Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Aus Liebe zum Volksfest

Andrea Konn ist seit 2012 Volksfestkönigin des Nürnberger Frühlingsfestes und gibt dem fränkischen Traditionsfest ein Gesicht

Quellen von oben nach unten: Andreas Frohnhöfer, Daniel Kolisnek, Detlef Schimmerle

© Deutscher Schaustellerbund e.V.

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Auf dem Volksfest gibt es viele Königinnen und Könige: Wer mit dem Riesenrad fährt und das Volksfest von oben herab betrachtet oder wer seiner Liebsten am Schießstand eine Rose schießt, fühlt sich schon mal königlich. Wenn Andrea Konn von sich als Volkfestkönigin spricht, dann nicht etwa, weil sie im Karussell eine Runde zu viel gedreht hat, sondern weil sie auf dem Nürnberger Frühlingsfest im Jahr 2012 offiziell zur Volksfestkönigin ernannt worden ist. Die 27-Jährige arbeitet außerhalb des Volksfestes als Sekretärin in der Versicherungsbranche und kommt aus der kleinen bayerischen Ortschaft Rohrbach an der Ilm, in der Nähe von Pfaffenhofen. Dort hat sie das erste Mal das königliche Amt übernommen – in der Saison 2008/2009 war Andrea Konn die erste Volksfestkönigin von Pfaffenhofen. Im Gespräch erzählt die sympathische Oberbayerin wie sie Volksfestkönigin geworden ist, was das Schöne an ihrem Amt ist, aber auch wie sich ihr Blick auf die deutschen Volksfeste seit ihrem Amtsantritt verändert hat.

Frau Konn, wie wird man Volksfestkönigin?

Ganz einfach: Mit einer Bewerbung! Ich hab mich auf die Online-Ausschreibung des Süddeutschen Schaustellerverbandes beworben. Als ich die Ausschreibung gelesen habe, dachte ich mir, dass da bestimmt mehr dahinter steckt, wenn schon ein Schaustellerverband sucht. In Pfaffenhofen bin ich ja sozusagen vom Volk gewählt worden. Das hat damals im Volksfestzelt stattgefunden und es ging hauptsächlich darum, dass im Zelt Stimmung aufkommt. Dieses Mal musste ich aber eine Jury überzeugen.

Und wie haben Sie das gemacht?

Ich war einfach ich selbst. Ich hab ihnen das erzählt, was sie sowieso schon gewusst haben, nämlich, dass das Nürnberger Volksfest einfach schön ist. Besonders schön finde ich die freundliche und familiäre Atmosphäre hier. Auf dem Nürnberger Volksfest kann man selbst bei größerem Andrang den Überblick behalten, weil es einen Rundgang gibt und weil das Gelände geschlossen ist, Kinder können dadurch nicht so einfach auf eine offene Straße gelangen.

Dann hat mich die Jury noch gefragt, ob ich einen Freund habe und was der dazu sagt, wenn ich Volksfestkönigin werden würde oder ob ich Vegetarierin bin. Weil am Volksfest werden halt oft Drei im Weggla gegessen. Aber ich mag schon meine Drei im Weggla!

„Drei im Weggla“ sagen Sie, das ist auch besser bekannt als… ?!

Bei uns in Oberbayern würde man Bratwurstsemmel sagen. Also, ein Brötchen mit drei Nürnberger Bratwürsten drin.

Und die Frage nach dem Freund? Gibt es da einen Mann an Ihrer Seite, der eifersüchtig werden könnte?

Nein. Im Moment nicht. Ich bin Single.

Was zeichnet Sie als Nürnberger Volksfestkönigin aus?

Diese Frage wurde mir auch bei dem Bewerbungsgespräch gestellt: Warum ich Nürnberger Volksfestkönigin werden sollte. Naja, da hab ich gesagt, bei mir sieht man doch genau den Einzugsbereich, den das Nürnberger Volksfest hat. Wenn schon die Oberbayern nach Nürnberg kommen! Das war natürlich schon ein gutes Argument. Das Auswahlgremium und ich waren uns auch sehr einig, welche Aufgaben eine Volksfestkönigin übernehmen soll. Das hat gut zusammengepasst. Denn, ich will nicht nur auf dem Volksfest präsent sein, sondern auch Werbung für das Volksfest machen, wenn es gerade nicht stattfindet. Außerdem zeichnen mich mein Dialekt aus und natürlich die Liebe zum Volksfest, weil die ist bei mir sehr ausgeprägt. 

Was haben Sie als Volksfestkönigin erlebt?

Ich komme viel herum und war schon quer durch Deutschland unterwegs. Dabei habe ich unseren bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer kennengelernt, das war schon toll. Ich habe viele verschiedene Menschen kennengelernt, die ich so nie getroffen hätte: Politiker, Leute aus Wirtschaft und Medien und natürlich die Schausteller selbst!

Sehen Sie Volksfeste mit anderen Augen, seitdem Sie Volksfestkönigin sind?

Ja, das würde ich schon sagen. Vor allem durch die Schausteller. Die reden sehr offen über ihre Situation und ihre Probleme. Dadurch empfinde ich zum Beispiel viele Preise gerechtfertigter. Weil man ein Verständnis entwickelt, wie viel Geld die Schausteller investieren müssen und welches finanzielle Risiko damit verbunden ist. Bei schlechtem Wetter stehen die Schausteller genauso auf dem Volksfest, auch wenn sie nichts einnehmen.

Was fasziniert Sie an Volksfesten?

Ich war von Kindesbeinen an schon immer gerne auf Volksfesten unterwegs. Ich hab mich schon immer gern der Illusion hingegeben. Wenn man Volksfeste besucht, dann sieht man so viele Lichter, riecht unterschiedliche Leckereien, und man kann sich eigentlich den ganzen Tag auf einem Volksfest aufhalten ohne viel Geld auszugeben, weil schon alleine die Eindrücke die man mit den Augen bekommt wunderbar sind. Als Jugendliche bin ich oft mit leerem Geldbeutel auf’s Volksfest gegangen. Ich wollte einfach nur dort sein.

Frau Konn, vielen herzlichen Dank für das nette Gespräch!

Anmerkung: Volksfestköniginnen sind Sympathieträgerinnen. Sie transportieren das positive Image der deutschen Volksfeste, Kirmessen und Jahrmärkte in die Öffentlichkeit. Ihr freundliches Gesicht steht für die Freundlichkeit und Herzlichkeit unseres Berufstands der Schausteller. Volksfestköniginnen verleihen unserem Motto „wir machen Freizeit zum Vergnügen“ eine öffentlichkeitswirksame Stimme und überstrahlen mit ihrer charmanten Art die Volksfestplätze und unser Gewerbe. Der DSB kann das Engagement der zahlreichen deutschen Volksfestköniginnen in allen Regionen nur unterstützen und spricht ihnen sein herzlichstes „Dankeschön“ dafür aus.