Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




DSB-Standpunkt zum Thema "Sicherheit auf Volksfesten"

Die Bilder von der Loveparade-Tragödie werden die Menschen – vor allem im Ruhrgebiet – wohl nie vergessen können. Zehntausende junger Menschen trafen sich im Juli 2010 in Duisburg, um gemeinsam ein Musikfest zu feiern, das jedoch für viele in einem Albtraum endete. So etwas darf nie wieder passieren und es ist wichtig, dass die Ursachen dieser Katastrophe restlos aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Vorfälle von Duisburg dürfen allerdings nicht zum Anlass genommen werden, unverhältnismäßige und nicht praktikable Anforderungen an die Sicherheitsvorgaben von Großveranstaltungen, wie den Volksfesten, zu stellen.

Nachfolgend der Standpunkt des Deutschen Schaustellerbundes zum Thema „Sicherheit auf Volksfesten“.

 

Sicherheit ist das größte Prädikat für die deutschen Volksfeste. Foto: DSB

Die fürchterliche und überaus bedauernswerte Loveparade-Tragödie von Duisburg im Jahr 2010 hat vielerorts zu Verunsicherungen bei der Planung von künftigen Großveranstaltungen geführt. Die deutschen Schausteller sehen sich seitdem mit neuen, häufig überhöhten und unverhältnismäßigen Sicherheitsanforderungen konfrontiert, die weit über die bereits üblichen und bewährten Anforderungen für Volksfeste hinausgehen.
Jedoch ist eine Retortenveranstaltung wie die Duisburger Loveparade, organisiert auf einem ehemaligen Eisenbahngelände mit mangelhaften Sicherheitsbedingungen, nach Ansicht des Deutschen Schaustellerbundes mit den Traditionsveranstaltungen, die seit Jahrhunderten auf erprobten Kirmesflächen stattfinden, nicht zu vergleichen.

Auswirkungen auf Volksfeste
Die Vorfälle von Duisburg dürfen daher nicht zum Anlass genommen werden, unverhältnismäßige und nicht praktikable Anforderungen an die Sicherheitsvorgaben für Volksfeste zu stellen, durch die den Schaustellern erhebliche Mehrkosten entstehen.
Durch die neue Sicherheitspolitik droht überdies eine Reduzierung der jeweils zu nutzenden Volksfestfläche und damit auch der teilnehmenden Schaustellerbetriebe. Dieser Umstand hätte Auswirkungen auf den Status und die Qualität des gesamten Volksfestes.
Der Deutsche Schaustellerbund hat die Planungspolitik der Bundesländer für neue Sicherheitskonzepte – auch auf Volksfesten – kritisiert und fordert eine konsequente Einbindung der Schausteller. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die es am meisten betrifft, bei den Absprachen zu neuen Sicherheitskonzepten nicht einbezogen werden.

Schausteller sind die Sicherheitsbeauftragten eines Volksfestes
Die Schausteller sind die Profis in Sachen Volksfeste und die Experten für die Sicherheit auf den Veranstaltungen. Schaustellerunternehmer und ihre Mitarbeiter absolvieren regelmäßig Lehrgänge und Seminare zur Unfallverhütung und zur Sicherheit am Arbeitsplatz; es sind Familienbetriebe, für die die Sicherheit der Besucher an erster Stelle steht.
Die Schausteller sind die kompetenten „Kirmesmacher“ und die besten Sicherheitsbeauftragten eines Volksfestes. Sie allein können auf einen Fundus an Erfahrungen zurückgreifen, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Auf einem Festplatz mit 300 Geschäften werden immer 300 Schaustellerunternehmer mit ihren Angestellten die Verantwortung für die Sicherheit der Besucher übernehmen; wie in den Bau- und Betriebsvorschriften sogar gesetzlich verankert. Dabei geht es letztlich auch um den Schutz der eigenen Betriebe, die die Existenzgrundlage für die Zukunft des Gewerbes bilden.
Der Deutsche Schaustellerbund spricht sich gegen ein einheitliches, uniformes System von Sicherheitskonzepten aus. Schließlich hat jedes Volksfest seine eigenen örtlichen und logistischen Voraussetzungen, die nicht miteinander deckungsgleich sind.

Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Schaustellervertretung
Das Thema Sicherheit ist das größte Prädikat für die deutschen Volksfeste und Weihnachtsmärkte. Dies gilt für Fahrgeschäfte und Lebensmittel ebenso wie für die Sicherheit der gesamten Peripherie – einschließlich der Fluchtwege, die ständig den Gegebenheiten angepasst werden müssen.
Nur im gemeinsamen Schulterschluss aller Beteiligten werden die Volksfeste auch in Zukunft ihre Spitzenposition im Freizeit- und Tourismusbereich behalten können. Dafür ist wichtig, dass die Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Schaustellervertretung kontinuierlich ausgebaut wird und die Ansprechpartner in konstruktiven Gesprächen auf Augenhöhe gemeinsam Lösungen finden – zum Wohle der Volksfeste in Deutschland.