Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




„Das Pferdereiten nach Schaustellerart hat eine jahrhundertealte Tradition und gehört als familienfreundliche Attraktion auf den Volkfesten einfach dazu.“

Das Pferdereiten auf Volksfesten ist nach wie vor ein viel diskutiertes Thema im DSB. Vermeintliche Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen legen gegenüber den Betreibern der Geschäfte mehr und mehr eine feindselige Haltung an den Tag. Mittlerweile schrecken sie nicht einmal mehr vor tätlichen Angriffen zurück, wie der jüngste Vorfall aus Hamburg zeigt: Auf dem Frühlingsdom attackierten vier Männer das Reitgeschäft eines Betreibers, er schreckten mutwillig die Pferde und nahmen billigend Verletzungen der darauf reitenden Kinder in Kauf. DSB-Vizepräsident für Marketing Michael Hempen äußert sich im Interview zur Haltung des DSB zum dem Thema und dem aktuellen Status der Verbandsarbeit.

Herr Hempen, das Pferdereiten auf Volksfesten ist in letzter Zeit häufiger in die Diskussion geraten. Was sagen Sie zu den Vorwürfen der Kritiker?

Der DSB hat schon 2014 auf die unhaltbaren Anschuldigungen vermeintlicher Tierschützer reagiert und ein Positionspapier veröffentlicht, das über den tierschutzgerechten Umgang mit Pferden im Schaustellergewerbe informiert und aufklärt. Wir möchten damit die Bedenken der Volksfestbesucher, der Politik und natürlich auch der Veranstalter ausräumen und zeigen, dass es viele Gründe dafür gibt, auch weiterhin am Pferdereiten auf Volksfesten festzuhalten.
Die Betreiber lassen sich in der Sorgfalt im Umgang mit ihren Tieren nicht übertreffen – schon alleine, weil die Pferde gewissermaßen Teil der Familie sind. Dementsprechend ist es selbstverständlich, dass den Pferden zu keiner Zeit Schmerzen oder Leiden zugefügt und die vorgeschriebenen Pausen stets eingehalten werden. Dies zeigt sich beispielsweise auch daran, dass die Tiere nachweislich ein hohes Alter erreichen. Nach der Zeit in der Manege haben die Pferde stets ausreichenden Auslauf auf dafür vorgesehenen Wiesen auf dem Festplatz – aber natürlich auch in den Ruhezeiten zwischen den Veranstaltungen und außerhalb der Volksfestsaison. Hinzu kommt, dass die Vorgaben zu Haltung, Transport, Pflege und auch dem Einsatz der Pferde seit Jahren sehr streng sind und von den zuständigen Behörden nicht nur regelmäßig, sondern auch immer sehr gründlich überprüft werden. Die Besitzer der Pferde und auch wir als DSB stehen ja selbst auf der Seite des Tierschutzes – sofern er richtig praktiziert wird und nicht einfach unter dem Deckmantel des Tierschutzes und Tierrechts Aktionen durchgeführt werden, die lediglich der Aufmerksamkeitshascherei und der Eigen-PR dienen.

Warum ist es so wichtig, dass das Pferdereiten auf Volksfesten erhalten bleibt?

Das Pferdereiten nach Schaustellerart hat eine jahrhundertealte Tradition und gehört als familienfreundliche Attraktion auf den Volksfesten einfach dazu. Darin geben uns auch die Besucher recht, denn das Pferdereiten ist nach wie vor auf allen Plätzen, auf denen die Betreiber zu Gast sind, sehr beliebt. Vor allem den Familien mit kleinen Kindern bereiten die Pferde eine große Freude. Damit erfüllt das Pferdereiten auch eine gesellschaftliche Funktion: Gerade Familien mit eher schmalem Budget haben auf den Volksfestplätzen oft die einzige Chance, Pferde zu betrachten, mit ihnen in Berührung zu kommen, sie zu streicheln und natürlich auch auf ihnen zu reiten. Dies gilt in unserer heutigen Zeit ganz besonders für Kinder aus der Großstadt. Nicht zuletzt darf aber auch nicht vergessen werden, dass man den Betreibern ihren Arbeitsplatz – und damit ihre Existenzgrundlage – nähme, wenn sie von den Volksfesten ausgeschlossen würden. Die Inhaber der Pferdegeschäfte üben ihren Beruf in der Regel seit vielen Generationen aus und haben sich auf diese Volksfest-Attraktion spezialisiert. Das macht sie eben auch zu echten Experten auf ihrem Gebiet.


Was raten Sie den Betreibern von Pferdereiten für die Zukunft?

Um nicht nur die Behörden, sondern auch die Volksfestbesucher davon zu überzeugen, dass der eigene Reitbetrieb vorbildlich geführt wird, schlagen wir den Besitzern vor, die Qualität ihrer Betriebe durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) e.V. zertifizieren zu lassen. (Siehe Infokasten)
Damit die Besucher sich darüber hinaus davon über zeugen können, dass es den Pferden an nichts fehlt, eignen sich zum Beispiel Backstage-Touren. In Kombination dazu könnten die Betreiber außerdem das Streicheln, Putzen oder Füttern der Tiere unter Aufsicht anbieten. Zu solchen Aktionen ist es sinnvoll, neben den Volksfestbesuchern ebenfalls die Verwaltungen, Vertreter von Seiten der Politik und natürlich die Medien einzuladen. So können diese sich ebenfalls ein allumfassendes Bild von den Pferdereitbetrieben machen und sehen, welche Leistungen sie für die Tiere erbringen. Diese Maßnahmen helfen gleichzeitig dabei, das Image von Pferdereiten auf Volksfesten langfristig zu verbessern. Da hartnäckige Kritiker allerdings auch trotz überzeugender Argumente nicht verstummen werden, ist es zudem wichtig, ihnen stets auf einer sachlichen und kooperativen Ebene zu begegnen.

Welche weiteren Maßnahmen plant der DSB?

Es ist uns ein großes Anliegen, auch in Zukunft über das hohe und jederzeit überprüfbare Tierschutz- und Qualitätsniveau von Pferdereiten nach Schaustellerart aufzuklären. Denn vermeintliche Tierschützer werden auch weiterhin bei jeder sich bietenden Gelegenheit Behauptungen in den Raum stellen, ohne ihre Anschuldigungen belegen zu können. Wir möchten den Veranstaltern mit guten Argumenten den Rücken stärken, damit sie beispielsweise auf fragwürdige Petitionen entsprechend reagieren können. Daher werden wir auch zukünftig engen Kontakt zu den wichtigen Akteuren, wie beispielsweise der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. suchen. Außerdem wollen wir nun verstärkt das Gespräch mit den Städten und Kommunen sowie den Veranstaltern suchen, um sie über das aggressive Vorgehen vermeintlicher Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen zu informieren. Zudem werden wir die Öffentlichkeit auch weiter darauf aufmerksam machen, dass die Pferde stets vorbildlich gehalten werden, damit das bei den Besuchern so beliebte Pferdereiten auch weiterhin uneingeschränkten Platz auf den Volksfesten in ganz Deutschland findet!

Lieber Herr Hempen, vielen Dank für das Interview!


FN-geprüfte Pferdehaltung
Vereine bzw. Betriebe, die über eine fachgerechte Pferdehaltung verfügen, können mit dem Grundschild "Pferdehaltung" der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) gekennzeichnet werden,wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das Kennzeichnungssystem der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sieht zunächst eine Beurteilung der Pferdehaltung in den Vereinen oder Betrieben vor. Der Bewerber füllt im ersten Schritt einen Antrag auf Anerkennung als "FN-geprüfte Pferdehaltung" aus, damit die Basisdaten von der Prüfungskommission gesichtet und anschließend bewertet werden können. Aufbauend auf der Qualifikation "FN-geprüfte Pferdehaltung" können anschließend weitere Schwerpunkte, wie zum Beispiel Zucht, Pensionspferde, Reit- und Fahrschule erworben und herausgestellt werden. Den Antrag zur FN-geprüften Pferdehaltung so wie eine Zusammenstellung der allgemeinen Kennzeichnungsvorrausetzungen erhalten Sie in der Hauptgeschäftsstelle des DSB per E-Mail an: mail@dsbev.de
Das DSB-Positionspapier zum Thema Pferdereiten auf Volksfesten finden Sie hier zum Download.