Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Diskussionen und Fachbeiträge rund um das Kulturgut Karussell!

Anlässlich der 5. Historischen Dorfkirmes im Museumsdorf Cloppenburg stand das Thema "Kulturgut Karussell" am 10. Juli im Fokus des Wissens- und Erfahrungsaustauschs von Schaustellern und Experten.

Foto: Tobias Frick

Gemeinsam mit DSB-Vizepräsident und 1. Vorsitzenden des Oldenburger Schaustellerverbandes Michael Hempen nahm DSB-Präsident Albert Ritter (in seiner Funktion als 1. Prinzipal der Historischen Gesellschaft Deutscher Schausteller) am 10. Juli an einer Fachdiskussion des Museumsdorfes Cloppenburg zum Thema "Kulturgut Karussell" teil. DSB-Pressereferentin Lucinde Boennecke informierte vor Ort über die Bewerbung des DSB um Anerkennung der lebendigen Volksfestkultur in Deutschland als immaterielles Kulturgut durch die UNESCO.

 

Das Veranstaltungskonzept des Museumsdorfes fasste die Themen des Tages wie folgt zusammen: "Volksfeste haben in Europa eine lange Tradition und sind wichtiger Bestandteil der Kulturgeschichte. Sie dienten dem Handel mit globalen Gütern, waren aber auch Wissensorte in denen Nachrichten, Modetrends und der Austausch zwischen Stadt und Land stattfanden. Sie haben verheerende Kriege und demographische Umwälzungen überstanden, sind vielfach stabilisierendes Element gewesen, wenn es galt, Krisen zu bewältigen und zu überwinden. Kurz: Volksfeste bildeten eine unverzichtbare Station im kollektiven Erleben eines räumlich verorteten Jahreszyklus. Auch heute haben sie einen festen Platz in der modernen Massen-Freizeit-Kultur. Hier prägen vor allem Karussells, Losbuden, Wurf-und Belustigungsgeschäfte das äußere Erscheinungsbild. Eine besondere Anziehungskraft üben dabei die Karussells und Fahrgeschäfte aus, die dem Besucher den besonderen Nervenkitzel versprechen. „Höher, schneller, weiter!“, lautete das Motto. Je spektakulärer und einzigartiger ein modernes Fahrgeschäft, desto attraktiver scheint es für das Publikum. Was aber passiert mit den alten und unmodernen, den „ausgedienten“ Geschäften? […]Als kulturelles Erbe sind die historischen Jahrmarktsgeschäfte wie Berg-und Talbahn, Pferdekarussell und Russische Schaukel mittlerweile voll akzeptiert und werden sowohl von Schaustellern als auch von Museen (z.B. Stadtmuseum München, Markt- und Schaustellermuseum Essen, Museumsdorf Cloppenburg - Niedersächsisches Freilichtmuseum) gesammelt und restauriert. Die Wertigkeit und Bedeutung um das Thema Volksfest und das Interesse an den Fahrgeschäften und Jahrmarktsattraktionen ist lebendig."

Im Zentrum der lebhaften Debatten standen z.B. Fragen danach, wie historische Karusselle heute öffentlichkeitswirksam präsentiert und genutzt, zugleich aber auch wie sie gepflegt, restauriert und für die Zukunft bewahrt werden können und müssen. Zu den Fachreferenten gehörten unter anderen Susanne Fredebeul, Karussell-Restauratorin aus Ahlen, der luxemburgische (Schausteller-)Historiker Steve Kayser, Gitti Aust vom Markt-und Schaustellermuseum in Essen, Schausteller und Gründungsmitglied der Historischen Gesellschaft Deutscher Schausteller Toni Schleifer und Michael Schimek, Leiter des bauhistorischen Abteilung des Museumsdorfs Cloppenburg. Im Anschluss an die erfolgreiche Veranstaltung unternahmen die Teilnehmer einen gemeinsamen Rundgang über die historische Dorfkirmes.

Die Historische Dorfkirmes im Museumsdorf Cloppenburg ist "ein Rückblick auf das öffentliche Vergnügen aus früheren Zeiten. Aber die Gäste fühlen sich auf der historischen Dorfkirmes auch heute noch mit allen Sinnen sehr wohl. Kirmes und Jahrmarkt haben Tradition. Dem Museumsdorf Cloppenburg- Niedersächsisches Freilichtmuseum – ist es ein Anliegen, die historische Jahrmarktskultur wieder aufleben zu lassen – einmal im Jahr und stets nur für eine begrenzte Zeit. Dicht an dicht gedrängt stehen im Juli auf dem Gelände Fahrgeschäfte und Stände mit einem breiten Angebot von bewährten Produkten wie Bratwurst, Mandeln, Zuckerwatte und Reizen für alle Sinne. Die Anordnung der Karussells und Buden hat ihre eigene ästhetische Anmutung und unterscheidet die „Historische Dorfkirmes“ im Museumsdorf von der Gestaltung moderner Vergnügungs- und Themenparks. Der Höhepunkt ist die museumeigene, originale Raupenbahn aus dem Jahr 1936. Vielen Kleinkünstlern, Zauberer, Stelzenläufer, Puppenspieler, Seifenblasenkünstler sorgen für eine besondere Jahrmarktstimmung". (Quelle: www.museumsdorf.de)