Deutscher Schaustellerbund e.V.

die Berufsspitzenorganisation für das Schaustellergewerbe




Anerkennung der Volksfeste als immaterielles Kulturerbe

Deutschland hat eine einmalige und vielfältige Kulturlandschaft. Hierzu zählt vor allem die über Jahrhunderte gewachsene Kultur der Volksfeste, Kirmessen und Weihnachtsmärkte. Auf den Volksfesten wird Brauchtum gepflegt, Gemeinschaft erlebt und die Tradition volksnaher Unterhaltung aufrechterhalten. Die Menschen brauchen die Volksfeste, damit das Gemeinwesen weiter funktionieren kann. Ein Hauptanliegen des Deutschen Schaustellerbundes ist daher die kulturelle Anerkennung der deutschen Volksfeste.

Gesprächspartner in Hannover: (v.l.) Hauptgeschäftsführer Helmut Gels, Kommissionspräsident Walter Hirche, Präsident Albert Ritter und Generalsekretär Dr. Roland Bernecker

Am 3. Juli führten Präsident Albert Ritter und Hauptgeschäftsführer Helmut Gels in Hannover ein Gespräch mit Walter Hirche, Präsident der deutschen UNESCO-Kommission und Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen sowie Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der deutschen UNESCO-Kommission. Im Mittelpunkt stand dabei die Aufnahme der deutschen Volksfeste in die Liste der immateriellen Kulturgüter der UNESCO.

Im Rahmen der Regelungsbefugnis der UNESCO gibt es neben dem materiellen Weltkulturerbe, zu dem in Deutschland u.a. der Kölner Dom und die Museumsinsel in Berlin gehören, seit Neuestem die Möglichkeit, über die UNESCO auch immaterielle Kulturgüter schützen zu lassen.
Laut UNESCO sind nicht nur herausragende Bauwerke und Naturstätten schützenswert und für unsere Nachkommen zu bewahren. Kulturelle Vielfalt spiegelt sich auch in lebendigen Ausdrucksformen: Feste, Bräuche, Tanz und Theater, Musik und mündliche Literaturformen, Sprachen, Handwerkstechniken und Wissensformen.
2003 hat die UNESCO-Generalkonferenz das Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes verabschiedet. Nachdem 30 Staaten es ratifiziert hatten, trat es zum 20. April 2006 in Kraft. Deutschland hat das Übereinkommen bisher noch nicht ratifiziert.
Die Vertreter des Deutschen Schaustellerbundes und der Deutschen UNESCO-Kommission waren sich bei dem Gespräch in Hannover einig, ihre politischen Kontakte für eine schnelle Ratifizierung einzusetzen. UNESCO-Präsident Walter Hirche sagte zu, die Anliegen des DSB nach einer Aufnahme deutscher Volksfeste in die Liste der immateriellen Kulturgüter zu unterstützen. "Die Deutsche UNESCO-Kommission steht hinter dem Deutschen Schaustellerbund", sagte Präsident Hirche.

Kulturelles Erbe vermittelt ein Gefühl von Identität und Kontinuität
Das UNESCO-Programm zur Pflege des immateriellen Kulturerbes rückt weltweit über Jahrhunderte überlieferte Traditionen, die unmittelbar von menschlichem Können getragen werden, in den Blickpunkt. Sie prägen und beeinflussen Kulturen heute und morgen.
Mit dem Übereinkommen werden die langjährigen UNESCO-Aktivitäten zur Inventarisierung, Sammlung und Revitalisierung kultureller Traditionen, Fertigkeiten und vom Aussterben bedrohter Sprachen künftig in völkerrechtlich verbindlichem Rahmen fortgesetzt.
Zum immateriellen Erbe zählt die UNESCO "Praktiken, Darbietungen, Ausdrucksformen, Kenntnisse und Fähigkeiten - sowie die damit verbundenen Instrumente, Objekte, Artefakte und Kulturräume -, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Individuen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen."
In dem Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes heißt es: "Dieses immaterielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wird von Gemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, ihrer Interaktion mit der Natur und ihrer Geschichte fortwährend neu geschaffen und vermittelt ihnen ein Gefühl von Identität und Kontinuität. Auf diese Weise trägt es zur Förderung des Respekts vor der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität bei."

Bundestagsbeschluss zur Sicherung der Volksfeste
Bei seiner Arbeit wird der DSB von den politischen Entscheidungsträgern seit vielen Jahren unterstützt. So stellte der Deutsche Bundestag bereits im Dezember 2000 in einem Beschluss zur "Sicherung der Volksfeste, des Markthandels und des Schaustellergewerbes" fest, "dass die deutsche Volksfestkultur mit einer Fülle von tief im volkstümlichen Brauchtum verwurzelten Jahrmärkten, Kirmessen, Wochen- und Weihnachtsmärkten in ihrer Art einzigartig auf der Welt ist. Die Volksfeste sind wesentliches Kulturgut und als solches von der Bundesregierung und der EU anerkannt und schützenswert. Sie sind in der Bundesrepublik Deutschland für alle sozialen Schichten ein wichtiger Bestandteil der Freizeitgestaltung, erfüllen eine wichtige soziale Ausgleichsfunktion für alle Altersklassen sowie eine Integrationsfunktion für ausländische Mitbürger, wahren regionaltypisches Brauchtum und Tradition und stärken das Heimatbewusstsein."

Stichwort: UNESCO
Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (engl. United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, UNESCO) ist eine internationale Organisation und gleichzeitig eine der 16 rechtlich selbständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Sie hat ihren Sitz in Paris (Frankreich). Derzeit sind 193 Staaten in der UNESCO vertreten. Zu den Aufgabengebieten der UNESCO gehört die Förderung von Erziehung, Wissenschaft und Kultur sowie Kommunikation und Information.