Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Demonstration in Schlips und Kragen

Essen ist eine der größten Städte in Deutschland – hat aber keinen zentralen Kirmesplatz mehr! Das soll sich nun ändern. Mit einer eindrucksvollen Demonstration auf dem Jahresempfang des Essener Schaustellerverbandes e.V. von 1919 am 30. März unterstrichen die Schausteller vor Ort - unterstützt von zahlreichen Verbänden und Organisationen - ihre Forderung nach einem attraktiven Kirmes- und Circusplatz für die Ruhrmetropole.

Jahresempfang des Essener Schaustellerverbandes, (v.l.) Präsident Albert Ritter, Weihbischof Franz Vorrath, Oberbürgermeister Reinhard Paß und Bernhard van Welzenes, Generalsekretär der Nationalseelsorger der Circus- und Schaustellerseelsorge in Europa.

Diskussionsrunde in Skooterchaisen. Fotos: DSB

„Eine Stadt ohne Kirmes ist wie eine Suppe ohne Salz“, sagte DSB-Präsident Albert Ritter beim Empfang der Essener Schausteller. In Essen jedoch habe die Kirmes seit Jahrzehnten keine feste Heimat. Nachdem die Kirmes nach Kriegsende aus der Innenstadt verbannt worden sei, hätte es allein sechs unterschiedliche Standorte gegeben. „Und immer, wenn ein Rathaus, eine Universität oder ein Einkaufszentrum gebaut wurde, musste die Kirmes weichen“, erklärte Ritter.
Mit einer „kultivierten Demonstration“, so Ritter, machten die Schausteller beim Jahresempfang ihrem Ärger Luft und zeigten eindrucksvoll, dass sie für einen zentralen Kirmesplatz in Innenstadtnähe weiter kämpfen werden – bis das Ziel erreicht ist.
Bei ihren Forderungen erhalten die Schausteller massive Unterstützung. Zahlreiche Freunde und Förderer des immateriellen Kulturguts Kirmes, unter ihnen alle Essener Bezirksbürgermeister, Vertreter von Karnevals- und Schützenvereinen, der Kirche und dem Einzelhandelsverband, zeigten durch die Teilnahme am Jahresempfang eindrucksvoll ihre Solidarität mit den Schaustellern. Und auch die Vertreter der Fraktionen im Essener Stadtrat kündigten ihre Hilfe an. In einer Talkrunde, zu der die Politiker in „heißen“ Skooterchaisen Platz nehmen durften, wurde angeregt, einen interfraktionellen Kreis zu gründen, um Essen wieder mit einem Circus- und Kirmesplatz auszustatten.

Weihbischof Vorrath betont enge Verbindung von Kirche und Schaustellern

Der Essener Weihbischof Franz Vorrath verwies beim Jahresempfang auf die wichtige Rolle, die Schausteller bei der Bewahrung von Tradition und kulturellem Erbe spielen. In seinem Grußwort ging er auf die Identität wahrende Funktion des Schaustellergewerbes ein. Eine Kirmes, so Vorrath, sei „an vielen Stellen die letzte öffentlich wahrnehmbare Manifestation einer kulturellen Zugehörigkeit und Herkunft, ohne die wir in Gefahr stehen, die eigene Identität im Sog der wirtschaftlichen Interessen zu verlieren.“
Schausteller hätten aufgrund der Natur ihrer Arbeit die Möglichkeit, mehr als andere Berufsgruppen Einblicke in das Leben vieler verschiedener Städte zu gewinnen. „Sie sind einerseits ein empfindlicher Seismograph neuer Entwicklungen und Trends in der Gesellschaft, andererseits aber auch Träger und Bewahrer einer Jahrhunderte alten Tradition.“ Im Schaustellerverband werde das Wissen um ein wichtiges kulturelles Gut bewahrt, gepflegt und weiter gegeben, das an vielen Stellen des Landes auszusterben drohe.
Da Schaustellerbetriebe nicht an eine bestimmte Kommune gebunden seien, hätten sie keine lokalen Lobbys, die sich für sie einsetzten. Trotzdem seien sie unverzichtbar und nicht zu vernachlässigen. Die Verbindung zwischen Schaustellern und der Kirche sei sehr eng: „In ihren Schaustellerbetrieben weiß man noch, aus welchen Quellen sich die jeweiligen Kirmessen und Feiern speisen.“ Denn eines sei klar: historisch und inhaltlich gesehen hätte es die meisten dieser Veranstaltungen ohne die Kirche und ihre Feste sowie die entsprechende Erinnerung an Heilige gar nicht gegeben. Kirmessen gehörten dahin, wo sie herkommen – rund um die Kirchen, in die Zentren der Städte.

Dank an Schaustellerkollegen

Albert Ritter richtete „ein gewaltiges Dankesschön“ an alle Schaustellerinnen und Schausteller, die nach Essen gekommen waren, „um uns im Kampf für einen vernünftigen Kirmes- und Circusplatz in Essen zu unterstützen" und die mit ihren Traditionsfahnen allen Politikern die Solidargemeinschaft der Schausteller vor Augen geführt hätten.