Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




DSB bezieht klar Position beim Thema Mindestlohn!

© Deutscher Schaustellerbund e.V.

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Mit der Einführung des neuen Mindestlohngesetzes gehen Dokumentationspflichten einher, die gerade für das Schaustellergewerbe mit seinen speziellen Arbeits- und Lebensbedingungen unmöglich zu erfüllen sind, denn

  • das Schaustellergewerbe ist ein reisendes Gewerbe. Es kennt keine Trennung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, deshalb gibt es auch nicht die erforderliche Trennschärfe von Arbeit und Freizeit, wie sie das neue Mindestlohngesetz nun zu dokumentieren verlangt. Die Mitarbeiter verbringen meist ihre gesamte Arbeits- und Freizeit auf dem Volksfestplatz. Sie leben, wohnen, essen und schlafen bei der Schaustellerfamilie bzw. in den dafür bereitgestellten Unterkünften. Schausteller gehen nach der Arbeit nicht nach Hause, sie sind zuhause! Ist das Gespräch bei der gemeinsamen Mahlzeit Freizeit oder Dienstbesprechung?
  • Das Schaustellergewerbe folgt keinen festgelegten Arbeits- und Ruhephasen, sondern ist geprägt von Transporten, Auf- und Abbau sowie Spielzeiten und auch Tagen ohne Engagement und witterungsbedingten Pausen. Es vereint in sich die besonderen Herausforderungen des Saison- und des Reisegewerbes und ist damit – zusammen mit den Zirkussen – einmalig.

Die deutschen Schausteller fordern daher branchenverträgliche Lösungen, die den Besonderheiten des Schaustellergewerbes gerecht werden.

Auch das Arbeitszeitgesetz muss eine Anpassung an die Lebensumstände des Schaustellergewerbes erfahren, denn

  • auf dem Festplatz muss die Arbeit dann erledigt werden, wenn sie anfällt. Volksfeste öffnen zur bestimmten Stunde ihre Pforten. Kommt es auf dem Weg zum Spielort zu Verzögerungen, z. B. durch Staus oder Unwetter, so müssen sich die Karussells trotzdem pünktlich zur Eröffnung drehen. Andernfalls drohen Einkommenseinbußen und Konventionalstrafen, vor allem aber die enttäuschten Erwartungen der Besucher. Ist das Fest vorbei, verlangen Städte und Gemeinden oft die sofortige Beräumung der Volksfestplätze, Verzögerungen werden nicht geduldet.

Unvermeidbare Überstunden dürfen die Schausteller nicht sofort in die Illegalität treiben!

Die Branche ist bereit, den Mindestlohn zu bezahlen.

Gute, harte Arbeit soll auch gut entlohnt werden. Viele Betriebe zahlen den Mindestlohn ohnehin schon seit langer Zeit, anderenfalls würden sie keine engagierten Mitarbeiter finden.

Die deutschen Schausteller fordern aber flexible, praxisorientierte gesetzliche Regelungen, um ihre Aufgaben – die Veranstaltung von rund 10.000 Volksfesten und über 2000 Weihnachtsmärkten im Jahr –  erfüllen zu können.

Sie sind gegen noch mehr Bürokratie im Alltag, sie sind daher gegen die Aufzeichnungspflichten aus dem Mindestlohngesetz.


Wie läuft das mit der Dokumentationspflicht im Schaustellergewerbe?

  • Die Dokumentationspflicht für das Schaustellergewerbe ist dann erfüllt, wenn die Anfangs- und Endzeit des Arbeitstages und die in diesem Zeitfenster insgesamt geleisteten Arbeitsstunden aufgeschrieben sind!
  • Die Aufzeichnungspflicht kann durch die Mitarbeiter oder den Arbeitgeber selbst erfüllt werden und muss spätestens sieben Tage nach erbrachter Arbeit erfolgen.
  • Ein Beispiel: Bei einem Volksfesteinsatz von 14 bis 23 Uhr würde der Arbeitstag um 13 Uhr beginnen (Vorbereitung) und wäre um 24 Uhr nachts beendet (Nachbereitung). In diesem Fenster von 11 Stunden darf nicht mehr als 8 bis max. 10 Stunden gearbeitet werden.
  • Bei häufiger Überschreitung der Regelarbeitszeit von über 8 Stunden täglich, wird zu einem Arbeitszeitkonto geraten, über das z.B. an Still-Liegertagen ein Ausgleich durch Freizeit geschafft werden kann.