hielten das Gespräch für die Öffentlichkeit fest (siehe Pressespiegel).

Der Jenaer Eichplatz ist seit über 200 Jahren Spielort für drei beliebte Volksfeste: Frühlingsmarkt, Altstadtfest und Weihnachtsmarkt. Zusammen locken sie rund 1,2 Millionen Besucher im Jahr an und bringen der Stadt Einnahmen in Form von Steuern und Abgaben. Diese Feste sind aber auch die Lebensgrundlage der hiesigen Schausteller, denn an diesen Festen hängen Arbeitsplätze! Nun will die Stadt den Eichplatz bebauen. Bis April sollen die Jenaer Bürger in einer Umfrage darüber entscheiden.

Feststeht, stimmen die Bürger dem Bebauungsplan zu, können Frühlingsmarkt, Altstadtfest und Weihnachtsmarkt so nicht mehr stattfinden, weil der Platz für Stände und Fahrgeschäfte fehlt. Im Verlauf des Gesprächs wurde deutlich, dass sich die Vertreter der Stadt bereits mit der Problematik des Wegfalls von Volksfestfestflächen nach der Bebauung in der Innenstadt auseinandergesetzt haben, den Thüringer Schaustellern bislang jedoch leider keine alternativen Plätze zum Aufbau des Jahrmarkts, insbesondere ihrer Fahrgeschäfte bieten konnten.

Albert Ritter, Dirk Kirchner und Michael Bang gaben sich während der lebhaften Diskussionen mit den Vertretern der Stadt kämpferisch und betonten, sie würden eine Abschaffung der Jenaer Jahrmärkte nicht akzeptieren und nötigenfalls öffentlich politisch Druck ausüben. Denn ein Wegfall der Jenaer Traditionsfeste hätte für die Stadt Jena, ihre Bürger und nicht zuletzt die Thüringer Schausteller negative Folgen:

  • Sollte die Bürgerbefragung im April zugunsten der Bebauung ausgehen, würde dies für den Frühlingsmarkt und das Altstadtfest spätestens ab Ende 2015 das Aus bedeuten.
  • Der Jenaer Weihnachtsmarkt, der schon im Jahre 1803 erwähnt wurde und als ältester Weihnachtsmarkt Thüringens gilt, könnte dann nur noch eingeschränkt (d.h. ohne Fahrgeschäfte) auf dem Marktplatz stattfinden.
  • Die Jenaer Schausteller sind unmittelbar betroffen. Sie müssten den Verlust dutzender Arbeitsplätzen verkraften, vielen von Ihnen würde damit ihre Existenzgrundlage entzogen.
  • Die Jenaer Bürger und rund 1,2 Millionen jährliche Besucher verlören beliebte Volksfeste, die zugleich Orte kultureller Traditionen, des geselligen Beisammenseins und der Familienfreizeit sowie sozialen Integration sind.
  • Die Stadt verlöre Einnahmen in Form von Steuern und Abgaben der Schausteller, der umliegende Einzelhandel muss Einbußen aus den wegfallenden Besucherströmen hinnehmen.

Über ihre wirtschaftliche und touristische Bedeutung hinaus sind Volksfeste – und dafür ist der Jenaer Frühlingsmarkt mit seiner fast zweihundertjährigen Geschichte das beste Beispiel – tief in der Bevölkerung verwurzelt. Sie erfüllen eine wichtige integrative und identitätsstiftende Funktion („mein Volksfest“) und sind mit ihren Traditionen und Bräuchen schützenswertes Kulturgut.

Die Gesprächsrunde endete mit der Zusage aller politischen Fraktionen, die Volksfeste in Jena nicht sterben zu lassen. Nach Ende der Bürgerbefragung im April wird sich die Politik mit dem Deutschen Schaustellerbund und den Vorsitzenden der Thüringer Schaustellerverbände zu einem runden Tisch treffen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen und über ein neues Volksfestkonzept in Jena zu beraten. Einigkeit macht Stark!

Pressespiegel